120 Beschäftigte betroffen Pumpenhersteller Wilo will Werk in Oschersleben schließen

Der Pumpenhersteller Wilo will bis März 2022 sein Werk in Oschersleben schließen. Die Produktion soll an zwei andere Standorte außerhalb von Sachsen-Anhalt verlagert werden. Etwa 120 Beschäftigte sind davon betroffen. Sie können auf Wunsch an anderen Standorten arbeiten. Die befinden sich jedoch unter anderem in Bayern und in Frankreich.

Ein Schlosser montiert in der WILO AG in Oschersleben (Sachsen-Anhalt) die Elektromotoren einer Pumpenanlage.
Ein Schlosser montiert in Oschersleben die Elektromotoren einer Pumpenanlage. Der Standort soll allerdings in weniger als einem Jahr die Produktion einstellen. Bildrechte: dpa

Der Pumpenhersteller Wilo will seinen Standort in Oschersleben in der Börde schließen. Bis März 2022 soll die Werksschließung erfolgen, wie das Unternehmen auf seiner Homepage mitteilte. Die Produktion wird demnach in andere Standorte von Wilo im bayerischen Hof und in Laval in Frankreich verlagert werden. Den etwa 120 Beschäftigten am Standort in Oschersleben droht somit die Kündigung.

Es soll einen Sozialplan geben

Wilo will laut Mitteilung mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan verhandeln. Es gehe um möglichen finanziellen Ausgleich und um Hilfe, eine neue Beschäftigung zu finden. Wer an einem der anderen Standorte für Wilo weiterarbeiten wolle, könne das mit der Personalabteilung besprechen. Das Unternehmen begründet die Pläne unter anderem damit, dass es für den Standort Oschersleben fraglich ist, ob langfristig genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung gestanden hätten.

Der Standort in Oschersleben sei zudem nicht mehr ausreichend ausgelastet, da die Montage in die Regionen verlagert werde, in denen die einzelnen Produkte verstärkt nachgefragt werden. Zudem hätte demnächst zu viel in den Standort investiert werden müssen. "Um den Standort Oschersleben zu erhalten, wären Investitionen, unter anderem im Bereich der IT-Infrastruktur notwendig, die im Sinne der gesamten Unternehmensgruppe betriebswirtschaftlich nicht zu verantworten sind", so der Leiter "Operations" der Wilo-Gruppe, Mahmud Mustafa.

WILO Wilo ist nach eigenen Angaben der weltweit führende Premiumanbieter von Pumpen und Pumpensystemen. Die Wilo-Gruppe hat etwa 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit und erzielte im Jahr 2020 einen Umsatz von fast anderthalb Milliarden Euro.

Gewerkschaft ist empört

Eine Fahne der Gewerkschaft IG-Metall
Gegen die Schließung will die Gewerkschaft protestieren. Bildrechte: dpa

IG-Metall-Sprecher Janek Tomaschewski widerspricht den Aussagen von Wilo jedoch. Er erklärte MDR SACHSEN-ANHALT, die Maschinen seien modern. Und für die Arbeit im Oschersleber Werk brauche es keine besondere IT. Der Gewerkschafter glaubt eher, dass die Mitarbeiter im Osten die Managementfehler im Westen zu spüren bekommen. In Dortmund ist ein neues Hauptwerk errichtet worden, das am Ende nicht die geplanten 80 Millionen sondern 350 Millionen Euro gekostet hat.

Viele Mitarbeiter um die 50 Jahre alt

Oschersleben sei laut Tomaschewski der betriebswirtschaftlich günstigste Standort bei Wilo. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiteten länger und für weniger Geld als die Mitarbeiter im Westen. Viele sind in Oschersleben seit dem Start vor mehr als 25 Jahren dabei und haben aus der Presse vom Ende des Standorts erfahren. Sie seien jetzt um die 50 Jahre alt. Für sie werde es schwer, in der Region einen neuen Job zu finden.

Der IG-Metall-Vertreter Tomaschefski spricht von einem Schlag ins Gesicht. Gegen die Schließung soll am Montagmittag mit einer Aktion vor der Betriebsversammlung protestiert werden. Auch der parteilose Bürgermeister von Oschersleben, Benjamin Kanngießer, will teilnehmen, wie die Gewerkschaft mitgeteilt hat.

MDR/Luise Kotulla, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 21. April 2021 | 09:30 Uhr

4 Kommentare

DanielSBK vor 22 Wochen

" Sie seien jetzt um die 50 Jahre alt. Für sie werde es schwer, in der Region einen neuen Job zu finden."

Amazon in Sülzetal sucht ja immer ....

Da gibt's alles.... nur keinen Tariflohn, keine gereglete Arbeitszeiten, keine Zukunft, keine Sozialleistungen und schon recht keine Freud' bei der Arbeit. Passt doch zu Sachsen-Anhalt. Die Wähler wollten es doch so!

DanielSBK vor 22 Wochen

Bevor die große Angleichung 1:1 an die Westtarife inkl. 35 Stunde Woche(!) kommt, wird mal ebend noch schnell die Bude zugemacht....

Die können doch noch froh sein, dass es überhaupt einen "IG Tarif" dort gegeben hat und man ein paar Rentenpünktchen mehr auf dem Konto hat--- der IG Tarif sieht bereits in Entgeltgruppe 5 (Einstieg für Fachkräfte) schon über 15€ / Stunde vor. Davon können hier viele nur träumen!!!!

Wer heute in der Produktion schon über 12,50€ hat gilt hier als "Gutverdiener".

Schämt Euch Ihr Politiker da oben, die ihr solche Zustände über 30 Jahre nicht abgestellt habt!!! Die Quittung kommt jetzt bei der Wahl. Tschüß SPD und CDU!

pwsksk vor 22 Wochen

Ich habe knapp 3 Jahre dort gearbeitet. Eigentlich eine grundsolide Firma mit allen sozialen Standards, die eine Firma heute bieten kann. Und das in Zukunft Fachkräfte fehlen sollten, schlägt dem Faß den Boden aus. Es ist einfach so, das sich die westlichen Stammfirmen selbst nach vielen erfolgreichen Jahren aus sehr fadenscheinigenden Gründen wegen Auftragsrückgängen in den Westen zurückziehen. Die Fördermillionen am Anfang waren gut, aber jetzt reicht's auch. Bei WILO scheint zusätzlich die neue 4.0 Fabrik im Westen nicht ausgelastet zu werden. Schade, Peter Winkler wünscht seinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen alles Gute.

Mehr aus Landkreis Börde, Harz und Magdeburg

Mehr aus Sachsen-Anhalt