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Mehrere Fraktionen können sich überregionale Konzepte für die Anschaffung und den Einsatz von Löschflugzeugen vorstellen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

WaldbrändeLandtagsfraktionen sind offen für Löschflieger

von MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 29. Juli 2022, 17:53 Uhr

Zahlreiche Waldbrände haben in Sachsen-Anhalt eine Diskussion über neue Löschtechnik angestoßen. Zuletzt hatte der Landkreis Harz die Anschaffung eines Löschflugzeugs gefordert. Die Landtagsfraktionen von Linke, FDP, SPD, Grüne und AfD stehen dem grundsätzlich offen gegenüber. Allerdings soll die Verantwortung nicht bei den Kommunen liegen.

Die Landtagsfraktionen von LINKE, FDP, SPD, Grüne und AfD stehen der Anschaffung von Löschflugzeugen oder -hubschraubern grundsätzlich offen gegenüber. Das zeigt eine Recherche von MDR SACHSEN-ANHALT. Die Vertreter der Fraktionen fordern jedoch auch, die Entscheidung nicht den Kommunen zu überlassen, sondern die Löschflugzeuge überregional einzusetzen.

Die Debatte um Löschflieger hatte der Landrat des Harzkreises, Thomas Balcerowski (CDU) angestoßen. Balcerowski hatte angekündigt, dass der Kreis angesichts der aktuellen Waldbrände eine Ausschreibung vorbereite, um künftig ein eigenes Löschflugzeug zu betreiben. Der Landesfeuerwehrverband unterstützte die Pläne. Sowohl der Bund als auch das Landesinnenministerium hatten jedoch abgelehnt, Flugzeuge ausschließlich zur Brandbekämpfung anzuschaffen.

FDP und Linke für überregionale Konzepte

Die Kommunen sind die Experten vor Ort, wären mit Löschhubschraubern allein aber überlastet, meint der FDP-Politiker Guido Kosmehl. Bildrechte: MDR/PUNCTUM Stefan Hoyer

Guido Kosmehl, Abgeordneter der FDP, sagte, er könne sich eine gemeinsame Initaitive mehrerer Bundesländer vorstellen. Die Kommunen wären laut Kosmehl mit der Anschaffung eines Hubschraubers und zusätzlichen Faktoren wie Kosten oder Einsatzzeiten überlastet. Dennoch bleibe Brandschutz eine kommunale Aufgabe, da die Zuständigen sich vor Ort besser auskennen würden. Alleingänge lehne er jedoch ab.

Der Linken-Abgeordnete Andreas Henke erklärte, dass zunächst alle anderen Möglichkeiten der Brandbekämpfung ausgeschöpft sein müssen, bevor Löschtechnik aus der Luft zum Einsatz komme. Könnte man sich auf eine länderübergreifende Regelung einigen, wäre eine einmotorige Maschine sinnvoll. Sie habe ein Fassungsvermögen von 2.300 Litern. Das ist etwa vier mal so viel wie bei einem Löschhubschrauber.

Henke zufolge haben neben den Landkreisen Harz und Mansfeld-Südharz bereits Kreise in Niedersachsen Interesse bekundet, darunter Goslar. "Damit stünden womöglich fünf Landeplätze zur Verfügung, wo das Flugzeug betankt werden kann", sagte Henke. So könnten mehrere Piloten mit einem Bereitschaftsplan von Frühjahr bis Herbst die Einsätze aus der Luft fliegen.

Bedenken bei SPD und Grünen

Der SPD-Abgeordnete Rüdiger Erben gab auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT zu bedenken, dass bei der Anschaffung eines Löschflugzeugs Aufwand und Nutzen genau abgewogen werden sollten. Womöglich würde ein Luftfahrzeug zu wenig eingesetzt.

Bevor Flugzeuge angeschafft werden, müsse über die Ursachen von Waldbränden gesprochen werden, sagte der Grünen-Abgeordnete Sebastian Striegel. Bildrechte: IMAGO

Sebastian Striegel (Grüne) forderte, über die Ursachen von Waldbränden zu reden, bevor man Löschflieger anschaffe. Natürliche Brandursachen gebe es in Sachsen-Anhalt kaum. Die meisten Brände würden von Autofahrern und Rauchern verursacht. Bei Hitze könne auch die Schmalspurbahn Brände verursachen.

Die Feuerwehren seien nicht in der Lage, die neue Situation in den Griff zu kriegen. "Das gilt auch für die Brandbekämpfung aus der Luft", sagte Striegel, "Löschflugzeuge können nur von mehreren Bundesländern gestemmt werden." Striegel forderte ein deutschlandweites Konzept oder eine europäische Initiative, da Waldbrände inzwischen ein europäisches Problem seien.

Hubschrauber von Polizei und Bundeswehr denkbar

Neben dem Einsatz von Löschflugzeugen können sich die befragten Politiker auch Hubschrauber von Polizei oder Bundeswehr vorstellen. Allerdings hätten diese ein geringeres Fassungsvermögen und die Alarmierung sei umständlich.

Daniel Roy (AfD), selbst Feuerwehrmann, erklärte: "Polizeihelikopter und Bundeswehrhubschrauber sind ein gutes Hilfmittel. Aber die teils starken Winde haben gezeigt, dass die großen Brandflächen schnell viel Wasser benötigen." Löschflugzeuge könnten schneller agieren und gezielter eingesetzt werden.

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MDR (Dagmar Borchert, Maren Wilczek)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29. Juli 2022 | 19:00 Uhr

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