Bilanz der vergangenen Schuljahre Linke: Soziale Spaltung durch Lehrkräftemangel

Konstantes Unterrichtsangebot an Gymnasien, deutliche Kürzungen an Grund- und Sekundarschulen: Bildungsminister Marco Tullner (CDU) und sein Ministerium stehen wegen der ungleichen Verteilung des Lehrkräftemangels in Sachsen-Anhalt in der Kritik.

Eine Schulklasse sind im Klassenzimmer und blickt nach vorn zum Lehrer.
Besonders an Sekundarschulen hat sich der Lehrkräftemangel in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren bemerkbar gemacht. Bildrechte: MDR/Unsplash/neonbrand

Die Linke in Sachsen-Anhalt hat kritisiert, dass der Lehrkräftemangel vor allem Schülerinnen und Schüler an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen trifft. Thomas Lippmann, Vorsitzender der Linksfraktion im Landtag und bildungspolitischer Sprecher der Fraktion, bezog sich am Montag auf Antworten auf eine parlamentarische Antwort, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Daraus gehe eine "ungleiche Verteilung des Mangels" hervor. Lippmann sagte, Bildungsminister Marco Tullner (CDU) und sein Ministerium hätten eine ernüchtende Bilanz der aktuellen Legislaturperiode gezogen.

Thomas Lippmann, Fraktionsvorsitzender der Partei "Die Linke"
Thomas Lippmann, Fraktionsvorsitzender der Partei "Die Linke" im Landtag von Sachsen-Anhalt. Bildrechte: dpa

Der angesprochene Mangels bezieht sich dabei auf neue Zahlen zur Unterrichtsversorgung in Sachsen-Anhalt im Verlauf der 7. Wahlperiode (2016–2021). Lippmann hatte diese mittels einer parlamentarischen Anfrage im Landtag eingefordert. Aus der Antwort des Bildungsministeriums auf diese Anfrage wird laut Linke deutlich, dass der Lehrkräftemangel in Sachsen-Anhalt vor allem einseitig zulasten der Schülerinnen und Schüler an Sekundar- und Gemeinschaftsschulen geht.

Sichtbar wird das anhand der Unterrichtsstunden, die den Schulen in Sachsen-Anhalt als Gesamtbedarf für ein Schuljahr zugewiesen werden:

Basierend auf den Werten aus dem Jahr 2015 zeigt sich, dass der Gesamtbedarf je Schülerin und Schüler an Grund-, Gemeinschafts- und Sekundarschulen gemindert wurde, während insbesondere an Gymnasien ein Zuwachs zu verzeichnen war. Oder anders ausgedrückt: Bei einigen Schulformen in Sachsen-Anhalt wurde wegen des Lehrkräftemangels der Unterricht gekürzt.

Weniger Lehrkräfte für mehr Unterricht

Der Lehrkräftemangel in Sachsen-Anhalt ist kein neues Phänomen. Seit 2010 steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt wieder langsam, aber kontinuierlich an. Die Zahl der tatsächlich im Unterricht eingesetzten Lehrkräfte hingegen kann mit dieser Entwicklung nicht mithalten. Die Folge: Dem Land fehlen aktuell etwa 500 Lehrkräfte, es kommt zu Unterrichtsausfall und Stundenkürzung.

Die verbleibenden Kapazitäten, so geht es ebenfalls aus der parlamentarischen Anfrage der Linksfraktion hervor, wurden dabei in den vergangenen Jahren ungerecht verteilt:

Denn wieder zeigen sich deutliche Unterschiede. Während an Gymnasien – bezogen auf die Zahl Schülerzahl – die für die Erteilung von Unterricht verfügbaren Stunden sogar zunahmen, ist es insbesondere an Grund-, Gemeinschafts- und Sekundarschulen genau umgekehrt. Für Bildungspolitiker Lippmann steckt in dieser Entwicklung enorme soziale Sprengkraft:

Die Hälfte der Schülerschaft, die sich im unteren Leistungsbereich befinden, wird immer mehr abgehängt und hat immer weniger Chancen, auf eigenen Beinen ihr Leben gestalten zu können. Die Auswirkungen auf den Fachkräftemangel gerade im Handwerk, aber auch in der Industrie werden sehr spürbar werden. Und es gibt leider keine Hoffnung, dass sich am Niedergang der Sekundar- und Gemeinschaftsschulen etwas bessern wird – im Gegenteil, der Lehrkräftemangel in diesen Schulformen wird sich immer weiter zuspitzen, weil systematisch viel zu wenig ausgebildet wird.

Thomas Lippmann, bildungspolitische Sprecher der Linksfraktion

MDR, Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 08. Februar 2021 | 18:00 Uhr

3 Kommentare

goffman vor 43 Wochen

Das Hauptproblem ist die unterschiedliche Besoldung nach Schulform.
Gleiches Gehalt für ALLE Lehrer würde dazu führen, dass sich auch mehr Studenten für Grundschulen und die Sekundarstufe entscheiden würden.
Gerechtfertigt wäre es auch, da Lehrer mehr Einfluss auf die Entwicklung der Kinder haben, je jünger diese sind. Grundschullehrer haben somit mehr Verantwortung und Lehrer der Sekundarstufe haben oft schwierigere Kinder als an Gymnasien.
Außerdem ist die Ausbildung seit 2009 auch für alle Lehrer gleich lang (zumindest an den meisten Universitäten).
Was Quereinsteiger angeht: Das waren die besten Lehrer, die ich hatte. Mit praxisnahen, anschaulichen Beispielen, fundierten Kenntnissen und motivierter als die anderen Lehrkräfte waren sie auch.

Erichs Rache vor 43 Wochen

@Steffen1978

Da kann ich Ihnen nur beipflichten. Diese VERLOGENHEIT geht mir langsam aber sicher auf den Kranz. Jahrelang Diäten fürS NICHTSTUN abgreifen ; die Suppe löffeln dann die Kinder aus

Steffen 1978 vor 43 Wochen

Auch die Linken sind über 30 Jahre im Landtag vertreten und tragen somit auch Mitschuld an der derzeitigen Situation

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