Sieben Wochen vor der Wahl Sachsen-Anhalt-Trend zur Landtagswahl: CDU, AfD und Linke verlieren – Grüne, SPD und FDP legen zu

In Sachsen-Anhalt wird in rund sieben Wochen ein neuer Landtag gewählt. Wenn die Wahl schon diesen Sonntag wäre, müssten CDU, AfD und Linke laut einer neuen Studie Verluste verbuchen. Zulegen könnten dagegen insbesondere Grüne und FDP. Die Liberalen würden demnach ins Parlament zurückkehren. Als die mit Abstand größte Herausforderung in Sachsen-Anhalt sehen die Menschen die Bewältigung der Corona-Pandemie.

Diagramm mit Umfrageergebnissen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Wäre am Sonntag Landtagswahl, bliebe die CDU stärkste Kraft – gefolgt von AfD, Linken, SPD, Grünen und FDP. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verluste für CDU und AfD – CDU bliebe stärkste Kraft

Wenn in Sachsen-Anhalt am Sonntag ein neuer Landtag gewählt würde, bliebe die CDU die stärkste politische Kraft. Das zeigt eine repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des MDR. Danach kämen die Christdemokraten auf 27 Prozent – ein leichtes Minus im Vergleich mit der Landtagswahl vor fünf Jahren (29,8 Prozent). Zweitstärkste politische Kraft in Sachsen-Anhalt ist die AfD. Für sie würden sich 20 Prozent der Wählerinnen und Wähler entscheiden. Verglichen mit der Wahl vor fünf Jahren würde das einen Rückgang um gut vier Prozentpunkte bedeuten.

Linke und SPD gleichauf, FDP zurück im Landtag

Ähnlich verlöre auch die Linke in Sachsen-Anhalt. Wenn am Sonntag gewählt werden würde, käme sie nur noch auf 12 Prozent und stünde gleichauf mit der SPD. Die Sozialdemokraten verbessern sich verglichen mit 2016 um knapp zwei Prozentpunkte. Ein deutliches Plus können die Grünen verbuchen. Vor fünf Jahren noch äußerst knapp über der Fünf-Prozent-Hürde, kämen sie nun auf 11 Prozent. Zurück im Landtag wäre auch die FDP: Für sie würden 8 Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmen. 2016 waren die Liberalen knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Derzeit ist damit eine Fortsetzung der Kenia-Koalition von CDU, SPD und Grünen am wahrscheinlichsten. Sie hätte eine Mehrheit. Möglich wäre durch den Aufschwung der FDP aber auch eine Mehrheit für ein schwarz-rot-gelbes Regierungsbündnis. Rein rechnerisch ist auch eine Koalition von CDU und AfD möglich. Rot-rot-grün dagegen hätte derzeit keine Chance auf eine eigene Mehrheit.

Über die Studie: 1.202 Menschen in Sachsen-Anhalt befragt

Für die repräsentative Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap zwischen dem 16. und 21. April insgesamt 1.202 Menschen in Sachsen-Anhalt befragt. Sie wurden zufällig ausgewählt, die Ergebnisse nach soziodemographischen Merkmalen gewichtet. Die Befragungen fanden zu einem großen Teil per Telefon (783 Interviews) statt, andernfalls online (419 Interviews). Die Schwankungsbreite liegt bei zwei bis drei Prozentpunkten.

Corona-Pandemie ist die größte Herausforderung

Als die mit Abstand größte Herausforderung in Sachsen-Anhalt nehmen die Menschen rund sieben Wochen vor der Landtagswahl die Bewältigung der Corona-Pandemie wahr. Erst mit deutlichem Abstand werden die Themen Wirtschaft, Bildung und, mit weiterem Abstand, der Arbeitsmarkt genannt. Als deutlich weniger wichtig schätzen die Menschen im Land aktuell die Themen Migration, Umweltschutz oder soziale Ungerechtigkeit ein.

Allerdings ist die Sorge um die wirtschaftliche Lage in Sachsen-Anhalt gestiegen: Aktuell blicken der Befragung zufolge knapp zwei Drittel der Menschen im Land (63 Prozent) mit Sorge auf die wirtschaftliche Situation. Ein Drittel dagegen schätzt die Lage der Wirtschaft als gut oder sehr gut ein.

