Nach Kanzlerkandidaten-Entscheidung CDU Sachsen-Anhalt: Wenn schon nicht Söder, dann wenigstens Laschet plus Merz

Thomas Vorreyer
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Die Spitzen der Landespartei haben sich in den letzten Tagen für Markus Söder ausgesprochen. Er sei der Kandidat der Basis und der Bevölkerung. Der Vorstand der Bundes-CDU entschied sich dennoch für Armin Laschet. Ein Stimmungsbild aus Sachsen-Anhalt.

Armin Laschet (CDU, l), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, spricht neben Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.
Der neue Kanzlerkandidat Armin Laschet mit Ministerpräsident Reiner Haseloff bei einer Pressekonferenz im Juli 2020 Bildrechte: dpa

Sie haben für einen anderen geworben – und sie haben verloren. Armin Laschet führt die Union ins Rennen um das Kanzleramt, das wurde in der Nacht zum Dienstag klar. Sachsen-Anhalts Landes-CDU hatte zuvor ziemlich deutlich für Markus Söder von der CSU ausgesprochen. Das Söder-Lager unterlag aber erst bei einer Abstimmung im Bundesvorstand der CDU, dann lenkte Bayerns Ministerpräsident in der Kandidatenfrage am Dienstag selbst ein.

Und nun? Die Sprachregelung lautet: Man habe in den letzten Tagen nicht für einen Kandidaten, sondern für ein Votum der Basis stark gemacht. Zu diesem kommt es jetzt zwar nicht, aber natürlich werde sich die CDU jetzt hinter Armin Laschet stellen. Auch in Sachsen-Anhalt. So sagten es der Landesvorsitzende Sven Schulze und die Direktkandidatin zur Landtagswahl, Sandra Hietel, am Dienstag am Rande der Präsentation der neuen Landtagswahlkampagne ("Jetzt ist nicht die Zeit für politische Experimente").

Landesvorsitzender Schulze: "Laschet interessiert sich für unsere Themen" – Anna Kreye will für Akzeptanz werben

"Armin Laschet interessiert sich für unsere Themen", sagte Schulze. Der Bundesvorsitzende und neue Kanzlerkandidat soll noch in der Nacht angeboten haben, in den Vorstand von der CDU in Sachsen-Anhalt zu kommen. Auch sei das Tischtuch zwischen Armin Laschet und Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, die noch 2020 lange gemeinsam über das Kohleausstiegsgesetz verhandelt hatten, laut Schulze keinesfalls zerschnitten.

Auf Twitter hatten Journalisten der Bild-Zeitung, der "Welt" und des "Spiegel" ab Montagnachmittag die entscheidende erweiterte Bundesvorstandssitzung der CDU praktisch live mit getickert. Von Haseloff hieß es da, er habe sich – wie auch einige westdeutsche Parteispitzen – klar für Markus Söder ausgesprochen: Der Osten stehe hinter dem Franken.

Und Anna Kreye, Vorsitzende von Sachsen-Anhalts Junger Union und seit Januar im CDU-Bundesvorstand, wurde so zitiert: "Herr Laschet, Sie wären ein guter Kanzlerkandidat, aber nicht bis zur Wahl in Sachsen-Anhalt. Wir kämpfen gegen die AfD."

Porträtbild einer Frau
Anna Kreye, Vorsitzende der JU Sachsen-Anhalt Bildrechte: Junge Union Sachsen-Anhalt

Kreye selbst sagte am Dienstag, das Zitat sei im ganzen Kontext weniger schroff gewesen. Auch sie wolle jetzt um Akzeptanz für Armin Laschet werben. Das scheint auch notwendig. "Bei dem einen oder anderen überwiegt heute die Enttäuschung", so Kreye im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. Laschet selbst solle umgehend den Kontakt mit den Landes- und Kreisverbänden suchen. Sie hoffe aber, dass der neue Kanzlerkandidat bis zur Bundestagswahl noch "aus der Deckung" komme, am besten auch schon vor der Landtagswahl im Juni.

Sandra Hietel sagte über die unterschiedlichen Charaktere der beiden Kandidaten: An Söder hätte man sich gut reiben können. Sie glaube aber an das Charisma von Armin Laschet.

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Landtagsabgeordneter Heuer: "Laschets Wahl ist eine Katastrophe" – Haseloff und Merz sollen es jetzt richten 

Der angebliche Zorn der Basis war da schon in die Öffentlichkeit getragen worden – ebenfalls auf Twitter. Guido Heuer, Landtagsabgeordneter aus der Börde, schrieb am frühen Dienstagmorgen in mehreren Beiträgen: "Diese Wahl ist eine Katastrophe." Die Parteibasis sei einmal mehr düpiert worden. Die Entscheidung stehe für ein "Festhalten der derzeitigen Parteielite" an Macht und "verkrusteten Strukturen".

