Frage der Woche zur Landtagswahl Digitaler Wahlkampf in Corona-Pandemie dringt kaum zu Menschen durch

In gut zwei Wochen ist Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Am 6. Juni geht ein Wahlkampf zu Ende, der anders war: Statt auf großen Bühnen für sich zu werben, mussten die Parteien ihre Prioritäten wegen der Corona-Pandemie anders setzen. Zu potenziellen Wählerinnen und Wählern durchgedrungen sind im digitalen Wahlkampf aber nur die wenigsten.

Computertastatur mit Parteienlogos
Wahlkampf unter Pandemie-Bedingungen: Auf digitalem Weg erreichen Parteien einer MDR-Befragung zufolge ihre Wählerinnen und Wähler kaum. Bildrechte: Parteien, Colourbox, MDR

In Sachsen-Anhalt dringen die Parteien kaum durch mit ihren Versuchen, die Menschen auf digitalem Weg im Wahlkampf zu erreichen. Das zeigt eine nicht-repräsentative Befragung des Meinungsbarometers MDRfragt, an der sich von Mittwoch bis Freitag rund 5.800 Menschen aus Sachsen-Anhalt beteiligt haben.

Weniger als Viertel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gab darin an, bislang durch digitale Live-Gespräche, etwa auf Facebook, aktiv von Parteien angesprochen worden zu sein. Ähnlich niedrig fällt der Wert auch für die Social-Media-Profile der Kandidatinnen und Kandidaten für den Landtag aus. Die Befragung zeigt, dass ein Großteil der Menschen weiterhin durch Wahlplakate angesprochen wird, mit deutlichem Abstand gefolgt von Infomaterial im Briefkasten. Bei der Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich.

Besonders auffallend ist, wenn auch naheliegend, dass kaum Menschen Wahlkampfstände wahrgenommen haben. Wegen der Pandemie hat es allerdings auch kaum welche gegeben. Noch niedriger ist der Anteil derer, die sagen, in diesem Wahlkampf schon ein persönliches Gespräch mit einer Kandidatin oder einem Kandidaten geführt zu haben.

Klassische Medien als Informationsquellen vorn

Auf die Frage, wo die Menschen sich stattdessen über Wahlkampf und Ziele von Parteien informieren, gaben gut zwei Drittel der Befragten an, dies im Fernsehen zu tun. Es folgen, mit Abstand, die Zeitung, der Hörfunk, Online-Medien und Social Media. Auch hier waren Mehrfachnennungen möglich. Dennoch gaben mehr als zehn Prozent in der Umfrage an, sich bisher gar nicht medial mit der Berichterstattung im Wahlkampf beschäftigt zu haben.

MDRfragt-Community: Genervt von Wahlplakaten

Mehr als zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage nehmen also über Wahlplakate Werbung der Parteien wahr – viele sind allerdings genervt von all den Plakaten, wie einige der Zuschriften zur Frage der Woche zeigen.

Mich erschlagen die vielen Plakate die im öffentlichen Raum sind. Bis zu fünf Plakate an einem Laternenmast sind einfach zu viele. Da schaut keiner mehr hin.

Teilnehmerin *1953 Landkreis Börde

Die Anzahl der Wahlplakate an den Straßen ist für mich abstoßend zu hoch.

Teilnehmer *1942 Salzlandkreis

Ich habe eine unerwartete hohe Anzahl von bezahlter Wahlwerbung über Banner auf Internetseiten wahrgenommen. Gern schlecht investiertes Geld, da der Inhalt des Wahlprogrammes der Partei sich nicht mit meiner Internetrecherche überschnitt. Diese Werbung ist auch inzwischen unnütz, da ich meine Stimme bereits per Briefwahl abgegeben habe.

Teilnehmer *1976 Halle

Wahlwerbung interessiert mich nicht, für mich zählt, was im Wahlprogramm steht und nach Ablauf der Wahlperiode sollte man abgleichen, was wirklich davon umgesetzt wurde.

Teilnehmerin *1962 Magdeburg

Aktiver Aufruf der Internetpräsentation der konkreten Person. Die Zeitung gibt auch Übersicht. Alles andere ist aus meiner Sicht Müll.

