Wetter im Harz So funktioniert die automatische Brocken-Wetterwarte

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Vor eineinhalb Jahren ist die Wetterwarte auf dem Brocken in den Automatikbetrieb umgestellt worden. Im vergangenen Winter hat es wegen technischer Probleme eine Unterbrechung in der Messreihe gegeben. Das extreme Wetter auf dem Berg hat die Techniker vor Herausforderungen gestellt. Nun liefert die Wetterwarte nach einigen Umbauten wieder alle wichtige Daten vom höchsten Berg im Harz.

Mann in Arbeitskleidung steht auf einer Art Gerüst und guckt sich eine Art Stab mit Fühlern genau an
Holger Heine kontrolliert einmal im Monat die Messgeräte auf dem Brocken. Dieser Apparat misst den Wind. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Luftdruck, Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit oder Wolkenhöhe – insgesamt zwölf Werte werden rund um die Uhr an der Wetterwarte auf dem Brocken gemessen. Und das seit 1896, als dort die erste Wetterwarte in Betrieb ging. Einige Werte werden sogar schon länger erhoben. Die Brockenwirte maßen bereits im 19. Jahrhundert zum Beispiel regelmäßig Luftdruck und Schneehöhen.

Im vergangenen Winter wurde diese Messreihe wegen technischer Probleme der Wetterstation, die seit Dezember ohne Personal arbeitet, unterbrochen. Niederschlag und Schneehöhe konnten nicht gemessen werden. Es hagelte viel Kritik. MDR-Wetterexperte Thomas Globig konnte nicht begreifen, wie eine jahrzehntelange, fast lückenlose Messreihe so leichtfertig unterbrochen werden konnte.

Tourismus abhängig von Wetterdaten

Den Harzer Schmalspurbahnen und der Tourismuswirtschaft fehlten plötzlich direkte Ansprechpartner bei Fragen zum Brockenwetter. Sie konnten den Touristen nun keine Schneehöhen auf dem Brocken mehr mitteilen. Andreas Meling, Geschäftsführer der Wernigerode Tourismus GmbH, sagt: "Die Schneehöhe ist ein wichtiges Entscheidungskriterium vor allem für Tagesgäste, in den zu Harz kommen. Diese Angaben sind für uns wichtig und wir hoffen, dass sie uns im kommenden Winter wieder zur Verfügung stehen." 

So soll es nun sein. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat kürzlich die letzten noch fehlenden Messgeräte auf dem Brocken installiert. Die Schneehöhenmessung beispielsweise soll im nächsten Winter per Lasertechnik erfolgen. Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches, auf dem Brocken allerdings schon.

Die Brockenwarte Früher und heute

Marc Kinkeldey war der letzte Leiter der Wetterwarte und mehr als zwanzig Jahre im Dienst. Sein altes Büro ist heute weitgehend leer.

Wetterwarte Brocken
Bildrechte: MDR/Marc Kinkeldey
Wetterwarte Brocken
Bildrechte: MDR/Marc Kinkeldey
Büro ohne mneschen und Computer, nur mit Kalender und Drucker
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Alle (2) Bilder anzeigen

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. Juni 2021 | 06:30 Uhr

Messgeräte auf extremes Wetter einstellen

Das Messgerät musste für das extreme Wetter angepasst werden. Ein eigens entwickeltes Heizrohr soll dafür sorgen, dass die Messung auch unter Extrembedingungen funktioniert. "Darauf sind wir auch ein bisschen stolz", sagt Systemingenieur Alrik Selle, der eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe für automatische Bergstationen beim DWD leitet, die sich vor allem mit Lösungen gegen die Vereisung der Geräte befasst.

Eisablagerungen sind ein Riesenproblem für die Wettertechniker. Auf dem Brocken können die schon mal einen halben Meter dick werden. Ohne Heizung geht deshalb gar nichts, und auch nicht ohne Erfindergeist.

Wegen des Extremwetters auf dem Berg wurden sämtliche Messgeräte und Sensoren mit extra starken Heizungen ausgestattet, die meisten davon wurden selbst entwickelt und gebaut. Beispielsweise wurden die Messfühler, mit denen die Sichtweite gemessen wird, dick mit einer speziellen Heizfolie umwickelt. Bis zu 800 Watt verbraucht allein diese Heizung, fast so viel wie eine Herdplatte. Das Gerät, mit dem die Wolkenhöhe gemessen wird, hat eine dicke Heizhaube bekommen, damit sich Schnee und Eis nicht darauf ablagern können.

Wetterwarte Wetter messen auf dem Brocken

Die Geräte, mit denen das Wetter auf dem Brocken gemessen werden, mussten vom DWD neu gedacht werden, weil die Bedingungen auf dem Brocken zu extrem sind. Im Winter sind etwa Geräteteile eingefroren.