"So wie ich das getwittert habe, so meine ich das auch", sagte Heuer später. Er hätte sich eine Abstimmung über den Kandidaten gewünscht, zumindest durch die über 320 Kreisvorsitzenden der Partei. "Die CDU ist kein Kanzlerwahlverein", so Heuer weiter. "Die Basis wünscht sich, dass sich in der Partei etwas ändert." Grundüberzeugungen seien wieder gefragt.

Doch auch in Sachsen-Anhalt mag sich manches CDU-Mitglied über die Wahl Laschets gefreut haben. Tobias Krull vertritt für die CDU den eher gut situierten Magdeburger Osten im Landtag von Sachsen-Anhalt. Bei ihm an der Basis gebe es durchaus auch einige Laschet-Anhänger, sagte Krull. Auf der anderen Seite stehe die "Sehnsucht nach einem Macher", dieses Image habe eher Markus Söder. Aber auch der eigene Spitzenkandidat im Land, Reiner Haseloff, und die Landtagswahl sei in erster Linie eine Ministerpräsidentenwahl. Krull: "Wir wissen um unsere eigene Stärke."

So hörte man dann aus Sachsen-Anhalt auch statt dem Ruf nach gemeinsamen Wahlkampfauftritten, eine ganz andere Forderung an Armin Laschet. "Er soll jetzt schnell Friedrich Merz einbinden. Das erwarte ich von ihm", sagte etwa Guido Heuer. Auch Sven Schulze rief mit Verweis auf die Basis in Sachsen-Anhalt nach Merz. Der Mann aus NRW war zweimal als Kandidat für den Vorsitz der Bundespartei gescheitert, galt aber zumindest bei der letzten Wahl im Januar als Favorit der Sachsen-Anhalter CDU.

Wie aber dieser Merz in ein Team Laschet eingebunden werden soll, wollte Schulze am Dienstag noch nicht sagen. Das müssten die beiden unter sich ausmachen, hieß es. Armin Laschet sicherte wenig später erstmal Markus Söder eine "zentrale Rolle" für die kommenden Monate zu.

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Die Spitzenkandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl, von links nach rechts: Eva von Angern (Die Linke), Cornelia Lüddemann (Grüne), Katja Pähle (SPD), Reiner Haseloff (CDU), Lydia Hüskens (FDP), Oliver Kirchner (AfD)
Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der sechs großen Parteien zur Landtagswahl Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR/Thomas Vorreyer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. April 2021 | 19:00 Uhr

13 Kommentare

Steffen1978 vor 22 Wochen

Rot-Grün-Rot mit CDU Tolleranz lässt sich viel bewegen; lernfähige CDU setzte mit GEZ Signal. Auf Loser-Exhumierung wie braunes Blinzeln besser verzichten. Zukunft wird klimaneutral grüner.

Linker_Ossi vor 22 Wochen

Als normaler Durchschnittsverdiener hat man gar keine Chance, jemanden zu wählen. Entweder die korrupte CDU/CSU, die die ganze Legislaturperiode über nur Postengeschacher betreiben und sich mit kuriosen Deals und Beraterverträgen gegenseitig die Taschen vollstopfen und sich einen Dreck um die Belange der Bürger kümmern oder die 'hippen und dynamischen' Grünenpfosten die den ganzen Klimaschutz auf Kosten des Normalverdieners betreiben und einfach mal gefühlt alles verbieten wollen. Die AfD, die in Mitteldeutschland 1/4 der Wähler vertritt, ist die Schwefelpartei der Aussätzigen, die FDP... achso, stimmt... und die linken Parteien SPD/LINKE, für die im Mittelpunkt linker Politik nicht mehr soziale und politökonomische Probleme stehen, sondern Fragen des Lebensstils, der Konsumgewohnheiten und moralische Haltungsnoten. Das Ganze nennt sich dann alle vier Jahre "Politikverdrossenheit des Wählers".

Tacitus vor 22 Wochen

Sachsen-Anhalt hat mit R. Haseloff einen sehr guten MP! Er hat das Land in einer schwierigen Koalition (mit den Grünen als Klotz am Bein) stabil geführt.
Die S-A CDU hat die Zeichen erkannt, dass nach Merkel eine Erneuerung kommen muss. Laschet steht eher für den Merkelkurs. Deshalb ist ein Zuschuss an Merz eine strategisch richtige Idee, um wenigstens ein kleines Stück an Erneuerung zu bringen.
Die Foristen hier, die Haseloff kritisieren, wählen ihn wohl kaum. Er hat sich bislang meist eigenständig verhalten und ist keinesfalls ein Merkeling.

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