Landtagswahl Sachsen-Anhalts neue CDU-Fraktion

Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt für das MDR AKTUELL Nachrichtenradio
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Im Vergleich zur letzten Landtagswahl hat sich die CDU in Sachsen-Anhalt stark verbessert und zieht mit 40 Abgeordneten in den Landtag. Wie verändert sich die CDU-Fraktion in der neuen Legislaturperiode?

Reiner Haseloff, CDU, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, spricht nach der Bekanntgabe der ersten Prognosen auf der CDU Wahlparty.
Reiner Haseloff hat nach zehn Jahren als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt ein gutes Wahlergebnis für die CDU im Land erziehlt. Bildrechte: dpa

Karin Tschernich-Weiske guckt sich neugierig um, als sie die Pressestelle der CDU-Fraktion betritt. Hier finden die Interviews der Abgeordneten häufig statt. Alles neu hier. Zumindest für die Juristin und Mutter von Drillingen. Die frisch gebackene Abgeordnete hat bei der Landtagswahl in ihrem Wahlkreis in Dessau über 35 Prozent der Erststimmen bekommen.

Sie ist eine von 20 Neuen in der CDU-Fraktion: "Ich denke schon, da ist vieles anders. 20 neue von 40 das ist schon ein Ding. Und wir sind weiblicher und jünger geworden. Ich glaube, das steht der Fraktion ganz gut. Ich würde es gern als Selbstverständlichkeit sehen, dass wir gemischt sind, dass die Jungen die Erfahrungen der Alten schätzen, dass natürlich die Älteren den Schwung oder die andere Sichtweise der Jungen aufgreifen."

Neue und alte Mitglieder

Kurz vor ihr ist Detlef Gürth zum Interview in die Pressestelle gekommen. Er geht zielstrebig zur Sitzecke, die Bilder an den Wänden, die Postkarten und Plakate kennt er schon. Seit Tag eins ist er CDU-Abgeordneter in Sachsen-Anhalts Landtag. Über 30 Jahre sind das.

Die letzte CDU-Fraktion stand oft in der Kritik. Nur eine Frau als reguläres Mitglied - jetzt sind es neun. Und dann zwei Rechtsausleger als Vizechefs der Fraktion, die das Soziale mit dem Nationalen wieder verknüpfen wollten. Fraktionsvizes sind sie nicht noch einmal geworden.

Neuzugänge aus der Wirtschaft

Detlef Gürth weist auf eine ganz andere Neuerung hin: "Die Hälfte der Fraktion kommt nicht aus dem Politikbetrieb, sondern aus irgendeinem Beruf. Die haben bei der Sparkasse gearbeitet, die waren im Holzhandel, die haben einen Handwerksbetrieb gehabt, sind Ingenieure und so weiter. Das ist eine tolle Bereicherung. Früh morgens den Wecker stellen, zur Arbeit gehen. Das bringen die mit hier rein."

Detlef Gürth, 2016
Detlef Gürth, Abegordneter der CDU im Landtag Sachsen-Anhalt Bildrechte: dpa

Eins wird sich aber auch in der neuen Fraktion nicht ändern. Das Selbstbewusstsein. Die Kandidaten haben alle Direktmandate bis auf eins errungen. Wählerinnen und Wähler haben ihr Kreuz also mehrheitlich bei ihnen direkt hinter ihrem Namen gemacht und ihre Erststimme an sie gegeben. Das gibt Selbstbewusstsein, sagt Detlef Gürth.

Das heißt im Umkehrschluss: "Sie können niemandem sagen, wenn du jetzt nicht so spurst gibt es einen schlechten Listenplatz, das interessiert keinen in der CDU." Weil die Abgeordneten nicht auf Listenplätze angewiesen sind - auch diesmal nicht.

Erste Klausurtagung

Für den neuen und alten Fraktionschef Siegfried Borgwardt bleibt es also beim gewohnt anspruchsvollen Job, die vielen direkt gewählten CDU-Abgeordneten auf Linie zu halten. Auch Tim Teßmann gehört jetzt dazu. Sozialarbeiter von Beruf und Handballer aus Leidenschaft ist er nicht, was man sich klischeemäßig unter einem klassischen CDU-Abgeordneten vorstellt. Und dazu mit Anfang dreißig auch verhältnismäßig jung.

Tim Teßmann sagt: "Ich würde mich jetzt nicht nur aufs Alter reduzieren lassen. ich denke aber auch, dass wir als jüngere Generation ganz andere Themen haben, vielleicht noch mal. Ich hatte auch schon ein interessantes Gespräch mit dem Ministerpräsidenten. Der da auch sehr interessiert ist, unsere Sichtweise mal kennenzulernen.

In der kommenden Woche geht die Fraktion in ihre erste Klausurtagung. Da haben frisch Gewählte und Wiedergewählte Zeit, sich weiter kennenzulernen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Juni 2021 | 08:08 Uhr

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