Entscheidung des Landesumweltministeriums Mäuseplage in Sachsen-Anhalt: Bauern dürfen Gift einsetzen

In Sachsen-Anhalt grassiert eine Feldmausplage. Die Bauern fürchten um ihre Ernte. Das Landesumweltministerium hat daher jetzt erlaubt, die Mäuse mit Gift zu bekämpfen. Umweltschützer befürchten, dass das Gift geschützte Tierarten gefährden könnte.

Feldmaus
Landwirte dürfen nun unter Auflagen mit Gift gegen Feldmäuse vorgehen. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Reiner Bernhardt

Sachsen-Anhalts Bauern dürfen gegen eine Feldmausplage jetzt unter strengen Auflagen mit Gift vorgehen. Das hat das Landesumweltministerium am Donnerstag mitgeteilt. Laut Mitteilung darf das Mäusegift auch in den Verbreitungsgebieten des streng geschützten Feldhamsters eingesetzt werden.

Zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Feldhamsters war der Einsatz von Mäusegift auf den Feldern in vielen Regionen Sachsen-Anhalts bislang verboten. Nun aber dürfen Landwirte dem Umweltministerium zufolge bis Ende Oktober Gift ausbringen. Dazu müssen sie den Pflanzenschutzdienst mindestens fünf Werktage vor dem Gifteinsatz über das Vorhaben informieren. Der Pflanzenschutzdienst wiederum soll die Landwirte über bekannte Feldhamster-Vorkommen auf diesen Flächen informieren. Die Bauern müssen dann selbst kontrollieren und dokumentieren, dass auf den entsprechenden Feldern und auf angrenzenden Bereichen keine Feldhamster leben. Nur dann darf das Mäusegift eingesetzt werden.

Praxistauglichkeit der Hamsterschutz-Vorgaben noch unklar

Junger Feldhamster (Cricetus cricetus) aufgerichtet in Wiese stehend.
Nur auf Flächen, wo die geschützten Feldhamster nicht vorkommen, darf Mäusegift eingesetzt werden. Bildrechte: imago/imagebroker

Ein Bauer aus Niederröblingen im Landkreis Mansfeld-Südharz, Julian Ellmer, erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, dass das Gift einzeln in die Mauselöcher eingebracht wird. Sobald die Giftlinse im Loch sei, werde dieses mit Erde verschlossen, sodass von außen keine Wildtiere an das Gift kämen. Ob die Vorgaben des Umweltministeriums zum Hamsterschutz in der Praxis umsetzbar seien, werde man noch sehen, sagte Ellmer. Man werde sicher nicht jedes Hamsterloch erkennen oder finden.

Umweltschützer halten den Einsatz von Gift auf den Feldern für unverantwortlich. Der Naturschutzverband BUND kritisiert, dass dadurch hochgradig gefährdete Arten wie der Feldhamster noch mehr in Gefahr geraten würden. Der BUND schlägt stattdessen vor, die Gänge und Baue der Mäuse mechanisch zu zerstören.

Trockenheit hat Mäusevermehrung begünstigt

Die anhaltende Trockenheit hat die starke Vermehrung der Feldmäuse begünstigt. Die Landwirte in Sachsen-Anhalt fürchten, dass die Mäuse große Teile ihrer Ernte vernichten könnten. Ein Sprecher des Bauernverbandes sagte am Donnerstag, dass etwa 150.000 Hektar stark bis sehr stark von der Mäuseplage betroffen seien. Insbesondere im Landessüden hätten die Nager streckenweise mehr als 50 Prozent der Bestände vernichtet.

Quelle: MDR/mh,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 18. September 2020 | 12:00 Uhr

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