Bürgerversammlung einberufen Egelner Mulde: Giftstoffe in der Ehle entdeckt

In der Ehle im Salzlandkreis sind krebserregende Chemikalien gefunden worden. Sie stammen möglicherweise vom ehemaligen Alkaliwerk in Westeregeln. Für Donnerstagabend haben Umweltministerium und Verbandsgemeindebürgermeister der Egelner Mulde nun eine Bürgerversammlung einberufen.

Probenentnahme aus einem Fluss (Symboldbild)
Gesundheitsgefährdende Stoffe in der Ehle im Salzlandkreis gefunden. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Im Bach Ehle im Salzlandkreis sind gesundheitsgefährdende Stoffe gefunden worden. Betroffen sind auch die Uferstreifen zwischen Westeregeln und der Einmündung in die Bode. Bei den Chemikalien handelt es sich um Chlorverbindungen. Das teilte die Verbandsgemeinde Egelner Mulde mit. Vermutlich seien die Chemikalien eine Altlast des ehemaligen Alkaliwerks in Westeregeln. In dem Werk hatte es in den 1960er-Jahren einen schweren Brand gegeben, auch produktionsbedingte Abwassereinleitungen aus dieser Zeit könnten der Grund für die erhöhten Werte sein.

Den Angaben nach sind die Chemikalien giftig und gelten als krebserregend. Sie werden über die Nahrung und über Staub aufgenommen. Die gemessenen Werte in und entlang der Ehle seien gefährlich für die menschliche Gesundheit. "Sie erfordern weitreichende Schutz- und Gefahrenabwehrmaßnahmen sowie Verhaltensregeln", heißt es in einem Schreiben von Michael Stöhr, Verbandsgemeindebürgermeister der Egelner Mulde.

Bürgerversammlung im Livestream

Stöhr sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Stoffe seien zufällig beim Ausbaggern der Ehle entdeckt worden. Insgesamt seien vorsorglich 3.700 Haushalte in Westeregeln, Egeln und Thartun über den Fund informiert worden, auch wenn nicht alle von ihnen unmittelbar an der Ehle liegen. Bislang habe es keine Häufung von Krankheiten entlang des Baches gegeben. Zu Maßnahmen, die jetzt getroffen werden müssten, wollte sich Stöhr am Mittwochabend noch nicht näher äußern.

Alkaliwerke Westeregeln In Westeregeln gab es über Jahrzehnte ein Alkaliwerk. Es geht zurück auf die bereits 1881 gegründete Consolidierten Alkaliwerke Westeregeln AG. In den späteren Solvay-Werken wurde von 1932 bis 1964 Xylamon hergestellt, ein fungizides und insektizides Holzschutzmittel, das seit Ende der 1980er Jahre verboten ist. Zudem wurde von 1955 bis 1964 Orophen hergestellt, hierbei handelt es sich um ein PCB-Produkt (zum Beispiel als Tränkmittel für Kondensatoren), mittlerweile ebenfalls verboten. Am 15. Januar 1961 kam es im Lager zu einem Brand, wo große Teile von Chemikalien verbrannten, darunter Naphtalin und Orophen.

Der Bürgermeister verwies auf eine für Donnerstagabend geplante Bürgerversammlung. Dort würden die Bewohner informiert. Die Veranstaltung richtet sich an Bürger der Verbandsgemeinde Egelner Mulde. Auch Vertreter vom Umweltministerium und der Landesanstalt für Altlastenfreistellung sollen mit dabei sein. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Schulzentrum Egeln. Weil ein großer Andrang erwartet wird, soll es einen Livestream der Veranstaltung im Internet geben.

Wer sich unter Anwohnern des ehemaligen Alkaliwerks umhört, bekommt zunächst gelassene Töne zu hören. Es sei bekannt, dass es die Werke damals nicht so genau mit der Entsorgung genommen hätten, wie das nach heutigen Maßstäben der Fall sei. Manche fragen sich aber auch, warum erhöhte Werte nicht schon früher entdeckt worden seien. Klärung erhoffen sich die Leute von der Bürgerversammlung am Abend.

Eine Sprecherin des Umweltministeriums teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit: "Die rechts und links der Ehle gemessenen PCB-Werte überschreiten die Vorsorgewerte. Ein Vorsorgewert gibt an, ab wann eine tägliche Dosis zu gesundheitlichen Schäden führen kann."

Chlorverbindungen PCB und PCN PCB und PCN sind Chlorverbindungen, die zum Beispiel in Transformatoren, Kondensatoren, Hydraulikanlagen sowie aufgrund ihrer fungiziden und insektiziden Wirkung zum Beispiel in Holzschutzmitteln (Xylamon) verwendet wurden. Heutzutage sind Produktion und Verwendung von PCB und PCN verboten. Sie gelten als krebserregend und beeinträchtigen das Immunsystem.

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Quelle: MDR/ms,mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Januar 2018 | 09:00 Uhr

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