Krähen-Plage Wanzleben 3 min
Wanzleben in der Börde kämpft weiter mit einer Plage von Krähen. Bildrechte: Ulf Denecke

Landkreis Börde Hunderte Krähen-Nester auf Schulhof in Wanzleben

11. Juli 2024, 19:00 Uhr

Wanzleben hat seit Jahren mit einer Plage von Krähen zu kämpfen. Die Börde-Stadt würde gern gegen die vielen Vögel vorgehen. Das kostet aber Geld. Und vor allem verbietet der Naturschutz ein größeres Eingreifen. Das Problem ist mittlerweile größer geworden.

Eine Krähenplage in der Stadt Wanzleben-Börde weitet sich aus. Wie Bürgermeisterin Grit Matz (CDU) MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, bevölkern die Tiere inzwischen auch die Ortsteile Klein Wanzleben, Groß Rodensleben und Klein Rodensleben. Um wirksam gegen sie vorzugehen, müssten Gesetze geändert werden. Sie bitte das Land Sachsen-Anhalt um Hilfe. Krähen gehören zu den Singvögeln und stehen unter Naturschutz.

Krähen sorgen in Wanzleben für Ärger, unter anderem an der Grundschule 1 min
Bildrechte: Grundschule "An der Burg" Wanzleben
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MDR SACHSEN-ANHALT Fr 07.06.2024 04:54Uhr 00:37 min

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Laut Matz sitzen die Tiere etwa auf der Kirche in Groß Rodensleben und seien lauter als die Pfarrerin während des Gottesdienstes. Alleine an der Kirche wurden nach Angaben der Stadt im vergangenen Monat Mai auf zwei Bäumen circa 40 Krähennester gezählt. Am Friedhof in Wanzleben habe sich die Zahl der Nester von Ende April bis Anfang Mai von 15 auf 61 erhöht.

Krähen-Plage Wanzleben
Über 60 Nester wurden zum Teil auf den Bäumen in Wanzleben gezählt. Bildrechte: Ulf Denecke

Vögel greifen Fußgänger an

Die Vögel würden auch während der Brutzeit Fußgänger angreifen. Zudem hätten sich Anwohner immer wieder über den Lärm und den Dreck beschwert. Auch ein Landwirt aus Schleibnitz klagte demnach über die Krähen. Auf einem vier Hektar großen Maisfeld seien am Ende nur wenige Reihen übrig geblieben. Der Rest sei von den Krähen zerpflückt worden.

Fotocollage PKW
Die Krähen sorgen neben Dreck auch für Lärm in der Stadt. Bildrechte: Stadt Wanzleben

Bürgermeisterin Matz sagte, das sei nicht hinzunehmen. Der Naturschutz nehme solch einen hohen Stellenwert ein, dass die Stadt aktiv nichts tun könne. Man könne höchstens vor Beginn der Brutzeit die Nester entfernen. Das sei nur mit Hebebühnen sowie Personal möglich und auch mit Kosten verbunden. Zielführend sei das nicht, so Matz. Die Krähen seien so schlau und würden dann an einem anderen Ort brüten.

Probleme auch in anderen Orten

Das Problem gibt es auch in anderen Orten in Sachsen-Anhalt. Auch Pretzsch im Landkreis Wittenberg kämpft mit einer Krähenplage. Die Tiere haben sich vor allen im Schlosspark vermehrt. Die Gäste des dortigen Hotels haben sich immer wieder wegen Lärms und Dreck beschwert.

MDR (Michel Holzberger, Mario Köhne)

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11. Juli 2024 | 19:00 Uhr

9 Kommentare

wuff vor 6 Wochen

Die Plage die die Natur hat, ist doch der Mensch. Früher waren die Menschen nicht so empfindlich, heute stört schon ein Pups des Nachbarn, der eine Anzeige bekommt wegen Lärmbelästigung.

augu vor 6 Wochen

Das sind wohl Saatkrähen. In meiner näheren Umgebung gibt es nur ein Rabenkrähen-Paar, die dulden keine Saatkrähen in ihrem Revier. Und erstaunlicherweise haben sie (immer als Einzelvogel) auch Respekt vor einer kleinen Katze aus der Nachbarschaft, wenn diese von mir hingelegte Knochen abknabbert und die Krähe in 2m Entfernung zuguckt. Wenn die Katze fertig ist, schleppen sie dann den fast fleischlosen Restknochen im Fluge weg.

goffman vor 6 Wochen

In meiner Heimatstadt gab es auch ein „Krähenproblem“. Grund war eine Fleischfabrik, die ihre Abfälle relativ leicht zugänglich zwischengelagert hat. Leichte Beute für die schlauen Vögel.

Mittlerweile ist die Fleischfabrik geschlossen, der regionale Krähenbestand rückläufig. In Deutschland insgesamt ist die Population seit Jahrzehnten überwiegend konstant. Eine Überpopulation gibt es nicht. (NABU)

Die wichtige Frage wäre also, warum denn gerade in Wansleben Krähen sich so wohlfühlen. Trotz des Naturschutzes ist eine regulierende Bejagung in den meisten Bundesländern übrigens erlaubt, aber nutzlos. Der NABU schreibt: „Bei den verbliebenen Vögeln führt das nur zu verstärkter Bruttätigkeit, sodass der Bestand schnell wieder aufgefüllt ist.“

Des Weiteren sind Krähen auch Nützlinge, ernähren sie sich doch auch von Insekten und Mäusen. Man erinnere sich an die „Ausrottung der vier Plagen“ in China. Sperlinge wurden bejagt, um das Saatgut zu schützen. Gebracht hat es eine Insektenplage.

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