Frage der Woche zur Landtagswahl MDRfragt: Mehrheit unterstützt Sachsen-Anhalts Sonderweg bei Öffnungen

Die Landesregierung öffnet Geschäfte, die anderswo zubleiben, und arbeitet an einem "Sachsen-Anhalt-Plan". Den unterstützen 56 Prozent der Teilnehmenden einer MDR-Umfrage. Nur 14 Prozent sprechen gegen Lockerungen aus. Die Ergebnisse und Kommentare.

Blick in einen Baumarkt, 2015
Dürfen in Sachsen-Anhalt ab März wieder öffnen: Baumärkte. Aber ist das richtig? Bildrechte: dpa

"Finden Sie es richtig, dass Sachsen-Anhalt einen Sonderweg bei den Corona-Lockerungen einschlägt?" – das war in dieser Woche die Frage einer gemeinsamen Erhebung von MDRfragt – dem Meinungsbarometer für Mitteldeutschland und MDR SACHSEN-ANHALT. Seit Freitag liegen die Ergebnisse der Befragung vor: Die Landesregierung scheint zumindest stimmungstechnisch der richtigen Spur zu folgen, deutlich mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmenden (56 Prozent) unterstützen den Sonderweg. Etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) sind hingegen für einheitliche Lösungen. 14 Prozent aber, darunter etliche junge Menschen, sind generell gegen Lockerungen derzeit.

Die Debatte: Das steckt hinter unserer "Frage der Woche"

Am Dienstag hat die Landesregierung neue Öffnungspläne vorgestellt. In Sachsen-Anhalt sollen am Montag, dem 1. März, neben Schulen und Friseuren auch Bau- und Gartenmärkte, Blumenläden sowie Fahr- und Flugschulen öffnen dürfen. Ministerpräsident Haseloff und die Ministerinnen und Minister arbeiten zudem an einem "Sachsen-Anhalt-Plan 2021", ein erster Entwurf liegt nun vor. Damit geht Sachsen-Anhalt, wie auch andere Bundesländer, einen eigenen Weg bei den Lockerungen der Corona-Maßnahmen – und weg von bundesweit komplett einheitlichen Öffnungsstrategien.

So begründen die Teilnehmenden ihre Haltung

An der Befragung haben über 5.600 Menschen im Land teilgenommen. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, aber gewichtet. Über 1.000 Teilnehmende die Chance genutzt, ihre Haltung zu begründen. Eine Auswahl aus ihren Kommentaren:

Eigentlich bin ich sehr stark dafür, dass wieder Normalität einkehrt. Aber diese Salamitaktik finde ich unfair gegenüber denen, die geschlossen bleiben müssen. Persönlich weiß ich auch nicht, welche Kriterien zur Öffnung dieser Geschäfte bzw. Dienstleistungen angesetzt sind.

Teilnehmer, *1954, Burgenlandkreis

Bisher hat jedes Bundesland sein eigenes Süppchen gekocht. Warum soll es bei den Lockerungen anders sein? Die Politik hat auf jeden Fall an Glaubwürdigkeit verloren. Vorher wurde über den R-Wert gesprochen, jetzt über Inzidenzwertem welche in den nächsten Wochen nicht oder kaum zu erreichen sind. Einfach abstrus.

Teilnehmer, *1950, Saalekreis

Die tausend unterschiedlichen Vorgehensweisen in den Bundesländern – oder sogar in den Landkreisen – verwirren die Menschen. Auch finde ich das klein-klein sehr unrealistisch. Eine konsequente Bekämpfung der Ausbreitung des Virus würde nur funktionieren, wenn Begegnungen tatsächlich unterbunden werden; also einheitliche Regelungen, strikte Kontrollen, strikter Lockdown.

Teilnehmerin, *1962, Mansfeld-Südharz

Ich bin für Lockerungen. Aber nur wenn alle Hygienemaßnahmen strikt eingehalten werden und sich alle daran halten. Das pulsierende Leben kann jetzt nicht, wie gewohnt, wieder losgehen. Sonst sind alle Lockerungen umsonst und wir beginnen erneut.

Teilnehmerin, *1954, Burgenlandkreis

So lange CDU- und SPD-Nominierungs-Parteitage mit über 100 Personen durchführen können, ist ein Öffnen der Baumärkte in Ordnung.

Teilnehmer, *1958, Anhalt-Bitterfeld

Die Impfungen sollten viel schneller erfolgen und es müsste mehr Testmöglichkeiten oder andere Verfahren zur Überprüfung (bspw. einfaches Fiebermessen bei Betreten gemeinschaftlicher Räume) geben. Dann wäre ich auch für umfangreiche Lockerungen überall.

Teilnehmerin, *1954, Magdeburg

Bin zwar für Lockerungen, aber dann sollten alle Länder an einem Strang ziehen. Durch die unterschiedlichen Länderregelungen wird es wieder einen Einkaufstourismus geben.

Teilnehmer, *1982, Anhalt-Bitterfeld

Mein Herz schreit nach Ja für Lockerung. Meine Vernunft sagt: 'Noch durchhalten, bis die Werte niedriger sind!'

Teilnehmerin, *1992, Magdeburg

"Frage der Woche zur Landtagswahl" geht weiter

Die Befragung ist Teil unseres neuen Formats, der "Frage der Woche zur Landtagswahl", die wir Ihnen seit diesem Monat nun wöchentlich stellen. Wenn Sie an den nächsten Befragungen teilnehmen möchten, müssen Sie nur Teil der MDRfragt-Community werden. Die Anmeldung geht einfach und schnell unter www.mdrfragt.de. Dort finden Sie auch weitere Infos. Die jeweilige "Frage der Woche zur Landtagswahl" bekommen Sie danach immer automatisch per Mail zugeschickt. Und über das Ergebnis berichten wir zuerst jeden Freitagabend in #LTWLSA – unserem Update zur Landtagswahl.

Die Spitzenkandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl, von links nach rechts: Eva von Angern (Die Linke), Cornelia Lüddemann (Grüne), Katja Pähle (SPD), Reiner Haseloff (CDU), Lydia Hüskens (FDP), Oliver Kirchner (AfD)
Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Auf blauem Hintergrund sind die Logos mehrerer Parteien in Sachsen-Anhalt zu sehen.
Bildrechte: Parteien | Collage: MDR/Max Schörm

MDR/Thomas Vorreyer, Kristin Hansen

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT Heute | 26. Februar 2021 | 19:00 Uhr

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