Frage der Woche zur Landtagswahl Sachsen-Anhalter für besseren Katastrophenschutz, aber bei Klimaschutz gespalten

Nach der Starkregen-Katastrophe im Westen Deutschlands steht der Katastrophenschutz auf dem Prüfstand. Muss auch Sachsen-Anhalt hier handeln? Eine MDR-Befragung zeigt: Im Land möchte fast jede und jeder mehr Maßnahmen. Bei der Frage nach strikterem Klimaschutz sieht es schon anders aus. Ihn fordert nur knapp die Hälfte der Befragten.

Autos fahren über eine überflutete Straße in Halle (Saale), 2020. Starkregen wie hier verursachte im Sommer 2021 heftige Fluten in Teilen Deutschlands. Über hundert Menschen starben.
2020 brach Starkregen auch über Halle in Sachsen-Anhalt herein, das Unwetter verlief allerdings glimpflich. Bildrechte: dpa/Bernd März

Die Menschen in Sachsen-Anhalt wünschen sich einen Ausbau des Katastrophenschutzes im Land. Das legt das Ergebnis einer aktuellen Befragung von MDRfragt – dem Meinungsbarometer für Mitteldeutschland mit 5.345 Teilnehmenden nahe. Nach der Starkregenkatastrophe im Westen Deutschlands, bei der Sturzfluten mehr als hundert Menschen töteten und zahlreiche Ortschaften verwüsteten, stellt sich deutschlandweit die Frage, wie gut der Katastrophenschutz aufgestellt ist. In der Befragung sprachen sich rund neun von zehn Befragten dafür aus, dass in Sachsen-Anhalt diese Schutzmaßnahmen ausgebaut werden sollten.

Etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmenden fordert zudem einen stärkeren Klimaschutz. Klimaforschende sehen eine Verbindung zwischen dem Wetterereignis und dem menschengemachten Klimawandel. Dessen Auswirkungen können demnach solche Wetterlagen häufiger und heftiger machen. Nur insgesamt sieben Prozent aller Teilnehmenden sehen keine Notwendigkeit zum Handeln oder machten keine Angabe.

MDRfragt-Community nennt konkrete Schutzmaßnahmen

Mehr als 600 Teilnehmende haben auch die Gelegenheit genutzt, ihre Haltung mit einem Kommentar zu begründen. Darunter finden sich zahlreiche Vorschläge für konkrete Maßnahmen. Diejenigen, die einen strikteren Klimaschutz nicht befürworten, sehen hingegen vor allem dessen soziale Verträglichkeit nicht geklärt. Nachfolgend bilden wir die Debatte in Auszügen ab. Einige Beiträge sind der Lesbarkeit halber leicht gekürzt:

Apps wie Katwarn oder Nina nutzen zu wenige Menschen. Nicht jeder hat das Handy immer in Reichweite. Viele Menschen hören auch nicht ununterbrochen Radio oder Fernsehen. Nur durch Sirenen wird die notwendige Aufmerksamkeit erlangt. Klimaschutz muss das Thema Nummer eins jeder Partei sein. Klimaziele müssen extrem schnell umgesetzt werden, überall auf der Welt, sonst war es das mit dem 'Blauen Planeten' und den Milliarden Menschen darauf.

Teilnehmerin, *1955, Saalekreis

Beim Katastrophenschutz fehlt es an Mut zum Rückbau von künstlichen Flussverengungen. Es fehlt an Deichrückverlegungen, verbindlicher Wiedervernässung der Moore als natürliche Wasserspeicher und Schaffung bzw. Umbau der Auenwälder als Schutz vor Hochwasser durch ihr Wasseraufnahme- und Speicherungsvermögen. Und auch Klimaschutz ist Katastrophenschutz.

Teilnehmer, *1977, Anhalt-Bitterfeld

Grundsätzlich muss massiv in die Pflanzung von Bäumen investiert werden. Baumwurzeln halten Hänge. Bäume kühlen Natur und Stadt, binden Wasser im Boden, verhindern Sandstürme und bremsen Stürme ein.

