Serie zur Wahlbeteiligung In keinem Bundesland gehen so wenige junge Menschen zur Wahl wie in Sachsen-Anhalt

In wenigen Wochen wird in Sachsen-Anhalt gewählt: Landtagswahl. Noch bis zum Wahltag buhlen die Parteien um potentielle Wähler. Hier und da wird noch am Programm gefeilt, die Positionierung feinjustiert – bis die Wahlversprechen auf die Wählerinnen und Wähler zugeschnitten sind. Doch wie sehen sie eigentlich aus, die Wählenden in Sachsen-Anhalt? Eines ist klar: Jung sind sie nicht.

Ein Mann mit Mund-Nasen-Schutz geht an einem Wahlloka an einem Schild vorbei, auf dem 'Wahlbezirk 004-11 Zum Wahlraum' steht.
In Sachsen-Anhalt ist die Zahl wählender junger Menschen besonders niedrig. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt hat sich in der jüngeren Vergangenheit deutlich weniger als die Hälfte junger Menschen an Landtagswahlen beteiligt. Das zeigt eine Auswertung der repräsentativen Wahlstatistik. Danach machten bei der Landtagswahl im März 2016 gerade einmal 37 Prozent der Wahlberechtigten zwischen 21 und 25 Jahren von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Die Auswertung zeigt aber auch, dass die Zahl der wählenden jungen Menschen seit 2006 angestiegen ist.

Junge Sachsen-Anhalter gehen am seltensten zur Wahl

Um eine Vergleichbarkeit zur Beteiligung junger Menschen in anderen Bundesländern zu schaffen, hat MDR SACHSEN-ANHALT deren Beteiligung bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 ausgewertet. Ergebnis: In Sachsen-Anhalt machten bundesweit die wenigsten Menschen zwischen 21 und 25 Jahren ihr Kreuz. Diesen Trend hatte es schon bei den beiden Bundestagswahlen zuvor gegeben. Spitzenreiter bei der Wahlbeteiligung junger Menschen war Bayern.

Der Blick auf eine weitere Statistik untermauert den Befund: Danach gingen in Sachsen-Anhalt bei der Wahl zum Deutschen Bundestag nicht nur die wenigsten jungen Menschen im Bundeslandvergleich wählen. Nirgends sonst in Deutschland war ihre durchschnittliche Beteiligung so weit von der Wahlbeteiligung insgesamt entfernt. Ähnlich niedrige Werte in dieser Kategorie haben auch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Ohnehin war Sachsen-Anhalt zum Zeitpunkt der Erhebung mit einem Durchschnittsalter von 47,4 Jahren das älteste deutsche Bundesland. Die Jugend, insbesondere die Altersgruppe unter 30, ist unterrepräsentiert. Gründe gibt es dafür viele: kaum Ballungszentren, wenige Hochschulstandorte und stetige Abwanderung, etwa aufgrund mangelnder Karrierechancen.

Nur zehn Prozent der Wahlberechtigten waren jünger als 30

In Zahlen, als Beispiel dient erneut die letzte Bundestagswahl im Herbst 2017, drückt sich das so aus: Seinerzeit waren in Sachsen-Anhalt nur zehn Prozent der Wahlberechtigten jünger als 30 Jahre, nur ein Viertel jünger als 40. Die größte Gruppe potenzieller Wählerinnen und Wähler waren die Menschen über 70.

Der Vergleich mit dem damals jüngsten deutschen Bundesland Bayern – Durchschnittsalter 43,9 Jahre – zeigt das Ungleichgewicht recht deutlich. Das gilt auch für eine weitere Zahl: Auf zehn junge Sachsen-Anhalter (gemeint sind Menschen zwischen 18- und 29) kommen 18 ältere Sachsen-Anhalter (die wahlstärkste Gruppe der 60- bis 69-Jährigen). Die Jugend ist den Älteren in dieser Hinsicht also klar unterlegen.

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Ein Portraitbild von Katharina Neuhaus, MDR Volontärin.
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Über Katharina Neuhaus Katharina Neuhaus ist seit Anfang 2020 Volontärin beim MDR. In Dortmund hat sie Literatur- und Kulturwissenschaften auf Deutsch und Englisch studiert; in Essen Literatur & Medienpraxis und Amerikanistik. Berufliche Zwischenstopps waren das Goethe-Institut in Glasgow, DER SPIEGEL und die qualitative Sozialforschung. 2020 erhielt sie für ihren Kurzfilm "Ultraslut" den Digital Storytelling Award des LUMIX Festivals für Jungen Bildjournalismus. Sie hat Theatertrailer produziert und ein Musikvideo für die Trash-Pop Band Sorry3000.

MDR-Volontär Lukas Paul Meya
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Über Lukas Paul Meya Lukas Paul Meya ist seit Anfang 2020 Volontär beim MDR und arbeitete bisher für die Redaktion von MDR AKTUELL, KULTUR und SACHSEN-ANHALT. Für Fernsehen, Radio und Online. Es folgen noch Einsätze bei funk, den jungen Content-Netzwerk von ARD und ZDF, und bei Exakt/Fakt. Bevor er zum MDR kam, hat er Kunst, Französisch und Politik in Halle studiert, mit Abstechern nach Rennes in Frankreich und nach London. Anschließend hat er für das Berliner Unternehmen "planpolitik" Apps entwickelt, die Schülern und Studierenden Politik erklären. Sein Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind der Hufeisensee in Halle und das Biosphärenreservat Mittelelbe.

MDR/Katharina Neuhaus, Lukas Paul Meya, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Mai 2021 | 17:00 Uhr

13 Kommentare

pwsksk vor 4 Wochen

In der DDR haben wir Zusammenhänge erkennen gelernt. Sie haben die Zusammenhänge im Text ihres Vorredners NICHT erkannt! Auch erkennen scheinbar nur die Ossis das Ursache-Wirkungsprinzip.

Storch Heiner vor 4 Wochen

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Dreibeiner vor 4 Wochen

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