Frauen im Landtag Cornelia Lüddemann: "Geschlechterverhältnisse auch im Parlament abbilden"

19 von 87: Die Zahl der Frauen im aktuellen Landtag ist überschaubar. Wie kann sich das nach der Landtagswahl am 6. Juni ändern? Die Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann sagt: Wir brauchen gesetzliche Regeln für mehr Frauen in den Parlamenten. Der Fragebogen.

Cornelia Lüddemann, Fraktionsvorsitzende von Sachsen-Anhalts Bündnis 90/Die Grünen, steht im Plenarsaal des Landtages
Seit 2011 im Landtag: Cornelia Lüddemann Bildrechte: dpa

In keinem anderen deutschen Landesparlament sind so wenige Frauen vertreten wie in Sachsen-Anhalt. Woran liegt das? Und was muss sich tun, damit sich der Frauenanteil erhöht? MDR SACHSEN-ANHALT hat alle 19 weiblichen Landtagsabgeordneten gefragt. Hier antwortet die Grünen-Fraktionsvorsitzende Cornelia Lüddemann.

Wo und durch wen wurden Sie politisch sozialisiert?

Ich wuchs in der DDR in einem katholisch geprägten Elternhaus auf. Das war an sich schon ein Politikum. In Umfeld der Kirche lernte ich, dass jeder Mensch und jede Meinung wichtig ist und kam in den Zeiten der Friedlichen Revolution zum Neuen Forum.

Wer hat Sie auf dem Weg in die Landespolitik unterstützt? Wie wurden Sie gefördert?

Ich begann 1994 als Regionalbüroleiterin bei der grünen Bundestagsabgeordneten Steffi Lemke zu arbeiten. Dadurch lernte ich sehr viel über politische Strukturen. Aber auch, wie man sich als Frau in den männerdominierten Strukturen gut durchsetzen kann.

Wann sind Sie zum ersten Mal in den Landtag von Sachsen-Anhalt eingezogen und wie haben Sie nach Ihrem Einzug das Klima Ihnen gegenüber als Frau wahrgenommen – fraktionsintern und insgesamt?

März 2011. In unserer Fraktion waren wir mehr Frauen als Männer, das lief also gut. Auch im Parlament selber waren noch deutlich mehr Frauen als heute vertreten. Anfangs gab es sogar fraktionsübergreifende Treffen, insbesondere zu gleichstellungspolitischen Themen. Das alles ist durch den Einzug der antifeministischen AfD zum Erliegen gekommen.

Was sehen Sie als größtes Hindernis für eine Frau?

Es gibt noch immer zu wenig Unterstützung für junge Frauen in der Politik, wenn sie Kinder haben.

Welche politischen Prozesse/Strukturen müssten in Ihrer Partei/Fraktion, aber auch insgesamt verändert werden, damit der Landtag weiblicher wird?

Meine Partei ist schon von ihrem Ursprung her feministisch. Wir waren die ersten, die eine Frauenquote von 50 Prozent einführten und setzen diese auch konsequent durch. Ich halte es für sinnvoll, nach einer rechtskonformen gesetzgeberischen Lösung zu suchen, um die Geschlechterverhältnisse auch im Parlament abzubilden. Um das gerichtsfest zu machen, müssen wir die Landesverfassung ändern. An den dafür notwendigen Mehrheiten im Parlament arbeite ich.

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MDR/Marie Kristin-Landes, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. März 2021 | 19:00 Uhr

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