Teilnehmer, *1987, Mansfeld-Südharz

Der Katastrophenschutz ist im Flächenland Sachsen Anhalt von großer Bedeutung. Sowohl die Elbehochwasser 2002 als auch 2013 kosteten die Gesellschaft viel Kraft und Geld. Aber auch von Trockenheit und Waldbränden ist Sachsen Anhalt stark betroffen. Dies sind nur die Symptome einer klimatischen Veränderung. Im Klimaschutz steckt großes Potenzial für Sachsen Anhalt. Auch wirtschaftlich.

Teilnehmer, *1998, Jerichower Land

Es muss mehr getan werden, aber nicht zu Lasten der 'Kleinen Leute'.

Teilnehmerin, *1977, Börde

Jeder Hausbesitzer sollte verpflichtet werden, eine Versicherung abzuschließen – aber über den Staat. In anderen Ländern geht das. Bei uns spielen die Versicherungen nicht mit. Es geht wiedermal um Gewinn, nicht um Menschen.

Teilnehmer, *1940, Burgenlandkreis

Als Anlieger der Weißen Elster begreife ich die Heuchelei der Politik und Verwaltung nicht. Die Maßnahmen nach dem Hochwasser 2013 sind unsinnig oder wurden gar nicht umgesetzt! Warum werden Millionen für Wiederaufbau im Hochwasser-Einzugsgebiet ausgegeben und einfachste Maßnahmen wie Deicherhöhungen und Landkäufe bzw. Landtausch zum Ausbau der Dämme werden nicht umgesetzt? Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe! Das Wichtigste wären Konsequenzen für die Fehler von Beamten und Politikern. 

Teilnehmer, *1970, Burgenlandkreis

Das Thema Klimaschutz wird in erster Linie genutzt, um den Bürgern in Zukunft reichlich Geld aus der Tasche zu ziehen. Unwetterkatastrophen gibt es seit Anbeginn der Zeit. Vielleicht sollte man aber die unsinnigen Weltraumausflüge diverser Milliardäre verbieten?

Teilnehmerin, *1966, Jerichower Land

Das sollten Fachleute einschätzen und nicht wir Bürger – die meisten von uns sind sicher nicht fundiert informiert und qualifiziert, solche Entscheidungen zu treffen. Natürlich sollte getan werden, was dran ist, und gut vorgesorgt werden. Natürlich sollte man aus den Fehlern in NRW lernen. Aber was Politiker und Katastrophenschützer nun im Einzelnen tun oder lassen sollen, darüber sollten wir hier nicht "abstimmen".

Teilnehmerin, *1978, Magdeburg

Was sollte man nach so einer Woche zu dieser Zeit sonst ankreuzen? Stellen sie die Frage in einem halben Jahr nochmal …

Teilnehmerin, *1979, Halle (Saale)

Die Landesregierung hat am Mittwoch erste Maßnahmen angekündigt: Im Land sollen 750 neue Sirenen installiert werden. Bislang gibt es knapp 2.000.

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"Frage der Woche zur Landtagswahl" geht weiter

Die Befragung ist Teil unseres Formats "Frage der Woche zur Landtagswahl", die wir Ihnen seit einiger Zeit regelmäßig stellen. Wenn Sie an den nächsten Befragungen teilnehmen möchten, müssen Sie nur Teil der MDRfragt-Community werden. Die Anmeldung geht einfach und schnell unter www.mdrfragt.de. Dort finden Sie auch weitere Infos. Die jeweilige "Frage der Woche zur Landtagswahl" bekommen Sie danach immer automatisch per Mail zugeschickt. Über das Ergebnis berichten wir zuerst jeden zweiten Freitagabend in #LTWLSA – unserem Update zur Landtagswahl.

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Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR/Kristin Hansen/Margret Nemak/Thomas Vorreyer

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | 23. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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