Im Überflutungsgebiet gebaut Streit um Hotel in Magdeburg: Gespräch von Bürgerinitiative und Planern ohne Einigung

Schon vor der Eröffnung des "Elb", einem neuen Hotel im Stadtpark von Magdeburg, gab es Streit. Eine Bürgerinitiative hat der Stadt vorgeworfen, den Bau genehmigt zu haben, obwohl das Hotel im Überschwemmungsgebiet steht. Dort darf eigentlich nicht gebaut werden. Am Mittwoch haben sich Vertreter der Bürgerinitiative und des Investors und ein Planer zum Gespräch getroffen. Dieses verlief sachlich, endete aber ohne Einigung. Ein weiterer Austausch ist geplant.

Ein Gebäude mit Holzfassade
"Das Elb" steht im Stadtpark von Magdeburg und direkt am Flussufer. Der Bereich ist eigentlich als Hochwassergebiet eingestuft. Bildrechte: MDR/Annette Schneider Solis

In der Auseinandersetzung um das Hotel "Das Elb" in Magdeburg haben sich eine Bürgerinitiative sowie der Vertreter des Investors, Michael Meier, und die Planer des Baus zu einem Gespräch getroffen. Hintergrund des Treffens sind die Vorwürfe der Initiative, die Genehmigung des Hotels sei unrechtmäßig erteilt worden. Meier hatte zu dem Austausch eingeladen. Das zweistündige Gespräch verlief sachlich, führte aber zu keiner Einigung.

Vier Männer vor einem grünen Stoffband
Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Hotelbetreiber Bhupinder Singh, Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) und Bruder Clemens von den Prämonstratensern bei der Eröffnung des Hotels am 20. August. Bildrechte: MDR/Annette Schneider Solis

Der Austausch drehte sich um die Frage, ob das am 20. August eröffnete "Elb" einen Ersatzneubau für das frühere "Haus der Athleten" darstellt oder nicht. Bis 2014 stand am Ort des Hotels das frühere "Haus der Athleten". Das neue "Elb" war als Ersatzneubau für die frühere Trainingsunterkunft für Sportlerinnen und Sportler genehmigt und gebaut worden. Die Baukosten beliefen sich nach Angaben von Michael Meier auf zwölf Millionen Euro.

Bürgerinitiative: Hotel ist kein "Haus der Athleten"

Die Gründerin der Bürgerinitiative "Rettet den Stadtpark Rotehorn", Renate Fiedler, argumentiert, das "Elb" erfülle nicht die Voraussetzungen des Hauses der Athleten: "Die Bezeichnung 'Haus der Athleten' bezieht sich auf eine ganz bestimmte Wohnart und das ist nicht zu vergleichen mit diesem Hotel."

Bild eines Schwimmers an einer blauen Wand. Daneben ein Fahrstuhl
Im Innern erinnern Bilder von Sportlerinnen und Sportler daran, dass das Hotel eigentlich als Herberge für Sportlerinnen und Sportler gebaut wurde. Bildrechte: MDR/Annette Scheider-Solis

In einer Drucksache des Deutschen Bundestages werden "Häuser der Athleten" beschrieben als "Sportinternate für Schülerinnen und Schüler" sowie als "Wohnheime für Athletinnen und Athleten, die dem Schulalter entwachsen sind". Damit werde sowohl Nachwuchssportlern als auch Spitzensportlern ermöglicht, Förderstrukturen in ihrem regionalen Umfeld zu nutzen.

"Elb"-Architekt: "Haus der Athleten" schon früher als Hotel genutzt

Fluss mit Häusern im Hintergrund
"Das Elb" steht direkt an der Elbe und damit im Überschwemmungsgebiet. Bildrechte: MDR/Annette Schneider Solis

Projektkoordinator Axel Rolfs und "Elb"-Architekt Steffen Lauterbach entgegneten, dass bereits das frühere "Haus der Athleten" von seinem Träger – der Stiftung "Sport in Magdeburg" als Hotel unter anderem gastronomisch genutzt worden sei. Das neue "Elb" habe mit 33 Zimmern sogar eine geringere Kapazität als das frühere "Haus der Athleten" mit 60 Zimmern. Lauterbach sagte, die Prämisse, der Ersatzneubau dürfe nicht mehr Zimmer bekommen als sein Vorgängerbau, sei somit eingehalten worden.

Die Bürgerinitiative kritisierte des Weiteren, das "Elb" sei gebaut worden, obwohl der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) das Vorhaben abgelehnt hatte. Planungskoordinator und Architekt des "Elb" sagten, das Genehmigungsverfahren habe den gängigen Regeln entsprochen. Der Magdeburger Stadtrat habe dem Bau trotz der Einschätzung des LHW zugestimmt.

Weiteres Gespräch geplant

Die Entscheidung des Stadtrates sei unter Abwägung vieler Faktoren getroffen worden – sie sei rechtskräftig. Investor Meier sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir befinden uns hier in einem ganz fairen demokratischen Prozess, wo auch nicht nur die Verwaltung, sondern auch der Rat der Stadt Magdeburg klar ihr Fazit zu gegeben hat." Axel Rolfs kritisierte, die Bürgerinitiative unterscheide in ihrer Argumentation nicht zwischen genehmigungsrechtlichen, formalrechtlichen und förderrechtlichen Randbedingungen.

Planer und Architekt sehen sich zudem durch ein Flugblatt der Bürgerinitiative persönlich angegriffen. Darin wird behauptet, bei Fördermittelzusagen und Genehmigungen sei "übel getrickst" worden. Beide Seiten vereinbarten einen Austausch von Dokumenten, um ihre jeweiligen Standpunkte zu belegen – und verabredeten, im Anschluss ein weiteres Gespräch miteinander führen.

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MDR/Anette Schneider-Solis, Roland Jäger, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22. September 2021 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

Thommi Tulpe vor 3 Wochen

Ansonsten Haben Sie Recht.
Mit der Straßenbahnlinie 10 knapp eine Stunde von Rothensee nach Sudenburg gefahren: Man hat so ziemlich alles Sehenswerte von Magdeburg gesehen.

Realist62 vor 3 Wochen

+Jetzt noch drüber reden ist sinnlos, die Hütte ist fertig und die reißt nur die Elbe wieder weg. Jede weitere Diskussion erübrigt sich von selbst.+
Besser mal anschauen. Das ,,Hotel" übersteht jedes Hochwasser der Elbe. Auch wenn die Tiefgarage im Wasser ist.
+Abgesehen davon wüsste ich nicht, warum ich in magdeburg übernachten sollte.+
Der ex-BVB- Manager Michael Meier hätte da schon Verwendung.

Harka2 vor 3 Wochen

Jetzt noch drüber reden ist sinnlos, die Hütte ist fertig und die reißt nur die Elbe wieder weg. Jede weitere Diskussion erübrigt sich von selbst.

Abgesehen davon wüsste ich nicht, warum ich in magdeburg übernachten sollte. Das Hundertwasserhaus und der Dom sind schnell besichtig und somit dann auch schon alle Sehenswürdigkeiten abgehakt. Man kann noch ein bissl am Elbufer lang laufen, sich die Johanniskirche ansehen, aber sonst? Bausünden aus den letzten 70 Jahren? Das ist das Verkehrschaos mit seinen gefühlten ewigen Baustellen nicht wert.

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