Knapp die Hälfte ist zufrieden mit der Regierung

Die Studie zeigt zudem, dass knapp die Hälfte der Menschen in Sachsen-Anhalt (46 Prozent) zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit der Landesregierung von CDU, SPD und Grünen sind. Dagegen erklärten 49 Prozent, dass sie weniger oder gar nicht zufrieden mit der Arbeit der Regierung sind. Dabei zeigt sich, dass Anhänger der CDU die Arbeit ihrer Partei am ehesten als positiv bewerten. Unter den Anhängern der Koalitionspartner SPD und Grüne fällt dieser Anteil schon deutlich niedriger aus. Am heftigsten ist die Ablehnung gegen die Arbeit der Landesregierung bei Menschen, die mit der AfD sympathisieren.

Häufige Nachfragen zur Befragung

Wie errechnen sich die Regierungsmehrheiten/Koalitionen?
Es werden die Prozentzahlen aller Parteien, die über 5 Prozent liegen genommen und damit in den Landtag einziehen würden. Rechenbeispiel: Für das mögliche Regierungsbündnis der Kenia-Koalition würde die Summe der Prozentzahlen von CDU, SPD und Grünen genommen (27%+12%+11% = 50%) . Liegt dieser Wert über der Summe der Prozente aller übrigen Parteien, die in den Landtag einziehen würden (also ohne die "sonstigen Parteien") , hat das Bündnis eine Mehrheit. Diese Summe muss also nicht zwingend über 50 Prozent liegen.

Warum gibt es keine Infos, welche Parteien in den 10 Prozent der „Anderen Parteien“ stecken? Die Wahlforscher stellen bei der telefonischen Umfrage keine Vorgabe, sondern stellen eine offen Frage. Das heißt, alle Parteien, die von den (insgesamt über 1.000) Befragten genannt werden, fließen in die Umfrage ein. Diesmal macht das einen Anteil von 10 Prozent aus. Wenn diese "kleinen" Parteien jeweils unter 3 Prozent kommen, werden sie nicht ausgewiesen, weil die Schwankungsbreite bei den Ergebnissen zu hoch ist und eine Genauigkeit suggerieren würden, die aufgrund der Fallzahlen nicht statistisch fundiert wäre. Einfach gesagt: in der Befragung hat keine der kleinen Parteien einen Wert von 3 Prozent oder mehr erreicht. Auch die Freien Wähler nicht.

Damit fällt die Zufriedenheit mit der Arbeit der Landesregierung in etwa auf das Niveau vor Ausbruch der Pandemie zurück. Noch vergangenen Juni hatten sich bei einer repräsentativen Befragung im Auftrag des MDR gut zwei Drittel der Frauen und Männer in Sachsen-Anhalt zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit der Landesregierung um Ministerpräsident Reiner Haseloff gezeigt.

Hintergründe und Aktuelles zur Landtagswahl – unser multimediales Update

In unserem Update zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geben unsere Redakteure einen Überblick über die wichtigsten politischen Entwicklungen – und ordnen sie ein.

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MDR/Karsten Kiesant, Manuel Mohr, Thomas Vorreyer, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 23. April 2021 | 05:00 Uhr

96 Kommentare

Graf von Henneberg vor 8 Wochen

Jetzt würde mich mal so interessieren auf welche Taktik aus den Jahren um 1030 Sie hinweisen wollen, verehrter Herr "Tommi Tulpe". Gab es damals auch schon Parteien?

tim regenbogen vor 8 Wochen

Demokraten sind in der Lage zusammenzuarbeiten. Besonders in Krisensituationen wie gegenwärtig in der Corona Pandemie. Köstlich dieser Spruch! Naja und die Auswirkungen dieser Zusammenarbeit sieht man ja seit einem Jahr.

aus Elbflorenz vor 8 Wochen

"Elbflorenz: Sie geben mir Kraft."
Peter, das freut mich zu hören, jetzt bitte den Engergieschub nur noch die richtige Richtung lenken...ist aber auf dem Wahlzettel (wegen der senkrechten Anordnung der Listen) nicht eine Frage von rechts oder links, sondern von oben oder unten.

Und Höcke hat den Parteitag nicht gelenkt. Letztlich kamen 3 Beschlüsse in die Medien: Migration - das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen AfD und Altparteien, Dexit - das waren Liberale und Sozialpatrioten...und letztlich auch nur ein Gummibeschluss (wenn wirklich nicht..., dann käme in Betracht....), Hartwig - Hartwig gehört zur alternativen Mitte und kommt beruflich aus einer Führungsposition (Chefsyndikus mit 1.000 Mitarbeitern) der Großindustrie...wäre vor 20 Jahren ein klassischer CDU-Mann gewesen.

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