Pumpenhersteller will sparen Protest in Oschersleben gegen die Schließung des Wilo-Werks

Der Pumpenhersteller Wilo will seinen Standort in der Börde schließen. 120 Jobs stehen auf dem Spiel. Am Montag haben Mitarbeiter und Gewerkschaft vor dem Werkstor in Oschersleben gegen die Schließung protestiert. Sie wiesen vor allem darauf hin, dass das Unternehmen rentabel arbeitet.

Menschen protestieren vor den Toren des Pumpenherstellers Wilo in Oschersleben. Ein Mann hält ein Schild hoch: Mein Ausbildungsplatz, meine Zukunft bei Wilo OC ist ruiniert.
Menschen protestieren vor dem Werktor des Pumpenherstellers Wilo in Oschersleben. Bildrechte: MDR

In Oschersleben haben am Montag Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Pumpenherstellers Wilo für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Betriebsratsvorsitzender Thomas Dippe sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir arbeiten seit Jahren profitabel, haben immer schwarze Zahlen geschrieben hier in Oschersleben und einen großen Beitrag zur Wilo-Gruppe beigetragen. Und jetzt wollen sie uns abrasieren, das ist nicht in Ordnung."

Auch Bürgermeister von Oscherleben nimmt am Protest teil

Auch der parteilose Bürgermeister von Oschersleben, Benjamin Kanngießer, nahm am Protest teil. Von ihm hieß es: "Es sind nicht nur die 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern es hängen noch viele Jobs mehr daran, bei Zulieferern, in der Spedition oder auch bei Reinigungsdienstleistern." Die große Beteiligung am Protest zeige, dass die Betroffenheit sehr stark sei. Kanngießer will, dass die Geschäftsführung von ihren Schließungsplänen absieht.

Menschen protestieren vor den Toren des Pumpenherstellers Wilo in Oschersleben.
Viele Wilo-Beschäftigte aus Oschersleben protestierten am Montag vor ihrem Werk. Bildrechte: MDR

Wilo hatte auf der anschließenden Mitarbeiterversammlung jedoch klar gemacht, dass die Schließung fest steht und die Produktionskapazitäten an die Wilo-Standorte in Hof und ins französische Laval verlagert werden. Den Beschäftigten in Oschersleben wolle man jedoch einen Sozialplan bieten. "Ich verspreche Ihnen gleichzeitig, dass wir Sie bei der Suche nach einem neuen, vergleichbaren Arbeitsplatz bestmöglich unterstützen werden“, so Georg Weber, Vorstandsmitglied der Wilo-Gruppe. Wer wolle, könne auch an die Standorte Hof oder Dortmund wechseln.

Etwa 20 Beschäftigte können bleiben

Die drei Auszubildenden könnten laut Wilo ihre Ausbildung ordnungsgemäß abschließen, entweder bei befreundeten Unternehmen in der Region oder an einem anderen Wilo-Standort. Etwa 20 weitere Personen würden ihren Job nicht verlieren. Von Wilo hieß es dazu: "Die Kollegen aus dem Vertrieb und der Forschungs- und Entwicklungsabteilung werden weiterbeschäftigt. Letztgenannte Abteilung wird hierfür für knapp 20 Personen in Oschersleben ein neues Büro beziehen, die entsprechenden Planungen sind angelaufen."

WILO Wilo ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Premiumanbieter von Pumpen und Pumpensystemen. Die Wilo-Gruppe hat etwa 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit und erzielte im Jahr 2020 einen Umsatz von fast anderthalb Milliarden Euro. Es gibt Standorte unter anderem in Deutschland (Dortmund, Hof, Oschersleben), Frankreich, China, Indien, Türkei, Korea, Russland und den USA.

Standort soll bis 2022 schließen

Vergangene Woche Mittwoch hatte Wilo auf seiner Homepage bekannt gegeben, dass der Standort in Oschersleben bis März 2022 geschlossen werden soll. Die Produktion soll demnach an andere Standorte verlagert werden.

Zu den Gründen hieß es, Oschersleben sei nicht ausreichend ausgelastet, es habe demnächst zu viel in die IT-Infrastruktur des Werks investiert werden müssen und es sei unklar, ob auf lange Sicht genügend Fachkräfte gefunden werden könnten.

Bereitschaft zu Protest vor Zentrale in Dortmund

Ein Mitarbeiter lackiert bei Wilo SE in Dortmund eine Wilo-Pumpe vom Typ Cronoline DL
Ein Mitarbeiter in Dortmund lackiert eine Pumpe. Vor der Zentrale könnten die Beschäftigten aus Oschersleben bald protestieren. Bildrechte: dpa

IG-Metall-Sprecher Tomaschefski sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sollte der Protest in Oschersleben nicht wirken, sei man auch bereit, für eine weitere Demonstration zur Zentrale nach Dortmund zu fahren. Die Zentrale sieht er auch als ein Grund für die Schließungspläne.

In Dortmund sei ein neues Hauptwerk errichtet worden, das am Ende nicht die geplanten 80 Millionen, sondern 350 Millionen Euro gekostet habe. Deshalb glaubt Tomaschefski, die Mitarbeiter im Osten würden die Managementfehler des Westens zu spüren bekommen.

MDR/Mario Köhne, Luise Kotulla, Maximilian Fürstenberg

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. April 2021 | 19:00 Uhr

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