Landesliste beschlossen SPD-Delegierte schicken Diaby auf Platz 1 für die Bundestagswahl ins Rennen

Luca Deutschländer
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Die SPD in Sachsen-Anhalt rüstet sich für die anstehenden Wahlen: Nachdem die Partei vor wenigen Wochen schon ihr Programm für die Landtagswahl beschlossen hatte, folgt nun der nächste Schritt – das Personal wird gewählt. Seit Freitag ist klar: Die Partei zieht mit Karamba Diaby aus Halle in den Bundestagswahlkampf. Mit dieser Wahl setzten die Delegierten sich über die Empfehlung des Landesvorstandes hinweg.

Die Entscheidung der Delegierten fiel deutlicher aus als die des Landesvorstands eine Woche zuvor. Und: Sie fiel anders aus. Seit Freitagabend ist klar, dass die SPD in Sachsen-Anhalt mit Karamba Diaby an der Spitze in den Wahlkampf zur Bundestagswahl zieht. Der Landesvorstand hatte sich voriges Wochenende mit knapper Mehrheit für die frühere Landtagsfraktionschefin Katrin Budde auf Platz 1 ausgesprochen – und wurde am Freitag von den Delegierten überstimmt. Die wählten Diaby auf den ersten Platz, mit 57 zu 45 Stimmen.

Schon bevor überhaupt gewählt wurde, rief SPD-Landeschefin Juliane Kleemann die Genossen zur Geschlossenheit auf – auch jene, die am Freitag bei der Wahl den Kürzeren zogen. Trotz aller ausführlicher Diskussionen und mancher "verbaler Wortfetzen" in den vergangenen Tagen verlangte Kleemann, dass jede und jeder nun in den "Modus Mannschaftsspiel" übergehe. Katrin Budde sicherte dies nach ihrer Niederlage unmittelbar zu.

Budde auf den zweiten Platz der Landesliste gewählt

Katrin Budde
Musste sich bei der Abstimmung um Platz 1 geschlagen geben: Katrin Budde. (Archivfoto) Bildrechte: IMAGO

Sie hatte zuvor unter anderem mit ihren Erfolgen in den vergangenen knapp vier Jahren im Deutschen Bundestag für sich geworben. Budde, nach eigenem Bekunden eine der letzten der "alten Garde" in der Sachsen-Anhalt-SPD, sagte, sie habe 160 Millionen Euro zusätzlich nach Sachsen-Anhalt geholt. Die Delegierten wählten sie wenig später auf den zweiten Platz der Landesliste. Budde kam auf 86 der 103 Delegiertenstimmen.

Karamba Diaby, wie Budde ebenfalls schon in den vergangenen Jahren Mitglied des Deutschen Bundestages, sagte, er wolle alle mitnehmen und Vorurteile endlich überwinden. Diaby ist gebürtiger Senegelase und wird regelmäßig rassistisch angegangen. Er wolle allen zeigen, dass es in Sachsen-Anhalt "nicht nur Rechte" gebe, rief Diaby in seiner Bewerberrede. Die SPD sei eine Partei der Vielfalt – und stehe für Zukunft und einen solidarischen Weg aus der Krise.

Entscheidung über Liste zur Landtagswahl am Sonnabend

Die Entscheidung über das Spitzenpersonal für die Bundestagswahl war indes nur der Auftakt des außerordentlichen SPD-Parteitags. Am Sonnabend treffen sich die Genossen erneut. Dann wird über die Landesliste für die Landtagswahl am 6. Juni abgestimmt. An der Spitze soll die Fraktionsvorsitzend der SPD im Landtag, Katja Pähle, stehen. Pähle hatte sich voriges Jahr in einem Mitgliederentscheid als Spitzenkandidatin durchgesetzt. Nun will die Partei über das weitere Personal entscheiden. Für aussichtsreiche Plätze vorgeschlagen sind auch Petra Grimm-Benne und Armin Willingmann. Die Gesundheitsministerin und der Wirtschaftsminister vertreten die Partei in der aktuellen Landesregierung.

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MDR/Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19. Februar 2021 | 19:00 Uhr

43 Kommentare

Dietmar vor 29 Wochen

Uiuiui Atheistin, können Sie mir bitte sagen um wieviel Prozent der Anteil der Analphabeten und extrem Gläubigen zugenommen in der SPD zugenommen hat?

Denkschnecke vor 29 Wochen

Wie kommt man auf so einen Unsinn? Voraussetzung? Wie viele Spitzenkandidat deutscher Parteien für Landtage oder Bundestag kennen Sie denn noch, die Ihren Listenplatz dafür bekommen haben, dass sie regelmäßig rassistischen Anfeindungen ausgesetzt sind?
Bezeichnend ist in dieser ganzen Diskussion ja auch, dass die SPD selbst die Herkunft von Herrn Diaby meines Wissens überhaupt nicht zum Thema gemacht hat. Erst hier wird das zum Thema.

Frank 1 vor 29 Wochen

Storch Heiner, die SPD hat in Regierungsverantwortung mit den Grünen unter der Kanzlerschaft von BK Schröder HartzIV eingeführt. Das ist keine Hetze sondern eine sachliche Feststellung. Oder wollen Sie diesen Fakt auch als sinnfreie Hetze betiteln? Oder sehen Sie Hartz IV als soziale Errungenschaft?

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