Magdeburg Bahn baut an Elbbrücke – sechs Monate Zugausfälle

Die Eisenbahnbrücke vor den Toren Magdeburgs wird bis zum Herbst umfassend saniert. Reisende nach Berlin und Dessau müssen sich über Monate auf Zugausfälle, Umleitungen und Ersatzverkehr mit Bussen einstellen.

Auf einer Eisenbahnbrücke aus stählernem Fachwerk fährt ein gelber Bagger
Braucht nach über 40 Jahren Dauerbetrieb eine Frischzellenkur: die Eisenbahnbrücke im Norden Magdeburgs. Bildrechte: MDR/André Plaul

Über 40 Jahre nach ihrer Fertigstellung muss die Magdeburger Herrenkrug-Eisenbahnbrücke über die Elbe umfassend saniert werden. Das wird laut Deutscher Bahn bis Anfang Oktober dauern. Neben dem Güter- und Fernverkehr verlaufen vier Regional-Linien über diese Brücke. Alle sind von Ausfällen beziehungsweise Umleitungen betroffen. In mehreren Bau-Etappen werden einzelne Gleise beziehungsweise die gesamte Brücke für den Verkehr gesperrt – mit jeweils unterschiedlichen Auswirkungen. So werden von Ende April bis September gar keine Züge über das Bauwerk rollen können. Zudem werden anliegende Bahnanlagen saniert, was weitere Behinderungen zur Folge hat. Reisende müssen umplanen.

Was genau wird wann gebaut?

Im Zentrum der Bauarbeiten steht die Herrenkurg-Eisenbahnbrücke, bestehend aus der etwa 477 Meter langen Strombrücke über die Elbe und der rund 205 Meter langen Flutbrücke über das angrenzende Überschwemmungsgebiet. Die Brücke ist zweigleisig und elektrifiziert. Sie verbindet Magdeburgs Hauptbahnhof mit den Strecken nach Berlin und Dessau. Die Bau-Vorbereitung hat laut Bahn bereits im Oktober 2019 begonnen.

Angrenzend an die Elbbrücke werden laut Bahn noch drei Kilometer Gleise getauscht. Parallel zu den Brückenarbeiten sollen außerdem auf dem Streckenabschnitt Biederitz-Güterglück die Gleise erneuert werden.

 Blick auf das Portal einer Eisenbahnbrücke mit alten und neuen Betonfundamenten
Die Flutbrücke erhält neue Fundamente (vorne), die gesamte Brücke einen neuen Anstrich. Bildrechte: MDR/André Plaul

Sanierung der Elbbrücke in Zahlen Über 2.200 Brückenbalken, auf denen die Schienen befestigt sind, werden nach Angaben der Bahn ausgetauscht. Auch die Brückenpfeiler und die Oberleitungsanlage sollen erneuert werden.

Die Farbe auf der rund 1.800 Quadratmeter großen Brücken-Oberfläche wird den Angaben nach zuerst per Sandstrahl entfernt und dann neu aufgetragen. Dafür wird die Brücke aus Umweltgründen eingehaust.

Die Bauarbeiten gliedern sich in fünf Phasen, mit jeweils unterschiedlich umgesetzten Sperrungen und Verkehrskonzepten für Reisende. Vom 24. April bis zum 10. September (Bauphasen zwei bis vier) ist die Eisenbahnbrücke für den Zugverkehr komplett gesperrt. Vier Wochen davor (Bauphase eins) und danach (Bauphase fünf) rollen Züge über jeweils nur ein Gleis.

Eine Karte zeigt mit roten Linien verschiedene Abschnitte einer Baustelle
Kurz erklärt: Wann sind welche Streckenabschnitte für den Zugverkehr gesperrt? Bildrechte: Datawrapper/MDR

Was bedeutet das für Reisende auf der Strecke Magdeburg-Burg- Berlin?

Die Regionalbahn-Linie zwischen Magdeburg und Burg (RB 40) fällt während des gesamten Bauprojekts aus. Allerdings halten die RegionalExpress-Züge (RE1) der Verbindung Magdeburg-Berlin in der Zeit zusätzlich an den Stationen Biederitz, Gerwisch und Möser.

Vom 27. März bis zum 23. April (Bauphase eins) und vom 11. September bis zum 8. Oktober 2021 (Bauphase fünf) bleiben fast alle Orte der Strecke direkt an den Magdeburger Hauptbahnhof angebunden. Für den RE1 gibt es allerdings veränderte Ankunfts- und Abfahrtszeiten. Die Haltestelle Magdeburg Herrenkrug wird, bis auf einzelne Ausnahmen, nur per Pendelbus von und nach Biederitz angefahren – sowie über die Straßenbahn aus dem Magdeburger Zentrum.

