Hörer machen Programm So sollen die Wähler in Sachsen-Anhalt vor Corona geschützt werden

Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt für das MDR AKTUELL Nachrichtenradio
Bildrechte: MDR/Jan Bräuer

Noch gut vier Wochen, dann wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Derzeit gelten im Land – so wie in anderen Bundesländern auch – strenge Corona-Regeln. MDR AKTUELL-Hörer Ronald Nehrkorn äußert deshalb Bedenken, was den Wahltag am 6. Juni angeht: "Zur Wahl sollen alle ein Klassenzimmer bzw. Wahllokal aufsuchen und im Minutentakt in einer ein Quadratmeter großen Box nacheinander ihr Kreuz machen. Maske hin oder her, aber wie soll das funktionieren?

Wähler stecken im Wahlbuero ein Wahlumschlag in eine Wahlurne.
Wählen in Zeiten von Corona – wie läuft das ab? Bildrechte: imago/Eibner

Für die Landeswahlleiterin in Sachsen-Anhalt, Christa Dieckmann, halten sich die Gefahren im Wahllokal in Grenzen. In der wärmeren Jahreszeit könnten die Fenster offen stehen, es gebe Fortschritte beim Impfen, und die aktuellen Einschränkungen sorgten zusätzlich für sinkende Infektionszahlen, sagt Dieckmann. Außerdem werde auch in den Wahllokalen streng auf Abstand geachtet. Es herrsche Maskenpflicht, und Wählerinnen und Wähler würden angehalten die Hände zu desinfizieren.

Hinzu kommt: "Die Wähler werden gebeten, ihr eigenes Schreibgerät mitzubringen, und darüber hinaus werden wir für die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer einen Selbsttest zur Verfügung stellen, der dann vor dem Öffnen der Wahllokale genutzt wird", erklärt die Landeswahlleiterin. So könne ein guter Schutz für Wählerinnen und Wähler sowie für die Wahlvorstände geboten werden.

Flächendeckende Briefwahl umstritten

Die Alternative wäre eine flächendeckende Briefwahl, doch die ist umstritten. Die Wahlgrundsätze allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim sind bei der Briefwahl tatsächlich nicht garantiert. In der Wohnstube ist der Wähler oder die Wählerin beim Kreuzemachen nicht so geschützt wie in einer Kabine im Wahllokal, es könnte jemand über die Schulter gucken und sich einmischen. Genau deswegen sei eine flächendeckende Briefwahl auch das letzte Mittel, unterstreicht die Landeswahlleiterin: "Sie müssen sich das so vorstellen: Sie können landesweite Briefwahl eigentlich nur dann anordnen, wenn beispielsweise auch der tägliche Einkauf nicht mehr möglich wäre. Und so eine Situation sehe ich für den 6. Juni nicht."

Virologe Kekulé: Wahl ist kein Superspreader-Event

Auch der Virologe Alexander Kekulé hält die Gefahren bei der Wahl im Wahllokal für überschaubar. Außerdem wisse man aus anderen Bundesländern, in denen während der Pandemie gewählt wurde, dass die Wahlen keine sogenannten Superspreader-Events” waren. Dazu kämen die FFP2-Masken für noch mehr Sicherheit, sagt Kekulé und fügt an: "Ich glaube, dass das auch in diesen Wahlbüros wirklich so ist, dass man die Sicherheitsabstände einhalten kann. Es ist ja dann auch etwas wärmer im Juni; Fenster auf ist da möglich. Ich halte das wirklich für machbar. Also ich glaube nicht, dass man jetzt aus Sicherheitsgründen die Wahl auf die Briefwahl beschränken sollte." Menschen, bei denen das Risiko hoch ist, dass sie schwer an Corona erkranken, könnten sich natürlich überlegen, ob sie die Briefwahl bevorzugen.

Dass es bei so vielen Einschränkungen trotzdem möglich ist zu wählen, hält Sachsen-Anhalts CDU-Chef Sven Schulze bei aller Vorsicht für wichtig. Die Bedeutung der Wahl sei nicht zu unterschätzen: "Wichtig ist, dass Wahlen ein originäres Grundrecht der Menschen sind. Und wir haben auch die Pflicht, diesen Landtag in Sachsen-Anhalt und damit dann auch letzten Endes die Landesregierung wieder neu zu wählen." Wer sich unsicher fühle, der könne sich für die Briefwahl entscheiden, betont auch Schulze.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Mai 2021 | 08:25 Uhr

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