Mehrere Anzeigen Magdeburg feiert FCM-Aufstieg: Auseinandersetzungen mit der Polizei

Der 1. FC Magdeburg hat am Sonntag den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt gemacht. In der Innenstadt feierten zahlreiche Fans zunächst friedlich eine Party. Im Laufe des Abends kam es zu Auseinandersetzungen. Mindestens eine Polizistin wurde verletzt. Die Polizei räumte den Hasselbachplatz unter Einsatz von Wasserwerfern.

Zwei Wasserwerfer auf einer Straße in der Magdeburger Innenstadt, dazwischen einige Polizeibeamte in Uniform.
Die Polizei räumte den Hasselbachplatz unter Einsatz von Wasserwerfern. Bildrechte: dpa

Zahlreiche Fans des 1. FC Magdeburg haben am Sonntag in der Innenstadt den Aufstieg des Vereins in die 2. Bundesliga gefeiert. Vor allem am Hasselbachplatz sammelten sich ab dem späten Nachmittag die Fans. Nach Angaben der Polizei waren am Abend etwa 500 "teils stark alkoholisierte" Fußballfans versammelt. Im Verlauf des Abends sei es zu Sachbeschädigungen, Nötigungen gegen unbeteiligte Verkehrsteilnehmer sowie zahlreichen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz gekommen.

Polizistin verletzt

Ein Fan mit Pyrotechnik auf dem Magdeburger Hasselbachplatz.
Schon am Nachmittag versammelten sich erste FCM-Fans am Magdeburger Hasselbachplatz. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Der Hasselbachplatz war am späten Sonntagabend nach Informationen eines MDR-Reporters geräumt worden. Dabei wurde auch ein Wasserwerfer eingesetzt. Es gab mehrere Verletzte, von mindestens 75 Personen wurden die Personalien aufgenommen. Während der Räumung seien Einsatzkräfte mit Flaschen und Steinen beworfen worden. Am späten Abend blockierten etwa 90 Fußballfans laut Polizei die Diesdorfer Straße im Stadtteil Stadtfeld und zündeten auch dort unerlaubt Pyrotechnik.

Im Verlauf des Abends seien mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, unter anderem wegen des Verdachts des tätlichen Angriffs sowie Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und wegen Verdachts auf Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz.

Fanhilfe kritisiert Polizeieinsatz

Kritik am Einsatz der Polizei übt derweil der Verein Fanhilfe Magdeburg. "Mit Wasserwerfern und Hundertschaften wurden am Hasselbachplatz selbst die Fans, die in den lokalen Kneipen feierten, verdrängt und mit Platzverweisen überzogen", so ein Sprecher gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT. Dabei wären auch friedliche Fans in Verdacht geraten. In einem öffentlichen Aufruf wurden Fans aufgerufen, Übergriffe der Polizei zu melden.

Sehen Sie hier das gesamte Interview mit Oliver Wiebe von der Fanhilfe Magdeburg:

Oliver Wiebe von Fanhilfe Magdeburg e.V. 8 min
Bildrechte: MDR
8 min

In Magdeburg feierten zahlreiche Fans den Aufstieg des FCM. Später gab es Auseinandersetzungen mit der Polizei. Oliver Wiebe von der Fanhilfe Magdeburg schildert, wie er den Einsatz der Polizei wahrgenommen hat.

Mo 25.04.2022 19:00Uhr 07:53 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/video-interview-fanhilfe-magdeburg-aufstieg-feier-polizei-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Die Polizei selbst bewertet den Einsatz als Erfolg. Das Einsatzkonzept sei aufgegangen, sagte Stefan Brodtrück, Sprecher der Polizei Magdeburg zu MDR SACHSEN-ANHALT.

Beim Räumen des Platzes wurde massiv gegen Polizeibeamte vorgegangen, es wurden auch Beamte attackiert, weshalb wir uns entschieden haben, den Wasserwerfer einzusetzen.

Stefan Brodtrück Polizei Magdeburg

Dies sei die ultima ratio. "Es gibt nicht diesen einen konkreten Zeitpunkt. Augenscheinlich hatten einige Fans nicht nur den Klub im Herzen, sondern auch zu viel Alkohol im Kopf. Dann kippt die Stimmung." Sechs Polizisten wurden verletzt, der Einsatz dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Es wurden zahlreiche Anzeigen gefertigt. Zunehmend seien Personen auf die Straße gerannt, hätten den Verkehr gefährdet und Pyrotechnik gezündet, so der Polizeisprecher. Dadurch sie das konsequente Einschreiten nötig gewesen.

OB Trümper verteidigt Polizei

Magdeburgs scheidender Oberbürgermeister Lutz Trümper
Magdeburgs OB Trümper: Immerhin weniger Ausschreitungen als beim letzten Aufstieg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Die Polizei war gut vorbereitet", sagte Magdeburgs scheidender Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) im MDR-Interview: "Es ist nicht schön, aber ich habe keine Idee, wie man das verhindern kann. Man muss damit leben, dass es in der Gesellschaft Menschen gibt, die über die Stränge schlagen, die aggressiv sind."

