Erkenntnis nach Großübung Harzkreis kann Afrikanische Schweinepest nicht eindämmen – weil Zäune fehlen

Der Landkreis Harz hat eine großangelegte Übung absolviert, um gegen die Afrikanische Schweinepest gewappnet zu sein. Eine Erkenntnis: Es fehlen in Sachsen-Anhalt Zäune, um Sperrzonen einzurichten.

Ein Schild mit der Aufschrift "Afrikanische Schweinepest" hängt an einem Zaun.
Afrikanische Schweinepest: Bei der Großübung im Harz fehlten Sperrzäune. Bildrechte: dpa

Sollte im Landkreis Harz die Afrikanische Schweinepest (ASP) auftreten, könnte keine erforderliche Sperrzone eingerichtet werden. Der Leiter des Veterinäramtes im Landkreis Harz, Dr. Rainer Miethig, sagte MDR Sachsen-Anhalt am Rande einer großangelegten Übung gegen die ASP, dass dem Landkreis keine notwendigen Zäune zur Verfügung stünden.

Kreisveterinär: Land und besonders Harzkreis fehlen Sperrzäune

"Soweit mir bekannt ist, hat das Land Sachsen-Anhalt 35 Kilometer Zaunmaterial – wir als Landkreis Harz nichts. Wenn man hört, dass in den anderen Bundesländern mehrere 100 Kilometer schon verbaut worden sind, dann muss man sich im Land Sachsen-Anhalt Gedanken machen, eine zentrale Vorsorge zu schaffen", so Miethig weiter.

Es hapert allgemein an der materiellen Ausstattung der Landkreise.

Dr. Rainer Miethig, Leiter des Veterinäramtes Landkreis Harz

Bei einem Fall von Afrikanischer Schweinepest soll ein erster Zaun um einen Radius von drei Kilometern das weitere Ausbreiten der Seuche verhindern. Allein dafür werden knapp 30 Kilometer Zaun benötigt.

Großübung mit nur etwa 500 Meter langem Zaun

Bei der Übung am vergangenen Samstag bei Friedrichsbrunn wurden die Suche und Bergung von Schwarzwild geprobt, an der Feuerwehren, das Technische Hilfswerk und Tierärzte des Landkreises teilnahmen. Dabei kamen u.a. auch Drohnen mit Wärmebildkameras zum Einsatz. Zur Veranschaulichung wurde dabei ein nur etwa 500 Meter langer Zaun errichtet.

Es lief alles Hand in Hand und größtenteils reibungslos. Damit können wir sehr zufrieden sein. Und wir wissen, worauf es ankommt.

Dr. Rainer Miethig, Leiter des Veterinäramtes Landkreis Harz

Hintergrundinformationen zur Afrikanischen Schweinepest (ASP)

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, von der Haus- und Wildschweine betroffen sind. In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus der ASP. Diese spielen in Mitteleuropa keine Rolle. Hier erfolgt eine Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Kadavern, die Aufnahme von Speiseabfällen oder Schweinefleischerzeugnissen bzw. -zubereitungen sowie andere indirekte Übertragungswege (Fahrzeuge, kontaminierte Ausrüstungsgegenstände einschl. Jagdausrüstung, landwirtschaftlich genutzte Geräte und Maschinen, Kleidung). Der Kontakt mit Blut ist der effizienteste Übertragungsweg. Nach einer Infektion entwickeln die Tiere sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome. ASP ist keine Zoonose, also zwischen Tier und Mensch übertragbare Infektionskrankheit, und daher für den Menschen ungefährlich. Andere Haus- und Wildtiere sind ebenfalls nicht empfänglich für die ASP. (Quelle: Friedrich-Loeffler-Institut, www.fli.de)

Die hochansteckende und für Schweine tödliche Afrikanische Schweinepest ist in Sachsen-Anhalt bislang nicht aufgetreten. Allerdings häufen sich laut Friedrich-Loeffler-Institut Fälle in den Nachbarländern Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2020 wurden demnach entlang der deutsch-polnischen Grenze 2.300 Fälle bei Wildschweinen sowie drei Ausbrüche bei Hausschweinen registriert

Ein Schild mit der Aufschrift "Achtung! Schweinepest". 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR/Sven Wudtke, Gero Hirschelmann

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 05. Oktober 2021 | 15:30 Uhr

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