Landtagswahl 2021 Das sind die Gewinner und Verlierer der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Sachsen-Anhalt hat gewählt. Herausgekommen ist, wie so oft, ein ganz anderes Bild, als Umfragen es zuletzt hatten erahnen lassen. Wer nach Gewinnern der Wahl sucht, findet nur zwei. Die Liste der Verlierer dagegen ist ungleich länger. Die Analyse.

Es gibt einen Fakt an diesem frühen Montagmorgen, an dem es nichts zu rütteln gibt. Die CDU ist der eindeutige Gewinner der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Christdemokraten um Reiner Haseloff haben etwas geschafft, das ihnen in dieser Deutlichkeit kaum jemand zugetraut hatte: Sie haben ihr Ergebnis von vor fünf Jahren deutlich ausgebaut, sind die unangefochtene politische Nummer 1 ins Sachsen-Anhalt.

Das überrascht insofern, als dass es das politische Berlin den Parteifreunden zwischen Arendsee und Zeitz wahrlich nicht leicht gemacht hatte zuletzt: Maskenaffäre, verpatzte Pandemiepolitik und ein Ostbeauftragter der Bundesregierung, der sich mit seinen Aussagen über Ostdeutsche nicht unbedingt beliebt gemacht hat in der Wählerinnen- und Wählerschaft. Kurzum: Der Trend sprach nicht unbedingt für die CDU.

Haseloff punktet auch beim Klientel anderer Parteien

Dem alten und sehr wahrscheinlichen neuen Ministerpräsidenten hat all das nicht geschadet: Reiner Haseloff ist nunmehr einer derer, die die CDU zurückgeführt haben in Richtung eines Ergebnisses, an das die Partei vielleicht selbst gar nicht mehr geglaubt hatte. Das mag einerseits an der Sorge vieler Wählerinnen und Wähler liegen, die AfD könne stärkste Kraft und der Ruf Sachsen-Anhalts beschädigt werden. Andererseits liegt es auch daran, dass Haseloff großes Ansehen genießt, auch bei den Wählerinnen und Wählern anderer Parteien.

Wer nach weiteren Gewinnern dieser Landtagswahl sucht, wird im Prinzip nur noch bei den Liberalen fündig: Die FDP hat geschafft, was Umfragen zuletzt nahegelegt hatten. Die Partei von Spitzenkandidatin Lydia Hüskens ist nach zehnjähriger Abstinenz zurück im Landtag, will dort nun gestalten. Immer wieder hatte Hüskens in den vergangenen Wochen betont, sie wolle lieber regieren statt die Oppositionsbank zu drücken.

Lydia Hüskens, Spitzenkandidatin der FDP für die Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt, reagiert bei einer Wahlparty der Partei auf die ersten Prognosen.
Zurück im Landtag: Lydia Hüskens und ihre FDP Bildrechte: dpa

Ob es dazu tatsächlich kommt?

Nach dem letzten Stand könnten CDU und SPD auch allein regieren. Ob sie das tatsächlich tun? Ungewiss, zumal die Mehrheit hauchdünn wäre und nicht gerade für ein politisch stabiles Bündnis stünde. Kommt es stattdessen zu einer Dreierkoalition, könnten die Liberalen aber im Spiel sein. Denn dass viele in der CDU lieber mit der FDP statt mit den Grünen regieren würden, ist kein Geheimnis.

Liste der Verlierer ist länger als die der Gewinner

Damit zu den Verlierern dieser Wahl. Deren Liste ist länger – beginnt bei der Linken (schlechtestes Ergebnis in der Geschichte Sachsen-Anhalts), geht weiter bei der SPD (ebenfalls schlechtestes Ergebnis in der Geschichte Sachsen-Anhalts) und endet bei den Grünen.

Katja Pähle, Spitzenkandidatin der SPD für die Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt spricht auf der SPD-Wahlparty.
Herbe Schlappe: Katja Pähle und ihre SPD fuhren ein noch schlechteres Ergebnis ein als 2016. Bildrechte: dpa

Ein rot-rot-grünes Bündnis, über das so mancher in den drei Parteien vor einigen Monaten noch nachgedacht hatte, hat nicht ansatzweise eine Mehrheit. Linke und SPD stürzen in Sachsen-Anhalt stattdessen weiter ab, die Grünen verbessern sich zwar leicht – bleiben aber deutlich hinter ihren eigenen Erwartungen zurück.

Ebenfalls auf der Seite der Verlierer steht die AfD. Auch sie blieb hinter den eigenen Erwartungen zurück, verlor zudem fast alle ihrer 2016 eroberten Direktmandate. Klar: Die Partei von Spitzenkandidat Oliver Kirchner bleibt zweitstärkste Kraft im Landtag und das mit deutlichem Abstand vor der Linken auf Rang 3. Sie ist dennoch einer der Wahlverlierer, weil sie eines ihrer wichtigsten Werkzeuge verlieren wird, um Politik zu machen: den Gang vor das Landesverfassungsgericht.

AfD verliert eines der wichtigsten Werkzeuge der eigenen Politik

In der Corona-Pandemie hatte sie dort immer wieder Normenkontrollklagen angestrengt. Recht bekommen hat sie fast nie, Aufmerksamkeit aber immer. Allerdings braucht es für den Gang vors Verfassungsgericht mindestens ein Viertel der Abgeordneten. Die stellt die AfD jetzt aber nicht mehr. Auch Gespräche zwischen CDU- und AfD-Abgeordneten dürften abseits der Ausschussarbeit vorerst wieder seltener werden.

Oliver Kirchner (AfD), Spitzenkandidat des Landesverbandes AfD Sachsen-Anhalt
Ein Autogramm trotz Verlusten: Die AfD von Spitzenkandidat Oliver Kirchner bleibt zweitstärkste Kraft in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: dpa

Dieser Artikel ist nicht kommentierbar. Warum? Zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt veröffentlichen wir sehr viele Inhalte. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, dass Sie sich gebündelt zur Wahl und den Ergebnissen austauschen und so mehr Gesprächspartnerinnen und -partner erreichen können. Folgende Artikel zur Landtagswahl können Sie dafür nutzen: CDU deutlich stärkste Kraft – Haseloff kann sich Koalitionspartner aussuchen, Haseloff schlägt AfD – die schweigende Mehrheit gewinnt und Ticker: Die wichtigsten Entwicklungen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

MDR/Luca Deutschländer, Thomas Vorreyer

Dieses Thema im Programm: MDR Extra – Die Entscheidung in Sachsen-Anhalt | 06. Juni 2021 | 17:45 Uhr

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