Kampf gegen Corona Ministerpräsident Haseloff: Modellprojekte sind keine Lockerungen

Während Coronatests in Schulen Erfolge zeigen, wird in Unternehmen noch immer zu wenig getestet, sagt Ministerpräsident Haseloff. Das soll sich bundesweit ändern, fordert er. Zudem will Sachsen-Anhalt nach Ostern wie geplant mit Modellprojekten starten.

Petra Grimm-Benne (l, SPD), Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, und Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, kommen zur Kabinettspressekonferenz.
"Wir brauchen jetzt Wirkungstreffer", fordert Ministerpräsident Haseloff (r.) beim Kampf gegen die Pandemie. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Kurz vor den Ostertagen hat Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung gerichtet. Auf der Landespressekonferenz am Dienstag sagte er: "Das Entscheidende ist, dass wir von den Infektionszahlen her eine negative Entwicklung zu verzeichnen haben, die eben eindeutig zeigt, dass wir eine neue Qualität einer wahrscheinlich neuen Pandemie aufweisen. Wir stehen vor einer neuen Pandemie". Um diese einzudämmen, sei es mehr denn je nötig, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten, so Haseloff.

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Haseloff fordert mehr Tests in Unternehmen

In der aktuellen 11. Eindämmungsverordnung seien die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel umgesetzt, sagte der Ministerpräsident. Dabei verwies er auf die regionalen Verordnungen, die in Landkreisen und Städten mit hohen Infektionszahlen gelten. Übersteigt die Sieben-Tage-Inzidenz mehere Tage den Wert von 100, müssen regional die Kontakte zusätzlich begrenzt werden. Ab einem Wert um 200 sind weitere Maßnahmen möglich – etwa Testverpflichtungen für Unternehmen oder Ausgangsbeschränkungen.

Im Burgenlandkreis sind Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden nun verpflichtet, diese mehrfach pro Woche testen zu lassen. Haseloff erklärte, er wünsche sich eine solche Regelung überall in Deutschland. Denn einerseits würden Erhebungen zeigen, dass nur 20 bis 25 Prozent der Unternehmen solche Tests durchführen. Anderseits ereignen sich laut Ministerpräsident ein Großteil der Infektionen im Arbeitsumfeld.

In diesem Zusammenhang lobte Haseloff die zahlreichen Coronatests an den Schulen im Burgenlandkreis. So sei es möglich, die Schulen trotz sehr hoher Infektionszahlen im Kreis offen zu halten.

Öffnungsprojekte für Risikominimierung

Zudem verteidigte der Ministerpräsident die geplanten Modellprojekte für Kultur, Gastronomie und andere Bereiche, mit denen Sachsen-Anhalt nach Ostern starten will. Haseloff betonte: "Modellprojekte sind keine Öffnungsprojekte. Sie dienen der Risikominimierung." Über die Projekte soll mehr über etwaige Ansteckungsrisiken herausgefunden und die Kontaktnachverfolgung getestet werden. Im Kampf gegen die Pandemie "brauchen wir jetzt Wirkungstreffer", so Haseloff.

Staatssekretär Thomas Wünsch (SPD) aus dem Wirtschaftsministerium wies darauf hin, dass Modellprojekte, wie in der Landesverordnung beschrieben, nur dann genehmigt werden können, wenn der Inzidenzwert der betroffenen Region unter 200 liegt. Diese Projekte könnten frühestens am 6. April starten und maximal vier Wochen dauern, so Wünsch. Außerdem sollen Kontakte elektronisch nachverfolgt werden.

Dazu stellt die Landesregierung in den kommenden Wochen kostenlos die Luca-App zur Verfügung, wie Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Dienstag ankündigte.
Mit der App können Gäste anonym in Restaurants oder anderen Zielen einchecken. Tritt dort eine Infektion auf, soll das Gesundheitsamt die Kontakte schneller und sicherer nachverfolgen können, als etwa mit ausliegenden Listen.

MDR/Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. März 2021 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

DER Beobachter vor 24 Wochen

De facto sind die Inzidenzien auf dem mitteldeutschen Lande verbreitet größer als in den Metropolen, weil man sich verantwortungslos lustig weiter trifft...

Warum nicht vor 24 Wochen

Auch der Staat ist Arbeitgeber und müsste hinsichtlich der Tests (und des Home-Office) mit gutem Beispiel voran gehen, was er meines Erachtens bisher nicht macht.

de facto vor 24 Wochen

Man muss sich fragen, weshalb man verantwortungsvollen und mündigen Bürgern nicht die Möglichkeit bietet, sich vor einem Treffen mit Familienmitgliedern auf Corona zu testen, da nach einem negativen Testergebnis der Betroffenen auch der Grund für die eigentliche Beschränkung- die weitere Virusverbreitung-entfällt und somit nicht mehr begründet sein dürfte? In Regionen mit hoher Inzidenz werden diejenigen, die sich an Hygiene-Regeln halten und Tests vollziehen, in Mithaftung derjenigen genommen, die das nicht tun. So dürfte die Inzidenz auf dem Lande weitaus niedriger sein als in einer Stadt, in der es mehrere Gemein-shaftsunterkünfte als sg. Cluster gibt. So dürfte m.E. bei einem negativen Testergebnis auch der Grund für die Einschränkung wegfallen. Eine auf den gesamten Landkreis bezogene Einschränkung halte ich für nicht zielführend. Weshalb gerade Landkreise mit hoher Inzidenz vor und an Ostern ihre Test- und Impfzentren schließen, andere bei niedriger Zahl geöffnet sind ......????

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