Diskussion um Luca-App Contra: Eine App unterbricht keine Infektionsketten

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung? Auch die Corona-Warn-App bekommt eine "Check-In-Funktion" und ist dabei deutlich datenschützender. Unser Autor ist von der privaten Alternative nicht überzeugt.

Luca-App: Schnelle und lückenlose Kontaktnachverfolgung im Austausch mit den Gesundheitsämtern.
Mangelnder Datenschutz, Freiwilligkeit als Problem - das sind beispielsweise Argumente gegen die Luca-App. Bildrechte: imago images/Arnulf Hettrich | Grafik MDR

Eine App unterbricht keine Infektionsketten. Auch ein Gesundheitsamt tut dies nicht. Das können nur Menschen machen, die sich angesteckt haben und entsprechend verhalten. Hart gesagt: Das Gesundheitsamt führt darüber "nur" Buch. Beim Buch führen kann eine App natürlich helfen. Nur: Ist das Buch führen so wichtig? Ich finde, es ist deutlich wichtiger, Menschen so schnell wie möglich zu warnen. Und das tut auch die Corona-Warn-App (vielleicht sogar schneller, weil das der Nutzer und nicht das Gesundheitsamt anstößt). Auch sie bekommt nach Ostern einen Check-In per QR-Code – so wie ihn die Luca-App schon hat.

Jeder Einzelne ist verantwortlich, seine Mitmenschen zu schützen

Ich weiß, dass die Gesundheitsämter mit der Corona-Warn-App kein Buch führen können. Das war im vergangenen Jahr aber weder Ziel der App noch war es technisch machbar, weil die etwa 400 Gesundheitsämter in Deutschland keine einheitliche Technik haben. Das gilt bis heute. Und wenn nun die Luca-App viele Meldungen an die Gesundheitsämter absetzt? Können chronisch überlastete Gesundheitsämter das überhaupt bewältigen? Ich befürchte nicht. Deshalb: Jeder Einzelne ist verantwortlich, seine Mitmenschen zu schützen. Das nehmen uns weder das Gesundheitsamt noch eine App ab.

App mit Anfängerfehler beim Datenschutz

Und noch ein Blick auf den Datenschutz: Sachsen-Anhalts Sozialministerium bezeichnet in einer Pressemitteilung die Luca-App als "datenschutzkonforme Kontaktaufnahme". Wie das Ministerium zu dieser Einschätzung kommt, sagt es nicht. Der Landesdatenschutzbeauftragte wurde jedenfalls nicht einbezogen – er hat von der Einführung der App aus den Medien erfahren. Dabei haben Datenschützer schon genauer auf die App geschaut: Die Konferenz der Datenschützer von Bund und Ländern zum Beispiel kritisiert, wie die Luca-App die Daten verschlüsselt. Dabei würden alle Gesundheitsämter die gleichen Schlüssel für die Entschlüsselung der Kontaktdaten nutzen. "Deren Verwaltung liegt in einer Hand, der der culture4life GmbH", schreiben die Datenschützer. Und ein IT-Sicherheitsexperte hat mir am Telefon gesagt, das sei der ultimative, epische Anfängerfehler.

Freiwilligkeit als Problem

Die Luca-App hat im Übrigen das gleiche Problem, das auch die Corona-Warn-App hat: Niemand ist verpflichtet, sein positives Testergebnis dort zu teilen. Stutzig macht mich auch ein Satz auf der Seite der App: "Optional können Meldescheine, negative Testergebnisse, Tickets und andere Informationen freiwillig in die Luca-App integriert werden." Die Macher haben wohl noch Großes vor. Und wenn sie jetzt viele Nutzer haben, haben sie einen Vorteil in der Zukunft.

Verordnung sollte App-Nutzung vorschreiben

Zusammenfassend: Mir ist nach wie vor nicht klar, warum ein digitales Warn-System einen Namen benötigt, um andere Menschen zu warnen. Doch, eigentlich ist es mir klar: Es steht nämlich so in jeder Landesverordnung. Sachsen-Anhalts Verordnung schreibt in Paragraph 1 Absatz 5 vor, dass Vorname, Nachname, Anschrift, Telefonnummer, Zeitraum und Ort des Aufenthalts zu erheben sind. Vielleicht sollte sie lieber vorschreiben, dass Gäste irgendeine dieser Apps nutzen sollen? Schließlich wird auch Autofahrern eine Haftpflicht-Versicherung vorgeschrieben – die ist nach einem Unfall nämlich auch nicht für den Nutzer, sondern für die anderen Verkehrsteilnehmern da.

Luca-App: Schnelle und lückenlose Kontaktnachverfolgung im Austausch mit den Gesundheitsämtern. mit Video
Bildrechte: imago images/Arnulf Hettrich | Grafik MDR
Der Rapper "Smudo" erklärt, wie die Luca-App funktioniert 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rapper Smudo von den "Fantastischen Vier" ist Mitinitiator der App. Im Video erklärt er, wie die App funktioniert und warum er sich eine flächendeckende Nutzung wünscht.

Fr 05.03.2021 14:50Uhr 02:38 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/video-smudo-erklaert-luca-app-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

4 Kommentare

Steffen1978 vor 3 Wochen

" Sachsen-Anhalts Verordnung schreibt in Paragraph 1 Absatz 5 vor, dass Vorname, Nachname, Anschrift, Telefonnummer, Zeitraum und Ort des Aufenthalts zu erheben sind."

So wurde es 2020 praktiziert, wobei in Franken und Schwaben Name und Telefonnummer reichte.
Der QR-Code ist da schon bequemer und die Wirtsleute bzw. Geschäfteinhaber hätten weniger Arbeit.

nie wieder cdu vor 3 Wochen

Verordnung sollte App-Nutzung vorschreiben!!!!
Selten so gelacht, dann wollen sie der Bevölkerung also vorschreiben welches Handy sie zu nutzen hat.
Ich kenne kein Gesetz, dass mir vorschreibt ein Handy zu haben.
Punkt zwei, auf meinem Handy (mein Eigentum) lade ich wenn überhaupt etwas freiwillig runter.

Dreibeiner vor 3 Wochen

UNSICHERHEIT PUR
================
wurde bei unserer Regierung abgekupfert
Datenschützer warnen und "Erfinder" befürworten LUCA
wegen des ständig schnell entladenen Akkus hatte ich die Corona-App wieder deinstalliert, der Nutzen blieb mir verborgen, da die Eingabe eines Positiv-Testergebnisses jedem selbst überlassen bleibt
wie macht das LUCA
sammelt es erstmal nur massenweise personenbezogene Daten und sind Nutzer mit QR Code glücklich nicht jedem Biergarten oder Einzelhändler seinen Namen und Telefonnummer geben zu müssen
oder sehen das Leute kritisch

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Grafik MDR-Staatsvertrag 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
21.04.2021 | 17:35 Uhr

MDR FERNSEHEN Mi 21.04.2021 17:28Uhr 00:35 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landespolitik/video-511538.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video