Teilnehmer *1961 Dessau

Eine weitere Erkenntnis aus mehreren Hundert Zuschriften zur Umfrage: Dass die Landtagswahl kurz bevorsteht, haben die Parteien offenbar noch nicht ausreichend vermitteln können. Das legen zum Beispiel die folgenden Kommentare nahe:

Ich finde, es gibt aktuell gar keinen aktiven Wahlkampf. Die Parteien / Bewerber haben sich da nicht zeitgemäß / situationsgerecht aufgestellt.

Teilnehmer *1972 Salzlandkreis

Ein absoluter Mangel sind Informationen über die Kandidaten der Erststimme in meinem Wahlkreis. Wenn es so läuft, sollten wir uns vielleicht gleich auf die Zweitstimmen beschränken.

Teilnehmer *1966 Landkreis Mansfeld-Südharz

Wenn die Plakate nicht hängen würden, wüsste man nicht mal, dass Wahlkampf ist.

Teilnehmerin *1973 Magdeburg

Am aktivsten hinsichtlich einer Kontaktaufnahme über Briefkasten und Demo war leider die AfD, eine Partei welche ich garantiert nicht wählen werde. Die anderen Parteien sollten mal langsam ausschlafen und den Wahlkampf beginnen.

Teilnehmer *1950 Landkreis Mansfeld-Südharz

In Onlineforen o.ä. habe ich von fünf Fragen nur zwei Antworten erhalten.

Teilnehmer *1965 Landkreis Harz

Auf die Frage, auf welchen Wegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich neben der klassischen Berichterstattung informieren, hat es folgende Zuschriften gegeben:

Der Wahl-O-Mat ist für mich ein gutes Medium, um mich mit den Wahlprogrammen auseinanderzusetzen. Es ist seit ein paar Jahren mein Startpunkt in die Wahlsaison.

Teilnehmerin *1986 Burgenlandkreis

Man sollte sich die Wahlprogramme ansehen.

Teilnehmer *1960 Halle

MDRfragt geht auf Tour – und will mit Ihnen sprechen!

Die Kolleginnen und Kollegen von MDRfragt gehen in den kommenden Wochen und Monaten vor der Landtagswahl auf Tour durch Sachsen-Anhalt. MDRfragt-Reporterin Claudia Reiser wird am am 26. Mai in Naumburg und am 2. Juni in Stendal sein – und möchte mit Ihnen ins Gespräch kommen. Infos dazu hier.

"Frage der Woche zur Landtagswahl" auch nächste Woche wieder

Die Befragung ist Teil unseres Formats der "Frage der Woche zur Landtagswahl", die wir Ihnen wöchentlich stellen. Wenn Sie an den nächsten Befragungen teilnehmen möchten, müssen Sie nur Teil der MDRfragt-Community werden. Die Anmeldung geht einfach und schnell unter www.mdrfragt.de. Dort finden Sie auch weitere Infos.

Die jeweilige "Frage der Woche zur Landtagswahl" bekommen Sie danach immer automatisch per Mail zugeschickt. Und über das Ergebnis berichten wir zuerst jeden Freitagabend in #LTWLSA – unserem Update zur Landtagswahl.

Die Spitzenkandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl, von links nach rechts: Eva von Angern (Die Linke), Cornelia Lüddemann (Grüne), Katja Pähle (SPD), Reiner Haseloff (CDU), Lydia Hüskens (FDP), Oliver Kirchner (AfD)
Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR/Luca Deutschländer, Thomas Vorreyer, Kristin Hansen

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Mai 2021 | 20:00 Uhr

2 Kommentare

Realist62 vor 10 Wochen

Ja das Internet ist eben immer noch ein junges Medium und Wahlen gibt es schon eine Ewigkeit. Das sollte man als junge Redakteurin und junger Politikwissenschaftler beachten. Menschen, die die Zeit vor den Internet, wie wir es jetzt kennen, nur noch von Hörensagen kennen. Ja das Internet hat sich in den knapp über 25 Jahren sich erfolgreich in das Leben besonders der jüngeren Generation intrigiert.

Robert Brandt vor 10 Wochen

Ich hatte eher den Eindruck, es war eine Wakkeldakkel Regierung, immer kurz vorm Chrash. Eine Notlösung!

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