Frage der Woche Sachsen-Anhalter wünschen sich eine jüngere Landesregierung

Der neuen Landesregierung von CDU, SPD und FDP sollen erstmals genauso viele Frauen wie Männer angehören. Eine MDR-Befragung zeigt: Die Menschen im Land finden das gut. Sie hätten sich allerdings auch eine Verjüngung gewünscht. Eher zufrieden sind sie mit dem Anteil gebürtiger Ostdeutscher in dem möglichen Kabinett.

Sven Schulze (CDU) und Lydia Hüskens (FDP) stehen vor einem Sondierungsgespräch nebeneinander.
Zwei der designierten neuen Kabinettsmitglieder: Sven Schulze (CDU) und Lydia Hüskens (FDP) Bildrechte: dpa

Kurz vor der Entscheidung der drei Parteien CDU, SPD und FDP über die Annahme eines gemeinsamen Koalitionsvertrages in Sachsen-Anhalt gibt es bereits Besetzungsvorschläge für alle zehn Kabinettsposten. Erstmals würde die Hälfte von ihnen von Frauen übernommen werden. Vier der zehn Kandidaten und Kandidatinnen sind zudem in Ostdeutschland aufgewachsen, die restlichen sechs leben seit mehr als zehn Jahren hier.

Das passt zu den Zielen von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Der wollte die dritte Landesregierung unter seiner Führung weiblicher und ostdeutscher machen. Nur der Altersschnitt steigt mit 57 Jahren im Vergleich zu 2016 (54 Jahre) etwas.

Zustimmung für paritätische Besetzung

Die Menschen in Sachsen-Anhalt sind damit weitestgehend zufrieden, hätten sich aber eine Verjüngung des Kabinetts gewünscht. Das legt das Ergebnis einer aktuellen Befragung von MDRfragt – dem Meinungsbarometer für Mitteldeutschland und MDR SACHSEN-ANHALT nahe. An dieser nahmen 4.993 Menschen im Land teil.

Die Teilnehmenden sind vor allem zufrieden mit der paritätischen Besetzung mit Männern und Frauen. Fast drei Viertel (72 Prozent) fanden dieses Verhältnis in Ordnung. Bei der Frage nach dem zahlenmäßigen Verhältnis von in Ostdeutschland sozialisierten Kabinettsmitgliedern und jenen, die im Laufe ihres Lebens nach Sachsen-Anhalt kamen, ist die Differenz größer: Knapp die Hälfte (51 Prozent) hätten gerne noch mehr Ministerinnen und Minister mit einer Ost-Biografie gesehen, etwas weniger (43 Prozent) sehen hingegen kein Problem.

Nachholbedarf gibt es laut den Teilnehmenden vor allem beim Altersschnitt. Etwa drei von fünf Teilnehmenden (58 Prozent) wünschten sich eine jüngere Landesregierung. Rund ein Drittel (35 Prozent) findet den jetzigen Schnitt in Ordnung.

Insgesamt spielen Kriterien wie der Frauenanteil, der Altersdurchschnitt und der Anteil der ostdeutsch Sozialisierten für viele Menschen durchaus eine Rolle bei der Beurteilung einer Landesregierung. 60 Prozent gaben an, dass Ihnen diese Kriterien "wichtig" oder "eher wichtig" sind.

Übernimmt die schwarz-rot-gelbe Koalition tatsächlich die Regierung, wären die jüngsten Kabinettsmitglieder Sven Schulze (CDU, 42, Wirtschaft), Franziska Weidinger (CDU, 44, Justiz) und Tamara Zieschang (CDU, 51, Innen). Alle drei kommen aus der CDU.

Die potenziellen Minister und Ministerinnen haben zudem alle einen engen Bezug zum Land. Rainer Robra (CDU) und Lydia Hüskens (FDP) kamen etwa bereits kurz nach der Wende nach Sachsen-Anhalt. Robra hat familiäre Beziehungen zur Region und sprach sich in der Vergangenheit für die gezielte Förderung von Ostdeutschen aus. Hüskens sagt heute, sie fühle sich ostdeutsch.

So lautete die Fragestellung

Ministerpräsident Reiner Haseloff wollte die dritte Landesregierung unter seiner Führung weiblicher und ostdeutscher machen. Mittlerweile gibt es Vorschläge für alle zehn Posten der möglichen künftigen Regierung: Vier der zehn derzeit vorgesehenen Kabinettsmitglieder sind in Ostdeutschland aufgewachsen, die restlichen sechs leben seit mehr als zehn Jahren hier. Erstmals wäre die Hälfte aller Kabinettsmitglieder Frauen. Der Altersdurchschnitt läge mit 57 Jahren etwas höher als noch 2016 (54 Jahre).

