Chemie-Skandal Gift in der Ehle – drei Fragen, drei Antworten

Im Januar wurde bekannt: Das Flüsschen Ehle in Egeln im Salzlandkreis ist mit giftigen Chemikalien belastet. Seitdem sollen Kinder nicht mehr am Bach spielen. Anwohner sollen nicht mehr mit dem Flusswasser ihre Gärten wässern. Momentan laufen weitere Untersuchungen. Fragen und Antworten.

Wo kommt das Gift her?


Im Schlamm des Flusses wurde die Chemikalie PCB nachgewiesen. Dazu Spuren von Naphthalin. Naphtalin (PCN) war früher unter anderem in Holzschutzmitteln enthalten. Im Flüsschen wurde aber auch PCB nachgewiesen. Das steht für Polychlorierte Biphenyle. Die öligen Chemikalien wurden bis in die 1980er-Jahre verwendet. Vor allem in Transformatoren und Hydraulikanlagen, aber auch als Weichmacher in Lacken und Kunststoffen oder als Fugenmasse in DDR-Plattenbauten.

Seit 2001 ist der Stoff weltweit verboten. Die Altlasten sollen von einer ehemaligen Chemiefabrik in Westeregeln stammen. Dort gab es 1961 einen Großbrand. Vielleicht könnte dabei Löschwasser in den Fluss gelangt sein. Das ist eine Theorie. Die älteren Anwohner können sich aber noch gut daran erinnern, dass es aus dem Bach manchmal streng roch oder das Wasser verfärbt war.

Im Januar wurde bekannt, dass der Schlamm des Flusses belastet ist. Was bedeutet das jetzt für die Anwohner und für die Landwirte?

Das Umweltministerium rät, Kinder nicht am Bach spielen zu lassen, keine Fische aus der Ehle zu essen oder mit dem Wasser den Rasen zu bewässern. Momentan werden Bodenproben aus Gärten entlang des Flüsschens genommen und untersucht. Das soll bis Ostern passieren. Außerdem wollen Experten im Auftrag der Landesanstalt Brunnenwasserproben nehmen. Erst, wenn die Ergebnisse vorliegen, ist klar, ob der Boden belastet ist. Die Proben sind eine Vorsichtsmaßnahme. Ganz sicher gehen wollten die Behörden auch bei einer nahe gelegenen Kita. Dort durften die Kinder zwischenzeitlich nicht draußen spielen. Kurze Zeit später gab es aber Entwarnung. Das Außengelände war nicht belastet.

Landwirte dürfen einen Streifen von zehn Metern um die Flussböschung herum nicht landwirtschaftlich nutzen. Genauer untersuchen lassen wollen die Behörden auch den Boden 50 Meter links und rechts der Ehle. Erst, wenn die Ergebnisse der Proben vorliegen, wird klar sein, was mit den Flächen geschieht.

Die Egelner sind zwar besorgt, viele vermuteten aber, dass der Fluss belastet sein könnte. Gedanken machen sich die Ehle-Anwohner auch um den Wert ihrer Häuser und Grundstücke.

Wie giftig ist PCB?

Der Stoff steht in Verdacht krebserregend zu sein. Auswirkungen einer Vergiftung sind unter anderem Haarausfall, Leberschäden und Schäden des Immunsystems. PCB wird über die Haut aufgenommen. Die Chemikalie reichert sich im Körper an. Allerdings: Dafür braucht es engen Kontakt. Deshalb gibt es auch unterschiedliche Grenzwerte. Für Böden, auf denen Nutzpflanzen wachsen, sind sie um ein vielfaches geringer als auf Flächen, die gewerblich genutzt werden.

Zur Ehle gibt es zwar ein Gutachten, das ist aber noch nicht fertig. Und erst, wenn die Ergebnisse der aktuellen Boden- und Wasserproben vorliegen, wird klar sein, ob es weitere Belastungen gibt.

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Quelle: MDR/agz,ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 25. Januar 2018 | 09:00 Uhr

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