Landtagswahl 2021 FDP im Wahlkampf: Diesmal soll es klappen

Thomas Vorreyer
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Zweimal nacheinander hat es die FDP nicht in den Landtag von Sachsen-Anhalt geschafft. 2021 versucht es die Partei mit einer Mischung aus Optimismus und Schwarzmalerei. Dabei setzt man auf die erfahrene Spitzenkandidatin Lydia Hüskens, auf die Corona-Krise und auf besonders junge Leute.

Lydia Hüskens, FDP-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt,
Saß von 2002 bis 2011 bereits im Landtag und scheiterte mit der FDP dann zweimal an der Fünf-Prozent-Hürde: die neue Spitzenkandidatin Lydia Hüskens. Bildrechte: dpa

So knapp wie die FDP in Sachsen-Anhalt ist selten eine Partei an einer Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Bei der Landtagswahl 2016 standen am Ende nur 4,9 Prozent unter dem gelben Balken, es fehlten rund 1.700 Stimmen. Für die langjährige Landtagsabgeordnete Lydia Hüskens war es bereits die zweite Niederlage bei einer Landtagswahl. Das soll sich 2021 ändern.

Mit der 57-jährigen Hüskens als Spitzenkandidatin will die FDP endlich wieder zurück in den Landtag. Auf den zitronengelben Großplakaten blickt einem die Geschäftsführerin eines Studentenwerks als Pop-Art-Zeichnung entgegen. Die blaue und magentafarbene Schrift darunter sieht mit ihrem langen Schlagschatten fast wie ein Superheldenumhang aus.

Die FDP kann aber auch anders. Im Wahlwerbespot heißt es über die Landesregierung in Grau auf schwarzem Grund: "Zehn Jahre nur eine Richtung: abwärts." Einmal feste draufhauen auf Sachsen-Anhalt, auch das gehört dazu, wenn man aus der außerparlamentarischen Opposition wieder in den Landtag möchte.

Partei überrascht mit Studierenden Anfang 20 als Kandidaten

Fragt man nach, heißt es, Stillstand habe es zwar nicht überall, aber vor allem in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik von Sachsen-Anhalt gegeben. In Statistiken belege das Bundesland zu oft den letzten von 16 Plätzen. Lydia Hüskens sagte dem MDR, sie wolle da mehr Tempo und Dynamik "auf die Straße" bringen. Ähnlich technisch klingt das Wahlkampfmotto: "Ein Land fährt hoch." Die FDP, so Hüskens, setze damit vor allem auf "die Menschen und ihr Engagement".

Sachsen-Anhalts FDP selbst setzt auch auf das Engagement junger Leute. Keine größere Partei hat derart viele Unter-30-Jährige auf ihren Top-20-Listenplätzen. Da sind etwa die Medizinstudentin Johanna Engel und der angehende Jurist Maximilian Gludau. Beide sind gerade mal 22.

Gludau studiert an der Martin-Luther-Universtität in Halle, für die FDP kandidiert er in seiner Heimat Weißenfels. Er ist mit seinem 14. Geburtstag in die Jungen Liberalen eingetreten und mit 16 in die FDP. Davor lag jeweils eine krachende Wahlniederlage bei der Landtagswahl 2011 und der Bundestagswahl 2013. "Da merkt man, wer Überzeugungstäter ist", erinnert sich Gludau an seine Anfangszeit.

Ob die FDP 2021 auch so eine junge Liste aufgestellt hätte, wenn sie nicht bei den letzten Wahlen nicht so oft gescheitert wäre? Es ist zumindest fraglich.

Andere Stimmung als noch 2016

Was unbestritten ist: Die FDP hat 2021 ein anderes Momentum als noch 2016, als die Migrationskrise das bestimmende Thema war und es noch keine Kenia-Koalition gab. Wenn Gludau heute Plakate aufhängt, würden ihn Leute ansprechen und sagen, es sei wichtig, dass man in den Landtag komme. "2016 war diese Stimmung noch nicht da", sagt der Nachwuchspolitiker. Auch Umfragewerte von zuletzt 8 Prozent FDP hätten der Partei noch mal einen Ruck gegeben.