Wie beurteilen Sie die Zusammensetzung der möglichen künftigen Regierung anhand der folgenden Aspekte? (Antwortmöglichkeiten je einzeln für Anteil der Ostdeutschen, Frauenanteil, Altersschnitt: sollte höher sein, in Ordnung, sollte niedriger sein, keine Angabe)

Frauenanteil, Altersdurchschnitt, Anteil der Ostdeutschen: Wie wichtig ist es für Sie, dass solche Kriterien bei der Besetzung einer Regierung berücksichtigt werden? (Antwortmöglichkeiten: wichtig, eher wichtig, eher unwichtig, unwichtig, keine Angabe)

MDRfragt-Gemeinschaft diskutiert mit

In der MDR-Befragung haben über 500 Teilnehmende ihre Haltung mit einem Kommentar begründet. Nachfolgend bilden wir die Debatte in Auszügen ab:

Die jeweilige Qualifikation ist für mich wichtiger als Alter, Geschlecht oder Herkunft. Nichtsdestotrotz sollten die Kabinettsmitglieder einen Draht zum Land haben und um die Wünsche und Anliegen der Bevölkerung wissen bzw. sich dafür interessieren.

Teilnehmerin, *1983, Landkreis Stendal

Ich bin für eine Parität bei der Besetzung der Regierungsposten. Frauen müssten sich aber auch mehr einbringen in das Politikgeschäft, so dass die Parität erreichbar wird. Ich bin gegen eine Quote.

Teilnehmer, *1940, Salzlandkreis

Leider sind in der Politik zu viele alte Männer.

Teilnehmerin, *1971, Saalekreis

Ich wünsche mir, dass die Bedürfnisse der jungen Generationen mehr eingebracht werden und dass es eine/n Fürsprecherin/er gibt – im Bundestag und Landtag.

Teilnehmer, *1989, Altmarkkreis Salzwedel

Frauenanteil ist mir eher egal. Jeder Posten muss besetzt werden von Menschen, die Ahnung haben von dem, was sie tun. Eine Qualifikation in Bezug auf das betreffende Ressort wäre wichtig. Ein Rechtsanwalt kann kein Gesundheitsamt übernehmen usw.

Teilnehmerin, *1945, Magdeburg

Wenn die Abgeordneten ihre Arbeit ordentlich machen, sind mir Ost- oder Frauenquoten sowas von egal!

Teilnehmer, *1959, Landkreis Wittenberg

Ich lebe seit 1991 in Sachsen-Anhalt. Bin ich auf Lebenszeit Westdeutscher? Ist jemand, der 1989 in der DDR geboren ist, aber zum Studium nach Bayern gegangen und dort geblieben ist, Ostdeutscher? In meinen Augen ist die Kategorisierung (wie eigentlich die gesamte "Identitätspolitik") spalterischer Unsinn.

Teilnehmer, *1955, Burgenlandkreis

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MDR/Kristin Hansen, Claudia Reiser, Thomas Vorreyer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. September 2021 | 15:00 Uhr

5 Kommentare

Bogensee vor 6 Wochen

Frau Hüsken ist mal wieder ein Beispiel für eine westdeutsche Politikwissenschaftlerin ohne Erfahrungen aus der Zeit vor der Wende in unserem Land. Sie spricht niemals meine Sprache und ist wie Robert Lewandowski beim FC Bayern. Es geht nur um Posten und Kohle!!!

J Mueller vor 6 Wochen

Qualifikation und nicht Politkarriere, vom Kofferträger des Vorgängers, den Posten übernehmen. Alter und Geschlecht egal. Wichtig ist schon die regionale Herkunft, Herzblut nenne ich das. Familienmensch ist ebenso immer im Vorteil.

BerndG. vor 6 Wochen

So etwas gibt es halt nur in der Politik , da spielt Qualifikation keine Rolle da werden Bänker Gesundheitsminister , da werden ,ds werden Politikwissenschaftler zum Verteidigungsminister usw. Es ist halt egal da gibt es dann etliche Berater die dann vom Steuergeld bezahlt werden damit diese zeudo Minister dann nach Wissen aussehen . Wie gesagt in der Freien Wirtschaft ( wo es ja so viel mehr zu verdienen gibt ) undenkbar .Das könnte natürlich auch ein Grund sein weshalb manche Personen in die Politik gehen . Es ist völlig Wurscht ob Frau oder Mann ob Jung oder Alt Wissen und Kompetez sollen emtscheident sein .

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