Frage der Woche zur Landtagswahl Äußerst knappe Mehrheit hält Verbot von Oster-Urlaub in Sachsen-Anhalt für richtig

Nach Monaten des Corona-Lockdowns sind viele Menschen in Sachsen-Anhalt nur noch müde – und reif für Urlaub. Nur: Sollte man den ausgerechnet jetzt machen? Da die Infektionszahlen wieder nach oben schießen? Eine MDR-Befragung zeigt: Die Menschen im Land sind in dieser Frage äußerst gespalten.

In Sachsen-Anhalt stößt die Entscheidung, zu Ostern auch den Urlaub im eigenen Bundesland zu verbieten, auf ein geteiltes Echo. Das zeigt eine nicht-repräsentative Befragung des Meinungsbarometers MDRfragt, an der sich seit Mittwoch gut 6.000 Menschen aus Sachsen-Anhalt beteiligt haben. Eine äußerst knappe Mehrheit von 51 Prozent hält es demnach für richtig oder eher richtig, dass Kurzurlaube zu Ostern Corona-bedingt auch in diesem Jahr nicht möglich sind.

Ähnlich hoch ist allerdings auch der Anteil derer, die diese Entscheidung für falsch oder eher falsch halten. Für diese Option stimmten 48 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ein Prozent aller, die abgestimmt hatten, machte keine Angabe.

Die Frage nach dem Sinn oder Unsinn eines Kurzurlaubs im eigenen Bundesland über die Oster-Feiertage war noch vor den jüngsten Beratungen von Bund und Ländern am Montag aufgekommen. Sie war vor allem vor dem Hintergrund von Flugreisen nach Mallorca diskutiert worden, die seit einigen Tagen wieder möglich sind. Zuvor waren etwa am Flughafen Leipzig/Halle über Monate hinweg keine Passagiermaschinen abgehoben.

Die Debatte: Das steckt hinter unserer Frage der Woche

Urlaub zu Ostern – ja oder nein? Mehrere Bundesländer, darunter Sachsen-Anhalt, waren am Montag mit dem Ziel in die Bund-Länder-Beratungen gegangen, das zu ermöglichen; im eigenen Bundesland und "kontaktarm". Urlaub auf Mallorca hatte die Bundesregierung ja schließlich auch ermöglicht (wenn auch davon abgeraten).

Nach allem, was während der Beratungen aus Berlin durchsickerte, soll die Kanzlerin aber wenig angetan von der Idee gewesen sein – erst recht, als Sachsen-Anhalt und vier weitere Bundesländer ins Gespräch gebracht haben sollen, sich per Protokollerklärung über den Beschluss hinwegzusetzen. Einige Stunden später dann war ohnehin alles vom Tisch – und stattdessen von der inzwischen kassierten "Oster-Ruhe" die Rede. Der Urlaub zu Ostern? Somit abgesagt. Jedenfalls in Deutschland.

MDRfragt-Gemeinschaft gespalten wie selten zuvor

Das knappe Ergebnis der Befragung zeigt, was auch die Zuschriften zeigen, die MDRfragt und MDR SACHSEN-ANHALT erhalten haben – dass die MDRfragt-Community in dieser Frage äußerst gespalten ist. Zunächst eine kritische Stimmen:

Die Hotels, Gästehäuser, Campingplätze und Pensionen haben ein gutes Konzept erarbeitet. Aber ins Ausland darf geflogen werden. Das verstehen wir nicht.

Teilnehmer *1957 Landkreis Börde

Wie Schwesig, Haseloff, Weil und andere sagen: Wodurch steigt die Gefahr, wenn eine Familie statt eng zusammengedrängt in einer Stadt besser Ostern in einem Ferienhaus auf dem Land verbringt?

Teilnehmer *1952 Halle

Das Verbot von Urlaub in Ferienhäusern oder Ferienwohnungen widerspricht jeder medizinischen Logik.

Teilnehmerin *1954 Landkreis Jerichower Land

Erstens, weil Urlaub im Wohnmobil oder Ferienhaus genau so ist, wie Zuhause bleiben, was die Kontakte betrifft. Und zweitens konnte bis jetzt KEIN Politiker erklären, warum Flüge nach Mallorca erlaubt sind, Urlaub im eigenen Bundesland aber nicht.

Teilnehmer *1963 Landkreis Harz

Dass die Bundesregierung Mallorca von der Liste der Risikogebiete genommen hat, hat bei zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für Verärgerung gesorgt. Nahezu alle Antworten zeigen: Dieser Schritt ist für viele nicht nachvollziehbar, die später verhängte Testpflicht für Rückkehrer aus dem Ausland kam ganz offenbar zu spät.

Andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer argumentieren in eine andere Richtung – die, wonach Urlaub aktuell wirklich eine schlechte Idee ist.

Bei dieser Entscheidung geht es ja nicht um die einsame Strandwanderung, sondern um die nicht zu verhindernde Menschenansammlung in der jeweiligen Region.

Teilnehmerin *1952 Halle

Wissen Sie, wenn Sie eine schwere Lungenentzündung mit Koma und einen Angehörigen durch Corona verloren haben, ist nicht zu verstehen, warum nicht durchgehend hohe Maßnahmen realisiert werden.

Teilnehmer *1958 Stendal

Die Entscheidung halte ich für sogar mehr als richtig! Wir sitzen sonst nächstes Jahr noch mit ständigen Lockdowns da. Greift härter bei den versammelten Massen ohne Maske durch, denn die sind die Verursacher!

Teilnehmerin *1969 Magdeburg

Wir sollten momentan ALLE ALLES vermeiden, was die Zahlen weiter hoch treibt. Leider halten sich zu viele nicht an die Vorgaben. Liegt aber auch an den jeweiligen Landesregierungen, weil sie ständig andere Wege gehen, als von Berlin vorgegeben. Und von Berlin vermisse ich klare Linien.

Teilnehmer *1961 Halle

Ich finde es unverantwortlich, in der derzeitigen Situation über Urlaubspläne zu diskutieren. Meiner Meinung nach sollten die Medien nicht noch Öl ins Feuer kippen. Sollten die Fallzahlen noch weiter steigen, möchte niemand Verantwortung übernehmen.

Teilnehmerin *1955 Saalekreis

"Frage der Woche zur Landtagswahl" geht weiter

Die Befragung ist Teil unseres Formats, der "Frage der Woche zur Landtagswahl", die wir Ihnen seit einiger Zeit wöchentlich stellen. Wenn Sie an den nächsten Befragungen teilnehmen möchten, müssen Sie nur Teil der MDRfragt-Community werden. Die Anmeldung geht einfach und schnell unter www.mdrfragt.de. Dort finden Sie auch weitere Infos. Die jeweilige "Frage der Woche zur Landtagswahl" bekommen Sie danach immer automatisch per Mail zugeschickt. Und über das Ergebnis berichten wir zuerst jeden Freitagabend in #LTWLSA – unserem Update zur Landtagswahl.

Die Spitzenkandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl, von links nach rechts: Eva von Angern (Die Linke), Cornelia Lüddemann (Grüne), Katja Pähle (SPD), Reiner Haseloff (CDU), Lydia Hüskens (FDP), Oliver Kirchner (AfD)
Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR/Luca Deutschländer, Kristin Hansen, Claudia Reiser

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. März 2021 | 20:00 Uhr

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