Frauen im Landtag Katja Pähle: "Frauen sind an vielen Stellen übertrieben selbstkritisch"

19 von 87: Die Zahl der Frauen im aktuellen Landtag ist überschaubar. Wie kann sich das nach der Landtagswahl am 6. Juni ändern? Die SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Pähle sagt, Frauen seien an vielen Stellen übertrieben selbstkritisch. Der Fragebogen.

Katja Pähle
Seit 2011 für die SPD im Landtag, seit 2016 Fraktionsvorsitzende: Katja Pähle Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

In keinem anderen deutschen Landesparlament sind so wenige Frauen vertreten wie in Sachsen-Anhalt. Woran liegt das? Und was muss sich tun, damit sich der Frauenanteil erhöht? MDR SACHSEN-ANHALT hat alle 19 weiblichen Landtagsabgeordneten gefragt. Hier antwortet die SPD-Fraktionsvorsitzende Katja Pähle.

Wo und durch wen wurden Sie politisch sozialisiert?

Geprägt hat mich schon in meiner Jugend im Mansfelder Land, als in den frühen 90-Jahren ringsum Fabriken und Betriebe schlossen und in der Familie und im Bekanntenkreis viele arbeitslos wurden und sich völlig neu orientieren mussten. In dieser besonderen Zeit wurde bei uns zu Hause viel über Politik diskutiert, meist am Esstisch meiner Eltern, und so wurde mein politisches Interesse geweckt. Meine politische Sozialisation habe ich bei den Jusos erfahren. Dort habe ich gelernt, dass keine Diskussion nutzlos ist, sondern man so jede Menge lernen kann – von anderen Sichtweisen, Durchhaltevermögen und guten Argumenten. Dort habe ich aber auch gelernt, das Politik manchmal im wahrsten Sinne des Wortes Sitzfleisch braucht.

Wer hat Sie auf dem Weg in die Landespolitik unterstützt? Wie wurden Sie gefördert?

Ich wurde sehr stark von Gerlinde Kuppe unterstützt, die ich in Halle als Landtagsabgeordnete und Sozialministerin kennengelernt habe. Von ihr habe ich viel gelernt, sowohl politisch als auch beruflich.

Wann sind Sie zum ersten Mal in den Landtag von Sachsen-Anhalt eingezogen und wie haben Sie nach Ihrem Einzug das Klima Ihnen gegenüber als Frau wahrgenommen – fraktionsintern und insgesamt?

Ich bin 2011 zum ersten Mal gewählt worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte die SPD-Fraktion bereits mit Katrin Budde schon seit einer Wahlperiode eine weibliche Vorsitzende. Als Frau in eine Fraktion zu kommen, die von einer Frau geführt wird, hat viele Vorteile und räumt viele Schwierigkeiten aus dem Weg. Als ich 2011 in den Landtag kam, wurde kurz darauf meine zweite Tochter geboren. Ich hatte viel Verständnis auf meiner Seite, dass ich deswegen nicht gleich voll in die Arbeit starten konnte. In der Arbeit mit den anderen Parlamentskollegen hatte ich manchmal aber schon das Gefühl, dass man als junge Frau erstmal beweisen muss, was man kann, bevor man ernst genommen wird.

Was sehen Sie als größtes Hindernis für eine Frau?

Frauen sind an vielen Stellen übertrieben selbstkritisch. Hier braucht es viel Selbstvertrauen und die Fähigkeit, auch mal Niederlagen wegzustecken. Und man muss, gerade wenn man eine Familie hat, das schlechte Gewissen ablegen können. Politische Ämter und Mandate sind nicht familienfreundlich, und deshalb muss man manchmal Entscheidungen treffen, die man lieber nicht treffen würde.

Welche politischen Prozesse/Strukturen müssten in Ihrer Partei/Fraktion, aber auch insgesamt verändert werden, damit der Landtag weiblicher wird?

Die SPD hat mit der Einführung der Quote wirksame Voraussetzungen dafür geschaffen. Mit der Einführung einer weiblich-männlichen Doppelspitze in der Bundes- und Landespartei sind die Bedingungen noch besser geworden. Die SPD Sachsen-Anhalt war dabei Vorreiter. Besser wäre es aber, wenn wir als SPD auch mehr weibliche Mitglieder hätten, die sich engagieren. Gegenwärtig sind es in unserer Landespartei rund 28 Prozent. Wenn sich mehr Frauen in der Politik einbringen, können wir auch mehr erreichen. Das gilt ganz besonders für die Kommunalpolitik, in der oft noch männliche "Platzhirsche" das Bild bestimmen.

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MDR/Marie Kristin-Landes, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. März 2021 | 19:00 Uhr

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