Fachkräftemangel Zu wenige wollen Lehrer in Sachsen-Anhalt werden

Der Lehrermangel ist in Sachsen-Anhalt seit Jahren ein großes Problem – und das wird sich so bald nicht ändern. Bei der jüngsten Ausschreibung des Landes konnte nicht einmal für jede zweite Stelle ein Bewerber gefunden werden. Besonders schwierig ist die Lage derzeit an einer Schule im Kreis Anhalt-Bitterfeld. Dort sind am Freitag Schüler und Eltern auf die Straße gegangen.

Grundschullehrerin unterrichtet eine Klasse
Wegen des Lehrermangels kann der Unterricht nicht an jeder Schule in Sachsen-Anhalt vollständig stattfinden. Bildrechte: imago images / Sven Simon

Der Lehrermangel ist weiterhin ein akutes Problem in Sachsen-Anhalt. Bei der jüngsten Ausschreibungsrunde für neue Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt hat sich nicht einmal für jede zweite Stelle eine Bewerberin oder ein Bewerber gefunden. "Von den über 900 ausgeschriebenen Stellen blieben 500 Stellen ohne Bewerbung", sagte das Bildungsministerium der Deutschen Presseagentur. Die Ausschreibung bis Anfang Oktober lief in Vorbereitung auf das kommende Schuljahr.

Weiter teilte das Ministerium mit, dass die Suche nach Lehrkräften stetig weitergehe. Da sich das Land im Dauerausschreibungsverfahren befinde, würden die Stellen ohne Bewerbungen sofort wieder ausgeschrieben.

Aken: Schüler und Eltern streiken gegen Lehrermangel

Zahlreiche Schülerinnen und Schüler bei einer Demonstration.
Wegen fehlender Lehrkräfte an ihrer Schule sind 200 Schüler in Aken auf die Straße gegangen. Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Aufgrund des Lehrermangels gibt es an der Sekundarschule am Burgtor in Aken im Landkreis Anhalt-Bitterfeld derzeit massive Unterrichtsausfälle. Eltern und Schülerinnen und Schüler haben daher am Freitagmorgen für eine bessere Unterrichtsversorgung gestreikt. Nach Angaben des Elternrates nahmen an der Demonstration 200 Schülerinnen und Schüler und 150 Eltern teil.

Einer der Schüler sagte MDR SACHSEN-ANHALT auf der Demonstration:

Ich mache mir Sorgen um meine Zukunft. Ich habe Angst, dass ich meinen erweiterten Realschulabschluss nicht machen kann und dass ich später Hartz-IV-Empfänger werde.

Schüler aus Aken

Aktuell fehlen in Aken sieben Lehrkräfte, die Unterrichtsversorgung liegt bei rund 74 Prozent. Laut Landesschulamt gibt es auf die offenen Stellen fünf Bewerbungen.

In der vergangenen Woche konnte wegen Krankheitsfällen nur die Hälfte des Unterrichts stattfinden. Das bestätigte Schulleiter Hans-Rainer Homann MDR SACHSEN-ANHALT. Fächer wie Kunst, Geschichte oder Ethik werden für die Klassen 5 bis 9 demnach zurzeit nicht erteilt.

Protestbrief an Bildungsministerin Feußner

Im Kreis Stendal sorgen sich Politiker wegen höherer Mindestschülerzahlen um die Grundschulstandorte. Bisher ist es so geregelt, dass Grundschulen in Sachsen-Anhalt mindestens 52 Schülerinnen und Schüler haben müssen. Ab kommendem Jahr sollen es 60 sein. Die Kreisschulausschuss-Vorsitzende, Edith Braun (Wählergemeinschaft Pro Altmark), erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, dass damit die Schulen in Iden und Sandau ihre Eigenständigkeit verlieren könnten.

Der Stendaler Kreistag hat deswegen einstimmig ein Schreiben an Sachsen-Anhalts neue Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) verabschiedet. Darin fordern die Politiker eine Rückkehr zur Regelung vor sieben Jahren. Nur so werde Rücksicht auf den ländlichen Raum genommen.

MDR/Kevin Poweska, Bernd-Volker Brahms, Sarah Peinelt/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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