Etappenweise Sperrung zwischen Magdeburg, Herrenkrug und Biederitz

Auf einem Bahn-Statiosschild steht "Magdeburg Herrenkrug"
Am längsten bleibt der Abschnitt Hauptbahnhof-Herrenkrug gesperrt. Reisende müssen auf Bus und Straßenbahn umsteigen. Bildrechte: MDR/André Plaul

Vom 24. April bis zum 10. September 2021 wird es keinen durchgehenden Zugverkehr auf der Verbindung Magdeburg-Burg-Berlin geben. Dafür werden laut Bahn aber von Montag bis Freitag zusätzliche Express-Busse zwischen Magdeburg Hauptbahnhof und Burg fahren. Die umfangreichsten Sperrungen und Zugausfälle wird es dabei vom 24. April bis zum 10. Mai und vom 4. bis zum 10. September geben, also in den Bauphasen zwei und vier. Dann fährt der RE1 erst ab der Station Biederitz in Richtung Burg und Berlin. Zwischen Magdeburg und Biederitz müssen Reisende auf Busse umsteigen.

In der Zeit dazwischen, in der mit vier Monaten längsten Bauphase drei vom 11. Mai bis zum 3. September, ist der Bahnhof Herrenkrug Endhaltestelle des RE1. Reisende aus und in Richtung Hauptbahnhof müssen auf Bus oder Straßenbahn umsteigen. Dafür werden in Magdeburg auch zusätzliche Bahnen eingesetzt.

Was bedeutet das für Reisende auf der Strecke Magdeburg-Dessau?

Blick auf zwei Gleise, die in Richtung einer Brücke führen, davor ein Vorsignal
Auch die Gleise zwischen Elbbrücke und Güterglück werden erneuert. Bildrechte: MDR/André Plaul

Durch die zeitgleich stattfindenden Gleis-Bauarbeiten zwischen Biederitz und Güterglück sind die Auswirkungen auf dieser Strecke noch größer. Betroffen sind die Fahrplan-Linien RE13 Magdeburg-Dessau-Leipzig und RE14 Magdeburg-Dessau-Wittenberg.

Vom 24. April bis zum 12. Juni müssen Reisende zwischen Magdeburg und Güterglück auf Ersatzbusse umsteigen. Vom 13. Juni bis zum 10. September verkürzt sich die gesperrte Strecke auf den Abschnitt Magdeburg-Gommern. Dabei wird es für den RE13 und RE14 eigene Busse geben, die an den gewohnten Stationen der Linien halten – wenn auch mit angepassten Fahrzeiten.

Wie lässt sich die Baustelle umfahren?

Der Fernverkehr zwischen Magdeburg und Berlin wird über Stendal umgeleitet. Allerdings sind dies nur zwei Züge pro Tag.

Eine weitere Möglichkeit ist ein Umweg über Stendal. Vom 24. April bis zum 10. September fahren laut Bahn die RegionalExpress-Züge zwischen Magdeburg und Stendal so, dass sie in der Hansestadt Anschluss an den Intercity-Verkehr aus und nach Berlin haben. Wochen- und Monatskarten der Regionalstrecke Magdeburg-Berlin werden auch im IC-Verkehr über Stendal anerkannt. Die Fahrzeiten verlängern sich trotz des Umwegs nur geringfügig.

Fahrkarten der Verbindung Dessau-Magdeburg gelten vom 24. April bis zum 10. September laut Bahn auch auf dem Umweg über Köthen und sogar im IC-Verkehr zwischen Köthen und Magdeburg. Quer-durchs-Land-Tickets und Ländertickets werden hingegen nicht anerkannt.

Was gilt im Schienenersatzverkehr?

Auf einem Bahn-Statiosschild steht "Ausgang", dazu ein Richtungspfeil sowie ein Piktogramm für Schienenersatzverkehr
Statt Bahnen werden Busse eingesetzt, innerhalb Magdeburgs auch zusätzliche Straßenbahnen. Bildrechte: MDR/André Plaul

Bahn-Fahrkarten gelten den Angaben nach auch im Schienenersatzverkehr – also in Bussen und Straßenbahnen auf den gesperrten Streckenabschnitten.

Laut Bahn sind alle Ersatzbusse auch für mobilitätseingeschränkte Reisende geeignet. Sie empfiehlt dennoch die übliche Voranmeldung per Telefon.

Selbst Fahrräder können in den Ersatzverkehren mitgenommen werden. Die Bahn bittet jedoch, darauf zu verzichten – da der Platz beschränkt und vorzugsweise für Rollstühle und Kinderwagen vorgesehen ist.

Wo gibt es mehr Informationen?

Alle Änderungen des Fahrplans sind bereits offiziell hinterlegt und online sowie an den Automaten abrufbar. Auch bei der Ticketbuchung werden sie berücksichtigt.

Außerdem hat die Bahn eine umfangreiche Baustellen-Broschüre veröffentlicht. Dort sind die Bauphasen mit den jeweiligen Einschränkungen einzeln erfasst und auch die Lage der Bus-Haltestellen beschrieben.

MDR/André Plaul

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. März 2021 | 10:30 Uhr

3 Kommentare

Gustaf vor 24 Wochen

Wie lässt sich die Strecke umfahren? Na mit dem Auto. Da kann man seine Musik hören und wird nicht von irgendwelchen Spacken angemacht. Und billiger ist es außerdem.

A.d.R. is Back vor 24 Wochen

Nicht nur in MD ist das Fahren mit Bus und Bahn eine Zumutung, jetzt auch noch die Zufahrten der DB.
Aber was will man auch in MD ist ja eh nix los.

jonny vor 24 Wochen

Dann muss es halt teurer werden...

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