Frauen im Landtag Eva von Angern: "Das Bitten und Hoffen funktioniert nicht"

19 von 87: Die Zahl der Frauen im aktuellen Landtag ist überschaubar. Wie kann sich das nach der Landtagswahl am 6. Juni ändern? Die Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern sagt: Wir brauchen gesetzliche Regelungen. Nur hoffen und bitten reiche nicht aus. Der Fragebogen.

Eva von Angern
Seit 2002 im Landtag: Eva von Angern Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

In keinem anderen deutschen Landesparlament sind so wenige Frauen vertreten wie in Sachsen-Anhalt. Woran liegt das? Und was muss sich tun, damit sich der Frauenanteil erhöht? MDR SACHSEN-ANHALT hat alle 19 weiblichen Landtagsabgeordneten gefragt. Hier antwortet die Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern.

Wo und durch wen wurden Sie politisch sozialisiert?

Wie alle jungen Menschen war selbstverständlich auch ich in Opposition zu meinen Eltern. Tatsächlich waren es aber sie, die mich politisch sozialisiert haben und mich indirekt darin bestärkt haben, stets offen meine Meinung zu sagen und mich für Gerechtigkeit zu engagieren. Politische Persönlichkeiten wie Nelson Mandela oder zu dieser Zeit auch Gregor Gysi haben mich begeistert und interessiert. Als ich den ersten Schritt in Richtung PDS gemacht habe, waren es vor allem Frauen, die mich inspiriert und mir Mut gemacht haben.

Wann sind Sie zum ersten Mal in den Landtag von Sachsen-Anhalt eingezogen und wie haben Sie nach Ihrem Einzug das Klima Ihnen gegenüber als Frau wahrgenommen – fraktionsintern und insgesamt?

Ich bin 2002 das erste Mal in den Landtag gewählt worden. Zu dieser Zeit habe ich wenig bis keine Unterschiede im Umgang mit Frauen im Parlament gespürt. Der Anteil von Frauen war zu dieser Zeit wesentlich höher und in meiner Fraktion waren Frauen dank der Quotierungsregelung schon immer auch in der ersten Reihe vertreten, die mich zum Teil auch persönlich unterstützt haben. Seit 2002 hat sich viel verändert. Sowohl im Umgang mit weiblichen Abgeordneten als auch mit vermeintlichen "Frauenthemen" in der Politik.

Was sehen Sie als größtes Hindernis für eine Frau?

Die "gläserne Decke" existiert auch in der Politik. Daher sind Netzwerke, Ausdauer/starke Nerven und auch Mut dringend erforderlich.

Welche politischen Prozesse/Strukturen müssten in Ihrer Partei/Fraktion, aber auch insgesamt verändert werden, damit der Landtag weiblicher wird?

Als Abgeordnete und Vorsitzende des Landesfrauenrates engagiere ich mich für ein Paritégesetz, damit das Parlament, die Landesregierung und das Landesverfassungsgericht paritätisch zusammen gesetzt werden. Das Bitten und Hoffen funktioniert nachgewiesenermaßen nicht. Der Gesetzentwurf, den ich in den Landtag eingebracht habe, unterscheidet sich von der Gesetzen in Thüringen und Brandenburg und ich gehe davon aus, dass dieser vor einem Verfassungsgericht Bestand haben würde. Allein es fehlt derzeit an einer politischen Mehrheit im Landtag.

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MDR/Marie Kristin-Landes, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. März 2021 | 19:00 Uhr

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