Im Landtag würde Gludau gerne Infrastrukturprojekte vorantreiben. Für den Norden fordert der Mann aus dem Süden einen schnelleren Ausbau der A14. Im Süden wiederum soll der Strukturwandel vor allem durch neue Industriearbeitsplätze gemeistert werden. "Es ist schön, wenn die Fassade des Naumburger Doms gereinigt wird, aber das sollte nicht mit Strukturwandelgeldern geschehen", so Gludau. Mit diesen Mitteln solle beispielsweise lieber die Wasserstoffindustrie dort angesiedelt werden.

Hoffnung ruht auf Corona-Krise – und Attacken auf Haseloff

Beim digitalen Wahlkampfauftakt am Donnerstag wurde aber auch klar: Den entscheidenden Schub in den Landtag erhoffen sich die Liberalen von der Corona-Krise. FDP-Themen wie Freiheitsrechte und Digitalisierung seien in der Pandemie "dringlich geworden", sagte etwa der FDP-Bundesvorsitzende, Christian Lindner, dem MDR. Er war extra nach Magdeburg gekommen, um Lydia Hüskens zu unterstützen. Beim anschließenden Livestream übernahm Lindner für sie den Großangriff auf Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Der sei dem FDP-Chef zufolge nicht weniger als ein mutloser, kalter Machtpolitiker.

Allzu sehr dürfte man Haseloff in den nächsten Wochen aber nicht reizen wollen. Zum einen wünschen sich in der CDU nicht wenige eine Zusammenarbeit mit der FDP, zum anderen können sich die Liberalen selbst einen Sprung auf die Regierungsbank vorstellen. Lydia Hüskens etwa sei eine sehr erfahrene Landespolitikerin, "die sofort Regierungsverantwortung übernehmen könnte", sagte Lindner dem MDR. Eine Regierung wäre derzeit aber nur mit der CDU möglich.

Und wenn es dazu nicht kommt? Hüskens sieht ihre "Elf" gut aufgestellt. Die ersten elf Listenkandidierenden würden alle Themenbereiche gut abdecken und eine gute Ausschussarbeit im Landtag leisten, sagte die Spitzenkandidatin. Maximilian Gludau kandidiert auf Listenplatz acht, Johanna Engel auf Platz elf.

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Laut Gludau, Verkehrspolitiker im Wartestand, kann Verantwortung zu übernehmen auch heißen, "verantwortungsvolle Oppositionsarbeit zu machen". Andererseits würde man aber dann doch gerne die Grünen und ihre Spitzenkandidatin Cornelia Lüddemann aus der Regierung fliegen sehen.

"Eine Verkehrsministerin Lüddemann etwa wäre mein persönliches Schreckensszenario", so Gludau. Allein mit Optimismus geht es eben auch bei der FDP im Wahlkampf nicht.

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Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR/Thomas Vorreyer, Marko Litzenberg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. April 2021 | 19:00 Uhr

14 Kommentare

Rotti vor 1 Wochen

Ihre Parolen sind doch von Vorgestern.
Gerade jetzt zeigt es sich, wie wichtig Wertschöpfung und Arbeitsplätze sind. Diese schaffen keine Politiker. Diese schaffen Unternehmer.
Was diese benötigen, sind vernünftige Rahmenbedingungen.
Da haben die CDU und die FDP die Kompetenz und den Sachverstand. Daran ändern auch keine Hassparolen auf den Neoliberalismus etwas.
Unternehmen, also der Mittelstand kann nur unter freiheitlichen Gesichtspunkten existieren. Auch dafür sind CDU und FDP die Garanten.
Was da vom linken Rand kommt, das ist freiheitsfeindlich.

Heinz K. vor 1 Wochen

Für mich momentan die einzig wirkliche Alternative für das, was uns momentan politisch in Sachsen Anhalt zugemutet wird. Junge unverbrauchte Kandidaten mit Visionen und Vorstellungen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich mit dem Programm dieser Partei etwas genauer zu befassen.

Erichs Rache vor 1 Wochen

@Sachsen-Anhaltinerin

Die FDP vergibt sich selbst das Scheinetikett für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit einstehen zu wollen.
Das ist reiner Etikettenschwindel, da die FDP eine reine Klientelpartei ist, bei der Liberalismus und das Gemeinwohl hintenan stehen.

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