Nach fristloser Kündigung Frühere Lotto-Geschäftsführerin klagt auf Gehaltsfortzahlung

Die Vorwürfe gegen die frühere Lotto-Geschäftsführerin Sieb waren massiv: nicht geahndete Ungereimtheiten bei Großwetten, Vetternwirtschaft und Geldwäsche. Im September 2020 wurde sie dann fristlos entlassen. Doch damit will sie sich nicht abfinden und klagt nun auf Gehaltsfortzahlung.

Am Landgericht Magdeburg beginnt am Dienstag ein Prozess im Zuge der Lotto-Affäre. Die frühere Geschäftsführerin Maren Sieb hat das Land verklagt und fordert eine Gehaltsnachzahlung. Sieb war im Herbst entlassen worden. Sie fordert Geld für den Zeitraum September 2020 bis Mai 2021 – also ab ihrer Abberufung als Geschäftsführerin. Dabei geht es um einen niedrigen sechsstelligen Betrag.

Das Verfahren hat zwei Stufen. Zunächst läuft der Urkundenprozess. Das bedeutet, es sind in der Sache alle Tatsachen bekannt und können durch Dokumente, die dem Gericht vorliegen, bewiesen werden. Es ist also nicht nötig, noch Zeugen zu laden und weitere Beweismittel heranzuziehen. Sollte Sieb in diesem Urkundenprozess Recht bekommen, folgt in der zweiten Stufe das Nachverfahren, um den Prozess zu Ende zu bringen.

Die Lotto-Affäre in der Übersicht

Im Sommer 2019: die beiden Geschäftsführenden von Lotto-Toto-Sachsen-Anhalt, Ralf von Einem und Maren Sieb, geraten ins Visier der Öffentlichkeit. Die AfD erhebt schwere Vorwürfe. Zum einen geht es um die angeblich unkorrekte Vergabe von Fördermitteln. Als staatliches Glücksspielunternehmen ist Lotto-Toto verpflichtet, mit einem Teil der Spieleinsätze "das Gemeinwohl" zu unterstützen. 2020 kassierte die Lotto-Toto GmbH erstmals mehr als 200 Millionen Euro aus Einsätzen. Davon flossen rund 71 Millionen Euro an Lottogeldern in die Landeskasse. Etwa sieben Millionen Euro werden jährlich von Lotto für die Unterstützung verschiedenster Projekte ausgegeben.

Genau um diese Fördermittel geht es. So heißt es etwa, es sei Vetternwirtschaft betrieben worden – Geld gegen Aufträge für die Werbeagentur von Siebs Lebensgefährten. Darüber hinaus sollen intern Posten fraglich vergeben und Gehälter erhöht worden sein.

Vorwurf der Geldwäsche

Zum anderen steht der Verstoß gegen das Geldwäschegesetz im Raum. In einem Zerbster Lotto-Laden sollen vier Personen wiederholt hohe Gewinne erzielt haben, weil das Spiellimit mit der Genehmigung der Lotto-Toto-Gesellschaft erhöht wurde. Von Einem und Sieb informierten zwar die Geldwäschestelle, nicht aber die zuständigen Behörden des Landes wie Finanzministerium und Aufsichtsrat.

Untersuchungsausschuss: Vorwürfe nicht erhärtet

Die Geschäftsleitung dementiert. Staatsanwaltschaft und Landesrechnungshof ermitteln, auch der Landtag reagiert. Im September 2019 nimmt im Antrag der AfD ein Untersuchungsausschuss seine Arbeit auf. 2021 kommt dieser zum Ergebnis, dass sich keiner der Vorwürfe erhärtet habe. Gehen muss die Geschäftsleitung trotzdem - und das bereits im Herbst 2020.

Gegen diese Entscheidung ist Maren Sieb jetzt vor das Landgericht Magdeburg gezogen. Sie vertritt die Auffassung, dass sie zu Unrecht entlassen und ihr weiterhin Geld von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt zustehe.

MDR/ Marie Landes, Roland Jäger, Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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