Sachsen-Anhalt-Trend zur Landtagswahl Umfrage: CDU, AfD und SPD nahezu unverändert – Linke verlieren, Grüne, FDP und Freie Wähler legen zu

In Sachsen-Anhalt wird in rund einer Woche ein neuer Landtag gewählt. Wenn die Wahl schon diesen Sonntag wäre, müsste die CDU laut einer neuen Studie leichte Verluste hinnehmen, die Linke baut stark ab. AfD und SPD stagnieren. Zulegen würden Grüne und FDP. Auch die Freien Wähler können noch auf den Einzug ins Parlament hoffen.

Umfrageergebnisse Infratest Dimap Landtagswahl 27. Mai
Nach der repräsentativen Umfrage würde die CDU vor der AfD stärkste Kraft bleiben. Bildrechte: MDR/ARD/infratest dimap

AfD würde zulegen – CDU bliebe stärkste Kraft

Wenn in Sachsen-Anhalt am Sonntag ein neuer Landtag gewählt würde, bliebe die CDU weiterhin die stärkste politische Kraft. Das zeigt eine repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des ARD. Laut dem Sachsen-Anhalt-Trend für den Mai 2021 kämen die Christdemokraten auf 28 Prozent – ein leichtes Minus im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren (29,8 Prozent), aber ein kleines Plus gegenüber der letzten Umfrage des Instituts Mitte April (27 Prozent).

Zweitstärkste politische Kraft in Sachsen-Anhalt bliebe die AfD. Für sie würden sich 24 Prozent der Wählerinnen und Wähler entscheiden. Das entspricht in etwa ihrem 2016er-Wahlergebnis (24,3 Prozent) und bedeutet ein deutliches Plus im Vergleich zur letzten Umfrage (20 Prozent).

Linke verlöre deutlich – dadurch Vierkampf um Platz drei

Eng ist das Rennen um Platz drei. Gleich vier Parteien liegen hier nah beieinander. Die Linke liegt in der Umfrage bei 10 Prozent, die SPD bei 11 Prozent, Grüne bei 9 Prozent und FDP bei 8 Prozent. Die Linke verlöre damit über sechs Punkte gegenüber der letzten Landtagswahl (16,3 Prozent). Im April war man noch auf 12 Prozent gekommen. Die SPD liegt nah bei den 10,6 Prozent, die sie vor fünf Jahren holte.

Grüne und FDP können im Vergleich zur Landtagswahl weiter deutlich zulegen (5,2 bzw. 4,9 Prozent), die Grünen bleiben allerdings hinter dem Umfrageergebnis aus dem April (11 Prozent) zurück.

Freie Wähler bei drei Prozent – Fortsetzung von Kenia denkbar

Erstmals seit der Wahl wieder einzeln ausgewiesen werden die Freien Wähler. Sie würden derzeit 3 Prozent erreichen. Bislang war sie unter dieser Marke geblieben. In Sachsen-Anhalt gilt allerdings eine Fünf-Prozent-Hürde.

Über die Studie: 1.249 Menschen in Sachsen-Anhalt befragt Für die repräsentative Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap am 25. und 26. Mai insgesamt 1.249 Menschen in Sachsen-Anhalt befragt. Sie wurden zufällig ausgewählt, die Ergebnisse nach soziodemographischen Merkmalen gewichtet. Die Befragungen fanden zu einem großen Teil per Telefon (814 Interviews) statt, andernfalls online (435 Interviews). Die Schwankungsbreite liegt bei zwei bis drei Prozentpunkten.

Damit ist eine Fortsetzung der Kenia-Koalition von CDU, SPD und Grünen derzeit am wahrscheinlichsten. Sie hätte eine Mehrheit. Möglich wäre durch den Aufschwung der FDP aber auch eine Mehrheit für ein schwarz-rot-gelbes Regierungsbündnis. Rein rechnerisch ist auch eine Koalition von CDU und AfD möglich. Rot-rot-grün dagegen hätte derzeit keine Chance auf eine eigene Mehrheit.

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Für die Linke in Sachsen-Anhalt ist es der niedrigste jemals von Infratest Dimap gemessene Wert, für die AfD der bislang höchste. Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung. Letzterer ist erst mit der Wahl selbst abgeschlossen. Viele Menschen sind noch unentschlossenen oder wählen taktisch.

Eine ebenfalls in dieser Woche veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA sieht die AfD derweil knapp vor der CDU.

MDR/ARD/infratest dimap/Thomas Vorreyer

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT Heute | 27. Mai 2021 | 19:00 Uhr

254 Kommentare

Rossi-2 vor 8 Wochen

Das ist total krass. Wenn die AFD stärkste Partei wird verkaufe ich mein Haus und wandere aus. Begreifen die Menschen nicht, dass sie eine rechtsorientierte Partei wählen?

Simone vor 8 Wochen

Na dann kann ja nun bald gewält werden.
Man darf gespannt sein welche Ergebnisse zusammen kommen.
Strategisch wählen ist auch bei dieser Wahl wichtig, denn es kommt weniger darauf an, was irgendeine Partei verspricht, sondern wer hinterh mit wem regieren kann.

Schön ist, dass auch 30% unüberlegte Wutkreuzchen bei der AfD nicht bedeuten, dass da plötzlich Rechtsradikale an der Regierung beteiligt werden.

Jede Stimme für die AfD wird letztenldich die CDU auf ihre Koalitionspartner aus dem Lager der Grünen oder der Linken oder der FDP bzw. SPD zu bewegen.

Wer also "Linke" Politik für Sachsen-Anhalt will der wählt am besten die AfD um die CDU zu schwächen.Eigentlich sehr einfach, aber die tatsächichen AfD wähler scheinen nicht zu verstehen, dass sie mit rechts blinken eben keine Politik der Mitte erzwingen, sondern das Land scharf nach links abbiegen lassen. Wer geradeasu fahren will, der blinkt ja in der Regel gar nicht, sondern wählt was er im Endeffekt haben will.

Der Matthias vor 8 Wochen

@ Jana
"Kennt man durchaus auch von Sekten, bei denen Nachdenken unerwünscht ist."

Diese auffälligen Parallelen mit einer (Polit-)Sekte, die sich gegenüber allen anderen hermetisch abschottet und noch nur in und für ihre(r) eigene(n) krude(n) Welt und hasserfüllte(n) Ideologie lebt, hat übrigens auch die AFD-Aussteigerin Franziska Schreiber in ihrem Buch sehr anschaulich beschrieben. Sie sieht in der AFD dieselben gefährlichen, manipulativen Mechanismen wirken.

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