Archäologie Knochen von Gehängten im Harz gefunden

Die Knochen von Menschen, die vermutlich vor mehreren Jahrhunderten in Harzgerode und Quedlinburg gehängt wurden, sind bei Ausgrabungen entdeckt worden. Archäologinnen und Archäologen hatten im Bereich von ehemaligen Galgen gegraben, die sie von einer Karte kannten.

Zwischen Baumwurzeln, nur einige Zentimeter unter der Erdoberfläche legt eine Archäologin die Knochenreste eines Hingerichteten frei.
Archäologin Marita Genesis an der Ausgrabungsstelle in Quedlinburg. Bildrechte: dpa

In Harzgerode und Quedlinburg haben Archäologinnen und Archäologen Knochen gehängter Menschen auf zwei Jahrhunderte alten Richtstätten gefunden. Laut Archäologin Marita Genesis sind es die ersten Grabungen dieser Art in Sachsen-Anhalt. Es seien außer den Knochen außerdem Metallfunde und eine blaue Glasperle gefunden worden.

Gehängte durften nicht auf Friedhof bestattet werden

Die Körper der gehängten Personen sind nach Angaben der Archäologin direkt unter dem Galgen verscharrt worden, die möglicherweise aus drei Eichenpfosten und mehreren meterlangen Querbalken bestanden haben. Archäologin Genesis zufolge waren die zum Tode verurteilten Menschen nach damaliger Ansicht ehrlos und durften nicht auf dem Friedhof in geweihter Erde bestattet werden.

Es haben demnach sieben bis acht Menschen gleichzeitig hingerichtet werden können. Die Archäologin sagte: "Sie hingen lange am Galgen. Die Zeit von einigen Wochen bis mehreren Jahren wurde im Urteil festgelegt." Das lange Hängen sei Teil der Strafe gewesen.

Auf einem ehemaligen Galgenberg in Quedlinburg finden archäologische Grabungen statt.
Die Ausgrabungen auf dem ehemaligen Galgenberg in Quedlinburg. Bildrechte: dpa

Galgen vermutlich vom 17. bis 19. Jahrhundert genutzt

Die Galgen hätten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer historischen Karte gefunden. Den Aufzeichnungen zufolge solle es über mehrere Jahrzehnte nacheinander zwei Dynastien von Henkersfamilien in Harzgerode gegeben haben. Es wurde nachgewiesen, dass der Galgen bei Harzgerode zwischen 1650 und 1800 genutzt wurde. Nach Angaben von Marita Genesis wurde er vermutlich schon im Mittelalter genutzt.

In Quedlinburg sei der Galgen von 1660 bis 1809 genutzt wurden. In die Löcher der drei Pfosten seien dann Linden gepflanzt worden, so Genesis, die heute den genauen Standort des Galgens zeigen. Unter dem Galgenstandort seien Keramikreste, sogenannte Malhornware, sowie verlagerte Knochenreste gefunden worden. In drei Gruben lag zudem je ein menschliches Skelett. Die Malhornware lässt laut Archäologin drauf schließen, dass die Toten aus dem 17. Jahrhundert stammen.

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dpa,MDR (Julia Heundorf)

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