Landkreis Börde Reha-Klinik in Flechtingen: Arzt spricht über Langzeitfolgen für Coronapatienten

In der Median Reha-Klinik in Flechtingen im Landkreis Börde werden immer mehr junge Patienten behandelt. Oberarzt Per Otto Schüller sprach mit MDR SACHSEN-ANHALT über Langzeitfolgen bei seinen Patienten und darüber, ob eine vollständige Genesung möglich ist.

Reha
Um die Folgen der Corona-Erkrankung in den Griff zu bekommen, geht es für viele drei bis sechs Wochen zur Kur. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR SACHSEN-ANHALT: Während der ersten Corona-Welle waren es ältere Patienten, die nach wochenlangen Aufenthalten auf den Intensivstationen zu Ihnen kamen. Ist das jetzt anders?  

Oberarzt Per Schüller: Es ist tatsächlich so, dass wir vermehrt jüngere Patienten bei uns in der Klinik sehen. Die Gründe sind vielfältig. Zum einen spielen sicherlich die Impfungen eine Rolle, da herrscht eine gewisse Immunität bei den über 80-Jährigen. Das Kontaktverhalten spielt auch eine Rolle und dann natürlich die britische Mutante, die anscheinend die Jüngeren stärker betrifft als die ursprüngliche Variante des Virus.

Es sind also nicht nur Risikopatienten gefährdet?

Ein Mann mit Anzug und Brille gibt ein Interview.
Per Otto Schüller ist Oberarzt in der Median Reha-Klinik in Flechtingen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach der 1. Welle im Mai/Juni des vergangenen Jahres war es so, dass wir in unserer Klinik überwiegend die klassischen Risikopatienten behandelt haben. Das waren Patienten, die über 65 Jahre alt waren mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetis mellitus. Jetzt sind es zunehmend auch jüngere Patienten mit Vorerkrankungen, aber teilweise auch ohne Vorerkrankungen.

Es ist nicht ganz klar, wer für einen schweren Verlauf prädestiniert ist. Die klassischen Faktoren gelten aber immer noch: Das Alter und Begleiterkrankungen, insbesondere kardiologische Begleiterkrankungen oder Gefäßerkrankungen. Alles ist da aber noch nicht bekannt.

Sie sind spezialisiert auf die Reha-Behandlung von Herz-Kreislauf- und Lungenkrankheiten. Können sich Patienten nach so extremen Verläufen wieder vollständig erholen?

Die Verläufe sind unterschiedlich, tatsächlich beobachten wir bei den meisten Patienten während der drei- bis sechswöchigen Rehabilitationsbehandlung Verbesserungen insbesondere hinsichtlich der Leistungsfähigkeit. Die Patienten sind am Ende der Reha meistens besser belastbar, die Lungenfunktion verbessert sich bei vielen Patienten und auch die Luftnotsymptomatik.

Allerdings gibt es bei einigen Patienten auch sehr hartnäckige Symptome, insbesondere auch neurologische Symptome wie Lähmungserscheinungen, wo nicht ganz klar ist, wie sich das weiterentwickeln wird.

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Wie ist der Stand der Forschung bei den neurolgischen Langzeitfolgen?

Die Covid-19-Rehabilitation ist eine interdisziplinäre Teamarbeit. Verschiedene Fachbereiche arbeiten zusammen – die Pulmologen und die Kardiologen. Wir sind auch froh, dass wir bei uns in der Klinik eine neurologische Abteilung haben, die sich dann um die Begleiterscheinungen kümmert. Das sind Lähmungserscheinungen, Sensibilitätsstörungen, aber auch neurokognitive Veränderungen wie Vergesslichkeit oder Konzentrationsstörungen. 

Worauf stellen Sie sich in der Median-Klinik für die kommenden Wochen ein?

Wir stellen uns auf steigende Fallzahlen von Post-Covid-Patienten in unserer Klinik ein und haben unser Konzept für die Behandlung der Patienten weiter verbessert, in Absprache mit Fachkollegen und durch das Feedback der Patienten. Allerdings hoffen wir, dass die 3. Welle nicht so stark ausfällt, wie es manche Experten prognostizieren.

MDR, Luise Kotulla

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR UM 11 | 23. März 2021 | 11:00 Uhr

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