Stadt prüft erneute Bewerbung Wie eine zweite Buga in Magdeburg ein Erfolg werden könnte

Elisa Sowieja-Stoffregen
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

2,3 Millionen Besucher hat die Buga 1999 in Magdeburg angelockt. Jetzt erwägt die Stadt, sich noch einmal zu bewerben. Wie müsste eine zweite Auflage aussehen, damit sie sich auch langfristig lohnt? Und was ist vom Erfolg der ersten Bundesgartenschau geblieben? Der Chef des Elbauenparks und ein Berater für Gartenschauen berichten.

Blütenmeer am Jahrtausendturm im Elbauenpark
Dank der Buga 1999 hat Magdeburg den Elbauenpark. Höhepunkt ist der Jahrtausendturm. Bildrechte: Christian Walter aus Magdeburg

  • Finanziell macht Magdeburg mit der Buga 1999 auch langfristig Verluste, denn es muss regelmäßig investiert werden.
  • Trotzdem hat sie der Stadt einen Gewinn gebracht, vor allem mit Blick auf Städtebau und Tourismus.
  • Für eine zweite Buga bräuchte man einen neuen Höhepunkt und ein Ziel für die Jahre 2040 bis 2050.

Steffen Schüller würde seinen Elbauenpark gern nochmal im Rampenlicht sehen. So wie damals, 1999, als Touristen busseweise aus der ganzen Republik anreisten, um zu sehen, wie hübsch man ihn für die Bundesgartenschau hergerichtet hatte. Diesmal allerdings sollte das Areal den Ruhm mit anderen Orten in Magdeburg teilen, findet der Geschäftsführer. Eine zweite Buga-Auflage kann er sich besonders entlang der Elbe vorstellen: Stadtpark, Klosterbergegarten, Petriförder, Wissenschaftshafen. Seine Vision ist nicht abwegig. Denn die Stadt prüft derzeit, ob sie sich noch einmal bewirbt.

Der Stadtrat hat die Verwaltung vor einem Jahr mit einer Potenzialanalyse samt Ideenwettbewerb beauftragt. Nun lässt die Stadt mögliche Standorte abklopfen. Zur Debatte stehen neben den Salbker Seen und dem Bahnareal in der Innenstadt auch das alte Buga-Gelände mit Wissenschaftshafen. Mit Ergebnissen ist Anfang 2022 zu rechnen. Eine Entscheidung für eine Bewerbung kann frühestens 2023 fallen, weil noch eine Machbarkeitsstudie mit Konzept folgen müsste. Vor 2035 ist aber ohnehin keine Buga mehr zu ergattern.

Konkurrenz aus dem eigenen Bundesland

Magdeburg wäre nicht die erste Stadt, die zweimal den Zuschlag für eine Buga oder Iga erhält. Hamburg und Köln etwa haben das auch schon geschafft. Im Falle einer Bewerbung hätte Magdeburg wohl Konkurrenz aus dem eigenen Bundesland. Denn Dessau-Roßlau liebäugelt ebenfalls mit der Ausrichtung einer Bundesgartenschau.

Die Entscheidung über den Austragungsort einer Buga und Iga (Internationale Gartenschau) trifft die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG). Gesellschafter der DGB sind der Zentralverband Gartenbau, der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau und der Bund deutscher Baumschulen.

Jedes Jahr eine neue Attraktion im Elbauenpark

Bei der Entscheidung über die Bewerbung geht es um mehr als eine Finanzspritze für eine große Show. Denn eine Buga kommt für jeden Austragungsort einer Ehe gleich: langfristig und einerseits beflügelnd, andererseits mit Arbeit verbunden. So betreibt Elbauenpark-Chef Schüller großen Aufwand, damit Besucher immer wiederkommen: "Wir bieten jedes Jahr eine neue Attraktion, um wieder einen Besuchsanlass zu schaffen", erklärt er. So kamen im Laufe der Zeit Kletterpark, Streichelgehege, Rutschenturm und eine Zipline hinzu, an der man vom Jahrtausenturm aus nach unten schweben kann. Nächstes Großprojekt ist eine Wasserspiellandschaft.

2,2 Millionen Euro im Jahr Zuschuss von der Stadt

Obwohl die Besucherzahlen seit Jahren stabil bei rund 300.000 pro Saison liegen – Corona-Zeiten außen vor gelassen –, macht der Park Verluste. Rund 2,2 Millionen Euro muss die Stadt jährlich dazugeben. Bugas sind meist ein Zuschussgeschäft, erklärt Christian Rast. Der Fremdenverkehrsgeograf führt in einer Kölner Beraterfirma Machbarkeitsstudien und Gästebefragungen für Gartenschauen durch. "Der Elbauenpark ist allerdings ein Sonderfall, weil es sich um einen Freizeitpark mit Eintritt handelt", erklärt er. Für ein öffentlich zugängliches Gelände beschränkten sich die langfristigen Investitionen auf die Grünpflege.

