Ernte der Feldfrucht Weizen auf einem Feld in Abbenrode in Sachsen-Anhalt.
Viele Felder, wenig Ernte: Vor allem die Börde hat 2022 deutlich weniger Ertrag geliefert. Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Landwirtschaft Erntebilanz: Sachsen-Anhalt am stärksten von Trockenheit betroffen

24. August 2022, 14:53 Uhr

Für die Landwirte in Sachsen-Anhalt wird das Jahr 2022 kaum als Erfolg verbucht werden können. Die anhaltende Trockenheit hat den Ernteertrag deutlich geschmälert. Vor allem in der Börde um Magdeburg fielen die Ernten deutlich geringer aus. Hinzu kommen wirtschaftliche Sorgen durch Preissteigerungen und unklare Perspektiven.

Die Getreideernte in Deutschland ist in diesem Jahr wieder unterdurchschnittlich ausgefallen. Besonders schlecht ist die Bilanz für Sachsen-Anhalt, so der Deutsche Bauernverband in Berlin. Präsident Joachim Rukwied sagte, hierzulande seien beim Winterweizen nur 64 Dezitonnen pro Hektar geerntet worden, elf Dezitonnen unterm Schnitt. In Jahren mit normaler Witterung seien mindestens 80 Dezitonnen pro Hektar Ertrag möglich, heißt es vom Landesverband. "Hitze und viel zu wenig Wasser" hätten vielen Pflanzen seit der Aussaat keine guten Bedingungen geboten.

Am stärksten betroffen von der Trockenheit ist Mitteldeutschland, Sachsen-Anhalt. Da haben wir beim Weizen nur 64 Dezitonnen ernten können. Also elf Dezitonnen unterm Schnitt. Und dort liegt die Börde. Eigentlich die Kornkammer Deutschlands.

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands

Das ist der Bördeboden Der schwarze, teils speckige Boden aus der Magdeburger Börde ist bekannt für seine hohe Fruchtbarkeit und gilt als einer der besten Ackerböden in Deutschland. Eine Besonderheit ist sein Löss-Anteil. Dieser besteht überwiegend aus Schluff, also staubfeinem lehmigem Sand, und kann Wasser über Wochen speichern. Das Sediment Löss entstand in Europa durch Windanwehungen in den Kaltzeiten.

Gute Ernten nur im Süden Sachsen-Anhalts

Dabei fielen in Sachsen-Anhalt die Erträge unterm Strich etwas besser aus als zunächst erwartet. Nach Angaben des Landesbauernverbands waren die Einbußen bei Gerste, Roggen und Weizen nicht so groß wie zunächst befürchtet. Im Süden des Landes hätten sogar teils gute Ernten realisiert werden könnten.

"Die Qualitäten der Getreidekörner sind jedoch durchwachsen", so die Einschätzung des Landesbauernverbands. Daher könnten die Landwirtinnen und Landwirte nicht von einem guten Geschäftsjahr sprechen. Hinzu kämen stark gestiegene Kosten, oftmals langfristige Verträge sowie politische Unsicherheit. In vielen Bereichen, etwa bei den Themen Düngung und Pflanzenschutz, fehle eine wirtschaftliche Perspektive.

Deutschland-Bilanz: Mehr, aber unterm Schnitt

Der deutschlandweite Ernteertrag liegt laut Bundesverband zwar ebenfalls sechs Prozent unter dem langjährigen Mittelwert. Mit 43 Millionen Tonnen Getreide wurde 2022 aber zwei Prozent mehr geerntet als im Vorjahr. Beim Winterweizen als wichtigster Getreideart waren es demnach 21,8 Millionen Tonnen nach 21 Millionen Tonnen 2021. Auch beim Winterraps habe mehr eingefahren werden können. In trockenen Gebieten hätten jedoch Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben stark gelitten.

Korrektur: In einer ersten Version des Textes ist die Quote nicht genannt worden. Richtig ist Dezitonnen pro Hektar.

MDR (André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 23. August 2022 | 11:00 Uhr

14 Kommentare

DER Beobachter am 26.08.2022

Naja, Daniel: Betonierung und Versiegelung gibts schon seit Jahren und Jahrzehnten und schon seit Jahren und Jahrzehnten auch gerade elbaufwärts. "Witzig" ist es, wenn man (durchaus zu Recht) Fragen nach der Wasserproblematik für wasserintensive ("Fremd-")Konzerne stellt und zugleich ebenso und noch mehr kühlwasser-flussintensive teure Energieträger (wieder?) hofiert...

DER Beobachter am 26.08.2022

Ernie - mein nun gegebener Daumen bezog sich auf das Bördeproblem und tw., aber eingeschränkt auf Ihren Bezug zu den Plains. Dazu schrieb ich schon und hoffe, MDR gibts frei...

DER Beobachter am 26.08.2022

Interessanterweise hört man aus NieSa zwar auch mehr Sorge um die Qualität des schon geernteten Getreides und noch mehr um die Erträge von Kartoffeln und Mais. Trotzdem offenbar weniger Gejammer dort. Jedenfalls haben Windwerke ganz offenbar weniger Einfluss auf Sommergerste und Weizen und Mais und Kartoffeln... als andere Faktoren...

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