Immerhin seien die Ausschreitungen und die Zahl der Verletzten geringer als beim letzten Aufstieg vor vier Jahren, so das Stadtoberhaupt. Sportlich ist Trümper vom FCM überzeugt.

Der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist der verdiente Lohn für all die Anstrengungen, denen sich die Mannschaft, das Trainerteam und der gesamte Verein in den vergangenen Monaten gestellt haben.

Im Mai soll der Erfolg mit einem Festakt auf dem Alten Markt gewürdigt werden, kündigte Trümper an.

Sehen Sie hier das gesamte Interview mit Lutz Trümper:

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper auf einer Wiese. 3 min
Bildrechte: MDR
3 min

Der 1. FC Magdeburg hat den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Was das für die Stadt bedeutet und wie er die Ausschreitungen am Rande der Aufstiegsfeier bewertet, erklärt Magdeburgs Oberbürgermeister im Interview.

MDR S-ANHALT Mo 25.04.2022 19:00Uhr 03:07 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/video-interview-truemper-aufstieg-fcm-100.html

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Randale bei letzten FCM-Aufstieg 2018

Beim letzten FCM-Aufstieg im Frühjahr 2018 hatte es auf dem Hasselbachplatz schwere Krawalle gegeben. Auch damals hatte es zunächst eine friedliche Feier gegeben. Später hatten rund 300 teils Vermummte randaliert. Dabei waren 30 Polizisten verletzt worden. Es hatte mindestens 142 Ermittlungsverfahren gegeben.

Vier Jahre nach den Ausschreitungen sind am Montag vom Amtsgericht Magdeburg fünf Hooligans verurteilt worden. Ihnen war vorgeworfen worden, die eingesetzten Polizisten mit Glasflaschen beworfen oder mit Pyrotechnik beschossen zu haben. Die Angeklagten seien wegen schweren Landfriedensbruchs sowie tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte verwarnt worden, teilte ein Gerichtssprecher mit. Bei allen fünf Verurteilten kam Jugendrecht zur Anwendung, da sie zur Tatzeit nicht älter als 21, manche sogar noch unter 18 waren. Ein Angeklagter wurde freigesprochen.

Laut dem Gericht sind damit alle Fälle der damaligen Ausschreitungen abgearbeitet. "Die Auswertung des Videomaterials erwies sich als sehr schwierig und anspruchsvoll, sodass sich die Ermittlungen in die Länge gezogen hatten", erklärte der Sprecher.

FCM kehrt in 2. Bundesliga zurück

Am Sonntagnachmittag hatte sich der Club mit einem 3:0-Erfolg gegen Zwickau die Rückkehr in die 2. Bundesliga und die Drittligameisterschaft gesichert. Anschließend feierten Tausende Fans und die Beteiligten ausgelassen im und am Stadion, bevor einige weiter Richtung Innenstadt zogen.

Eine Grafik zeigt den Trainer auf einer Rakete 10 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (Hannes Leonard, Julia Heundorf), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. April 2022 | 05:30 Uhr

33 Kommentare

Soldaten Norbert vor 16 Wochen

Inzwischen hat sich die FCM-Fanhilfe zu Wort gemeldet und den Polizeieinsatz als "unverhältnismäßig" eingestuft. Viele Fans sind aus den Restaurants und Kneipen recht rüde, einige sagen gewaltsam herausgedrängt worden. Einige haben sich verletzt, mussten behandelt werden. Das sich dadurch die Gewaltspirale hochdreht , muss keinen verwundern. Aber es ist eben wie so oft, auf jeder Seite gibt es Idioten.

FCM1967 vor 16 Wochen

Das sind Szenen, welche niemand haben und sehen will!! Was mir einfach stinkt sind die jenigen, welche in der Euphorie des Erfolges eines Vereins die Plattform nutzen um ihren Frust loszuwerden. Das hat mit "Erfolge feiern" rein gar nichts zu tun. Für mich ist das eher ein Schlag ins Gesicht aller, die für diesen Erfolg hart gearbeitet und alles gegeben haben-will sagen, ein Schlag ins Gesicht der Vereinsführung, des Trainerteams, der Spieler und zu guter letzt auch der waren Fangemeinde. Am Ende des Tages bleiben nun die Bilder von chaotischen Szenen haften und überschatten den eigentlichen Erfolg einer ausgewöhnlichen Saison des Vereins und der Mannschaft.

BWG und hoffen wir, das wir solche Bilder nicht zu oft sehen müssen

ChristianZ vor 16 Wochen

In dieser Welt kann eben jeder Fehler machen, auch die Polizei, die überzogen reagiert hat.

Ich frage mich, wie stark ihr Wille verankert ist, in einem Staat zu Leben, wo die Polizei immer Recht hat und alles darf. Ich denke, dass die Geschichte zeigt, dass wir immer beide Seiten betrachten müssen und nicht immer jedes Verhalten der Exekutive gerechtfertigt ist.

Dieser Vorfall muss von allen Seiten aufgearbeitet werden. Zudem ist es völlig ok, wenn unbeteiligte (Kneipenbesitzende, Gäste der Kneipen) Anzeige gg. die Polizei stellen, weil sie zu unrecht verletzt worden oder ein finanzieller Schaden entstanden ist.

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