Neuer Schwung für Mammut-Projekt Hadmersleben: Von der Malzfabrik zum Kunstzentrum

Seit drei Jahren will ein Paar aus der alten Malzfabrik in Hadmersleben im Landkreis Börde ein Zentrum für Kunst und Kultur machen. Trotz zahlreicher Rückschläge und Hürden halten sie an ihrem Traum fest. Nach zwei schwierigen Corona-Jahren bringen nun neue Ideen und ein Crowdfundingprojekt frischen Schwung in das Projekt.

Ein altes, zum Teil verfallenes Fabrikgebäude aus Backstein von außen.
Die alte Malzfabrik samt Fabrikantenvilla in Hadmersleben soll zu einem Kunst- und Kulturzentrum ausgebaut werden. Bildrechte: MDR/Sven Stephan

  • Für die alte Malzfabrik in Hadmersleben gibt es eine große Vision: ein Kunst und Kulturzentrum samt Pension.
  • Das Projekt hat mit vielen Hürden zu kämpfen – nicht zuletzt mit Corona.
  • Mit neuen Ideen und kleinen Bauwerken versuchen die Besitzer, den Traum am Leben zu halten.
  • Eine Crowdfundingkampagne hat dem Projekt neuen Schwung verliehen.

Alte Dielenböden, unverputzte Wände – beim Gang durch die Zimmer ahnt man nicht, wie viel hier in der alten Malzfabrik Hadmersleben schon in Stand gesetzt wurde. Das riesige Fabrikgebäude mitten im Ort beherrscht die Silhouette des Bördestädtchens. Es wurde im späten 19. Jahrhundert gebaut – als Fabrikantenvilla der Malzfabrik in Hadmersleben. Jahrzehntelang wurde hier nicht nur Malz hergestellt, sondern auch Kaffee geröstet und Süßigkeiten produziert – kandierte Mandeln etwa, für die in der DDR bekannte Marke "Bodeta".

Mit dem Ende der DDR kam auch das Aus für die Malzfabrik. Ein gutes Vierteljahrhundert stand der Koloss im Herzen Hadmerslebens leer und verfiel. Bis Beate und Krystof Marchewicz kamen – mit dem festen Vorhaben, ihn wach zu küssen.

Vision für Industriekoloss

Ein Mann mit weißem Haar und rotem Schal und eine Frau mit blauer Jacke und Brille stehen im Hof einer alten Fabrik.
Beate und Krystof Marchewicz haben die Malzfabrik Hadmersleben im Jahr 2018 gekauft mit dem Ziel ein Kulturzentrum daraus zu machen. Bildrechte: MDR/Sven Stephan

Die Unternehmerin und der Bildhauer sind in Polen geboren, lebten aber schon seit Jahrzehnten in Süddeutschland. Eigentlich auf der Suche nach einem Bauernhof mit Atelier, entdeckten sie die leerstehende Fabrik. Und hatten die Idee, hier ein Begegnungszentrum für Kunst und Kultur entstehen zu lassen.

Symposien und Workshops, Vorträge und Kulturveranstaltungen sollten in dem Komplex mit seinem rauen Charme Menschen zusammenbringen. Das war die Vision von Beate und Krystof Marchewicz. Im Jahr 2018 kauften sie die Fabrik und machten sich mit viel Elan ans Werk.

Nackte, nur zum Teil verputzte Wände und Räume.
Die Räume wurden in mühevoller Arbeit entrümpelt. Hier soll unter anderem eine Pension entstehen. Bildrechte: MDR/Sven Stephan

"Wir haben die Räume gemeinsam mit Studenten in wochenlanger Kleinarbeit entrümpelt", erzählen Beate und Krystof Marchewicz. Noch ist viel zu tun, aber beide können sich schon vorstellen, wie die Gästezimmer aussehen werden, die hier möglichst bald entstehen sollen: Ganz individuell eingerichtet, immer mit einem oder mehreren Stücken aus der Entstehungszeit des Hauses.