Man kann Veränderungen in sieben bis acht Jahren erreichen, für die man sonst 20 bis 30 Jahre brauchen würde.

Christian Rast, Gartenschau-Berater für Kommunen

Trotz Folgekosten betrachtet Rast Bundesgartenschauen als Gewinn. Denn er sieht sie als Booster für den Städtebau: "Man kann Veränderungen in sieben bis acht Jahren erreichen, für die man sonst 20 bis 30 Jahre brauchen würde." Das funktioniere mithilfe von Fördermitteln, aber auch durch Folgeinvestitionen zum Beispiel von Hotelketten. In Magdeburg wurde damals nicht nur das einstige Kasernengelände der Roten Armee zum Elbauenpark umgestaltet. Rundherum entstanden eine neue Elbbrücke, ein Bahnhof und ein Spaßbad, außerdem wurde die benachbarte Hochschule saniert.

Übernachtungszahlen sind gestiegen

Auch die Übernachtungszahlen steigen Rast zufolge in Buga-Städten oft dauerhaft an. So wie in Magdeburg: Zählte die Stadt vor der Schau knapp 400.000 Übernachtungen im Jahr, pendelte sich die Zahl in den Folgejahren auf knapp 500.000 ein. 2019 waren es sogar 730.000. Steffen Schüller zufolge gehen viele Übernachtungen auf all die Kulturveranstaltungen im Elbauenpark zurück. Immerhin käme dabei rund die Hälfte der Besucher von außerhalb.

Tourismusexperte Rast betrachtet selbst die Buga in der Havelregion 2015 – mit 1,05 Millionen Gästen die bisher am schlechtesten besuchte – als Erfolg: "Dort sind zum Beispiel tolle Radwege und Grünflächen entstanden." Denn neben Touristen gehe es vor allem um die Einwohner: "Die Investitionen bekomme ich nicht eins zu eins zurück. Aber weiche Standortfaktoren wie hochwertige Parkanlagen oder gute Verkehrslösungen können helfen, dass mehr Menschen an einem Ort wohnen bleiben oder dorthin zurückziehen."

Das alte Buga-Gelände aufzuhübschen reicht nicht

Damit eine zweite Buga auch auf lange Sicht ein Erfolg werden kann, braucht man Rast zufolge vor allem ein gutes Konzept. Wichtig seien dabei zwei Dinge. Erstens: ein Höhepunkt, mit dem sich die Einwohner identifizieren. In Magdeburg war das damals der Jahrtausendturm, in Koblenz eine Seilbahn, in München ein neues Stadtquartier. Zweitens: eine langfristige Vision für die Stadt für die Zeit um 2040/2050: "Man kann zum Beispiel das Thema Klima angehen oder Wohnraum schaffen." Wichtig ist in jedem Fall: Nicht noch einmal das Gleiche machen wie 1999. Das alte Buga-Gelände dürfte nicht mehr als ein Bestandteil des neuen Areals sein.

Der Jahrtausendturm - Höhepunkt der Buga 1999

Der Turm wurde als Höhepunkt der Buga 1999 im Elbauenpark errichtet. Das 60 Meter hohe Wahrzeichen ist mit seiner Holz-Leimbinder-Konstruktion das höchste Holzgebäude seiner Art weltweit. Der Turm bietet nicht nur eine Aussicht über den Park und die Stadt. Im Inneren gibt es auf fünf Ebenen eine Ausstellung über 6.000 Jahre Menschheits- und Technikgeschichte. 

Eine weitere Buga könnte Magdeburg nicht nur städtebaulich und touristisch noch einmal voranbringen. Steffen Schüller erinnert sich gut an einen weiteren Effekt aus dem Jahr 1999. Er hat mit den busseweise gekommenen Besuchern zu tun, die damals anreisten: "Die Buga hat den Magdeburgern einen Selbstbewusstseinsschub gegeben." Vielleicht könnte man auch den noch einmal boostern.

MDR (Elisa Sowieja-Stoffregen)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 11. Dezember 2021 | 15:00 Uhr

1 Kommentar

Nordlicht aus der Altmark vor 51 Wochen

Bitte nicht! Havelberg, Burg, Erfurt und jetzt vielleicht Magdeburg. Oh Herr lass diesen Kelch an uns vorbeigehen.

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