Neue Dauerausstellung Todesfälle an der DDR-Grenze: Gedenkstätte Marienborn zeigt Einzelschicksale

In der DDR sind zwischen 1960 und 1988 mehr als 70.000 Menschen wegen "versuchter Republikflucht" verhaftet worden. Mindestens 200 sind gestorben. Die Gedenkstätte Marienborn am ehemaligen Grenzübergang beleuchtet nun in einem neuen Ausstellungsteil sieben Einzelschicksale.

Ein Mann sieht sich im ehemalige Kantinengebäude des DDR-Grenzübergangs Marienborg in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn Schautafeln an
Sieben Einzelschicksale stellt der neue Teil der Dauerausstellung vor. Bildrechte: dpa

Besucherinnen und Besucher der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn können sich künftig eingehender über Todesfälle an der ehemaligen innerdeutschen Grenze informieren. Ein neuer Teil der Dauerausstellung beleuchtet sieben Biografien und Schicksale von Menschen, die gewaltsam starben.

Die Fälle seien nachrecherchiert und geprüft worden, sagte Gedenkstättenleiterin Susan Frisch am Donnerstag zur Eröffnung. Das Thema ergänzt die 2020 neu eröffnete Dauerausstellung am ehemals größten deutsch-deutschen Grenzübergang an der Autobahn 2.

Die deutsch-deutsche Grenze

Zwischen 1960 und 1988 sind mehr als 70.000 Menschen wegen sogenannter "versuchter Republikflucht" verhaftet worden. Mindestens 200 Personen sind bei Fluchtversuchen gestorben, beispielsweise durch Schüsse oder Minen.

1952 war die Grenze erst mit Stacheldraht und Grenzposten dicht gemacht worden. Ab den 1960er Jahren kamen Anti-Personen-Minen und Splitterminen hinzu. Nach 1961 haben überwiegend junge Männer den Grenzübertritt noch versucht. In den meisten Fällen wussten die Flüchtenden nicht, wie tödlich die Grenze war.

Schicksale machen Unmenschlichkeit der DDR deutlich

Einer der ausgewählten Fälle der Ausstellung zeigt das Schicksal eines Arbeiters der Straßenmeisterei Eisenhüttenstadt. Der 23-Jährige wollte mit zwei Kollegen in den Westen fliehen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, wie Ausstellungskurator Kay Kufeke erklärt.

Für die Flucht aus der DDR hatten die Männer einen Lkw mit einem Schneeschild sowie Decken und einem Teppich als Kugelfang ausgerüstet. Als sie an der Grenze damit mehrere Sperren durchbrachen, eröffneten die Grenzsoldaten das Feuer. 100 Schüsse gaben sie auf die Flüchtenden ab. Der 23-Jährige wurde tödlich verletzt.

Das ehemalige Kantinengebäude des DDR-Grenzübergangs Marienborg in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn
Die neue Ausstellung "Todesfälle an der innerdeutschen Grenze" befindet sich im ehemaligen Kantinengebäude des DDR-Grenzübergangs Marienborn neben dem Andachtsraum. Bildrechte: dpa

Erzählt werden die Fälle auf Schautafeln mit Fotos und Texten in deutscher und englischer Sprache. Sie machten die Unmenschlichkeit der DDR deutlich, sagte Gedenkstättenleiterin Frisch. Es handele sich um "schwere Kost". Deshalb sei dieser Ausstellungsteil in einem separaten Gebäude untergebracht, in dem sich auch der Raum der Stille befindet.

dpa, MDR (Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. Mai 2022 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Thommi Tulpe vor 14 Wochen

Jene, welche wegen ihrer Sehnsucht nach "Freiheit" sogenannte "Republikfluchten" planten und diese in die Tat umsetzten, wussten sehr genau, auf welches Unterfangen sie sich in einer DDR, die die weltbest überwachteste Grenze hatte, einlassen.
Wer gedenkt jenen, welche aus den unterschiedlichsten Gründen diese lebensbedrohlichen Pläne nicht hatten, wegen freiheitlicher Gedanken, wegen eines zunächst legitimen Ausreiseantrages, derart drangsaliert wurden, dass auch auf diese Art und Weise Biografien und Familien zerstört wurden?

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