Mammutprojekt mit Hürden

Mitten im Umbau kam Corona dazwischen. Das Virus bremste die ehrgeizigen Pläne des Paares brutal aus. Nachdem die ersten Workshops stattgefunden hatten, war das unter Pandemiebedingungen nicht mehr in der gewohnten Weise möglich.

"Mit unseren Plänen sind wir fast zum Stillstand gekommen", erzählt Beate Marchewicz im Atelier der Fabrik, einem ebenso wundersamen wie liebevollen Sammelsurium aus Kunstwerken und Fundstücken. "Die Veranstaltungen fanden nicht statt, weil wir das auch nicht so mitmachen wollten, auf diese Art und Weise."

Ein Haufen Motorteile in einer alten Fabrik.
Aus alten, demontierten Maschinenteilen entstehen später neue Projekte. Bildrechte: MDR/Sven Stephan

Um zwei Jahre hat die Pandemie das Vorhaben zurückgeworfen. Hinzu kamen weitere Hindernisse. In der Fabriketage über dem Atelier, die mit ihren auseinander montierten Maschinen echten "Lost-Places-Charme" versprüht, sollte eine kleine Manufaktur entstehen. Zwei bis drei Arbeitsplätze waren geplant. Das aber hätte große Umbauten notwendig gemacht, die sich nicht gerechnet hätten. Ein weiterer Rückschlag für Beate und Krystof Marchewicz. Trotzdem wollen sie weitermachen.

Aufgeben ist keine Option

Längst hat das Paar seinen Hauptwohnsitz aus Schwetzingen bei Heidelberg nach Hadmersleben verlegt. In seinem Atelier verarbeitet Krystof Marchewicz die Teile alter Maschinen zu markanten Skulpturen und originellen Alltagsgegenständen. Auch eine kleine Möbelkollektion ist auf dieser Basis entstanden. Die Unikate sind für die Tourist-Information in Oschersleben gedacht.

Aus altem Werkezug und Motoren zusammengebaute Stühle.
Krystof Marchewicz baut aus alten Teilen der Malzfabrik Möbelunikate. Bildrechte: MDR/Sven Stephan

Beide sind überzeugt, dass ihr Traum von einer Kunst- und Kulturfabrik mitten in der Börde eine Zukunft hat. Ein geplantes "Bed and Breakfast" in der früheren Fabrikantenvilla soll dem Vorhaben nun neuen Schwung verleihen. "Wir haben festgestellt, dass unsere Besucher gern bei uns übernachten würden", erzählt Beate Marchewicz beim Gang durch die renovierungsbedürftigen Räume. "Also wollen wir ihnen die Gelegenheit dazu geben." Sobald es die Situation zulässt, sollen wieder Veranstaltungen in der alten Malzfabrik stattfinden.

Neustart dank Crowdfunding

Um das Projekt zu stemmen, hat Familie Marchewicz eine Kampagne auf dem Crowdfunding-Portal "Start next" aufgelegt. Wer ihren Traum unterstützen möchte, kann das dort mit einem Geldbetrag tun. "Das Geld ist nicht für uns", betont Beate Marchewicz auf die Frage, warum man in ihr jüngstes Vorhaben investieren sollte. "Es fließt in den Erhalt der Villa und der Fabrik. Beide sollen noch für viele Generationen von Menschen da sein."

Ein altes Fabrikgebäude mit angeschlossener Villa von außen.
Familie Marchewicz wünscht sich, dass nach viele Generationen etwas von der alten Malzfabrik und der Fabrikantenvilla haben werden. Bildrechte: MDR/Sven Stephan

Seinen Optimismus schöpft das Paar aus der Unterstützung vieler Menschen. Immer wieder würden sie in ihrem Vorhaben bestärkt, werde ihnen Mut zu gesprochen. Von Freunden und Weggefährten aus ganz Deutschland, vor allem aber von den Menschen aus Hadmersleben und aus der Region. "Die Leute hier sind sehr engagiert", schwärmt Krystof Marchewicz. "Ihnen gefällt, dass hier etwas passiert. Und das ist ganz wichtig. Für sie – und für uns."

MDR (Sven Stephan, Leonard Schubert)

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Februar 2022 | 19:00 Uhr

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