Technisches Gerät mit eine großen Glaskugel vor einem Himmel über den Wolken
Auf dem Brocken wird das Wetter schon seit langem gemessen – dieses Foto entstand 2019. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Technisches Gerät mit eine großen Glaskugel vor einem Himmel über den Wolken
Auf dem Brocken wird das Wetter schon seit langem gemessen – dieses Foto entstand 2019. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Auf dem Dach eines holzvertäfelten Turms sind metallische Geräte installiert
Seit eineinhalb Jahren soll die Wetterwarte quasi von alleine arbeiten. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Holzturm auf einem Hügel – alles komplett mit Schnee umhüllt
Dazu muss aber alles funktionieren. Im Winter haben einige Geräte im vergangenen Jahr aber versagt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Zwei Männer stehen um Gerätekoffer und ein Gerät, dass einer Stehlampe ähnelt
Servicetechniker Holger Heine und Systemingenieur Alrik Selle arbeiten auf diesem Bild am Messgerät für die Niederschlagsmenge. Eine Arbeitsgruppe um Selle beim Deutschen Wetterdienst hat dafür gesorgt, dass die Geräte auch bei Extremwetter funktionieren. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Mann in Arbeitskleidung steht auf einer Art Gerüst und guckt sich eine Art Stab mit Fühlern genau an
An dieser Stelle wird der Wind gemessen – mit zwei Messgeräten. Das Gerät links ist eine ältere Bauart, rechts ein neueres, das mit Ultraschall funktioniert. Noch werden beide parallel genutzt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Kastenförmiges weißes Gerät mit kleiner Glaskuppel steht vor einer Hügellandschaft
Einmal im Monat werden alle Geräte gewartet. Servictechniker wie Holger Heine genießen bei der Arbeit hin und wieder solche Aussichten. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß
Alle (6) Bilder anzeigen

Auch im Winter korrekte Messwerte

Die Wetterwarte selbst wird in Zukunft nur noch gelegentlich vom Wartungspersonal besucht. Einmal im Monat reist Servicetechniker Holger Heine vom DWD-Standort Potsdam aus an, um die Geräte zu überprüfen und zu warten. Fällt etwas aus, ist er innerhalb von fünf Tagen auf dem höchsten Berg. "Ein Problem ist die Feuchtigkeit. Man kann machen was man will, das Wasser findet immer einen Weg", klagt Heine, der auch mal Spinnweben, Laub oder kleine Tiere aus den Zwischenräumen der Sensoren entfernen muss, weil diese die Messungen verfälschen.

All das habe man jetzt aber im Griff, erklärt DWD-Mann Alrik Selle. Alle Werte würden korrekt gemessen, und auch die Angaben zur Schneehöhe würden im Winter regelmäßig zur Verfügung stehen, verspricht er. Im Harz hofft man, dass das alles auch so funktionieren wird. Nicht nur Meteorologen, auch Brockenwanderer, Skitouristen und die Schmalspurbahner warten sehnlichst auf die Messwerte.

MDR/Carsten Reuß, Fabienne von der Eltz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Juni 2021 | 12:30 Uhr

5 Kommentare

Waldmann vor 6 Wochen

(2/2) Zuverlässige Messungen über Schneehöhen, Niederschlag, Sicht und andere Parameter werden unter diesen Bedingungen dort nie möglich sein. Auch für die Brockenbahn, den Tourismus und die Öffentlichkeit sind diese fehlerhaften Messwerte nicht zugänglich und bedeutungslos. Den Verantwortlichen sind diese Tatsachen bekannt und werden billigend in Kauf genommen. Keiner der ehemaligen Mitarbeiter geht mit 57 in den Ruhestand. Auch nach fast 45 Dienstjahren verbringen diese Leute ihre Dienstzeit nun teilweise weit weg von zu Hause, auf der Autobahn oder im homeoffice, während auf der Wetterwarte 2 ungelernte Kräfte eingestellt wurden und Sevicemitarbeiter einen Anfahrtsweg von 300 km wöchentlich zurücklegen.

Waldmann vor 6 Wochen

(1/2) Um einen Klimawandel zu dokumentieren, bedarf es jahrzehntelanger homogener Messreihen unter konstanten Bedingungen. Die Wetterwarte Brocken wurde deshalb 2010 zu einer Referenzstation ernannt. Sämtliche Messreihen, welche seit 1895 durch die Arbeit von vielen Beobachtergenerationen erstellt wurden, sind durch die Schließung der Wetterwarte 2020 hinfällig und ein Fall für den Papierkorb. Keine Technik kann im Winter auch nur annähernd das leisten, was die Beobachter dort geleistet haben.

W.Merseburger vor 6 Wochen

Vielleicht sollte man bei der Messung der Schneehöhen mittels "bewährter" Lasertechnik mal die Erfahrungen vom befreundeten Nachbarland Sachsen mit berücksichtigen. Auf dem Fichtelberg hat das automatische Gerät fleißig Schneehöhen gemessen. Nur am Messpunkt müssen sehr unterschiedliche Winde geherrscht haben, so dass trotz viel Neuschnee die Schneehöhe oft konstant blieb. Eine Frage ergibt sich für mich noch: Geht das "Brockenwetter" in die Betrachtungen und Statistiken von Sachsen Anhalt ein? Wenn ja, dann mit welcher Wichtung? Das extreme Wetter auf dem Brocken kann die schöne Statistik von der kontinuierlichen Erwärmung nämlich ganz schön durcheinander bringen!

Mehr aus dem Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt