Erstmals in Ostdeutschland Benneckenstein: Park für essbare Wildpflanzen und Kräuter eröffnet

Swen Wudtke
Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Bundesweit gibt es nur eine Handvoll – und in Sachsen-Anhalt nun den ersten "Ewilpa" in ganz Ostdeutschland. Ewilpa steht für "Essbare Wildpflanzen Park". Pflücken und Naschen ist dort nicht verboten, sondern ausdrücklich erwünscht. In Benneckenstein will man sich das auch touristisch zu Nutze machen.

Das grüne Band ist zerschnitten. Nein, nicht jenes entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Aber nur einen Steinwurf von ihr entfernt – in Benneckenstein – fiebert der Wildpflanzen-Verein der offiziellen Eröffnung seines "Essbare Wildpflanzen Parks" (Ewilpa) entgegen. Zeremoniell, einer Einweihung würdig, durchschneiden Gudrun Kopka und Ortsbürgermeister Kay Rogge am Sonntag gemeinsam das symbolische rote Band, das hier eben grün ist. "Gut Wuchs!", wünscht der Bürgermeister und erntet dafür breiten Applaus der anwesenden Gäste.

Ein Mann und eine Frau durchschneiden bei einer Eröffnung in Benneckenstein ein grünes Band. Um sie herum stehen mehrere Menschen.
Gudrun Kopka und Ortsbürgermeister Kay Rogge haben den Ewilpa am Wochenende eröffnet. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Der Ewilpa im Oberharz ist eröffnet, doch zu pflücken oder naschen gibt es außer Brennnesselblättern oder Hagebutten noch nicht sonderlich viel. "Das ist ja vollkommen klar", sagt Gudrun Kopka, denn "wir haben die ersten Pflanzen doch erst im Frühling gesetzt. Umso mehr freuen wir uns auf den nächsten Sommer. Dann werden wir wie wild reife Früchte und Kräuter ernten können."

Schon mehr als 1.500 Pflanzen wachsen und gedeihen

Blick auf einen Garten, in dem wilde Pflanzen wachsen.
Essen kann man bisher nur wenige der Pflanzen. Logisch: Der Wildpflanzen-Garten wurde erst im Frühsommer angelegt. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Der Startschuss fiel am Pfingstwochenende. In einer Art Subbotnik pflanzten Vereinsmitglieder Holunder, Weißdorn, Heidelbeere, legten eine Quitteninsel an, Speierlinge fanden ihren Stammplatz – und unten am Gondelteich entstand eine Nussecke. Alles soll kontrolliert verwildern. Und inzwischen gedeihen mehr als 1.500 Bäume, Sträucher und Bodenpflanzen. Goji- und Aronia-Beere, Kornelkirsche, Waldmeister – und die nächsten Obstbäume sind bereits für Oktober angekündigt.

Der Ewilpa wächst buchstäblich, und der Bürgermeister sieht darin eine große Chance für sein Städtchen, das zur Stadt Oberharz am Brocken gehört. Kay Rogge kann sich vorstellen, mit dieser Art Natur den Tourismus ankurbeln zu können. "Ein Angebot, um den Gast zu locken", sagt er ganz unverblümt, "gerade in Zeiten, in denen der Wald weicht."

Blick auf einen Garten, in dem wilde Pflanzen wachsen.
Schon jetzt wachsen und gedeihen im Ewilpa mehr als 1.500 Pflanzen. Und es sollen noch mehr werden. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Stempelstelle für Wanderer

Eine zusätzliche Kurbel hat sich in einem roten Holzkästchen eingenistet, und zwar in Form eines Stempels. Wanderer 'Im Schatten der Hexen' sollen so den Weg in den Ewilpa Benneckenstein finden, sagt Axel Steinbach vom Geistmühle Verlag bei der Einweihung. "Romane von Kathrin R. Hotowetz drehen sich nicht nur um Hexen und Mittelalter. Es sind auch Heil- und Wildkräuterkrimis." Diese Stempelstelle sei also stellvertretend Schauplatz für die ganzen Aktionen in den Büchern, in denen diese Wildkräuter auch vorkämen.

Die Visionen des Wildpflanzen-Vereins reichen indes noch weiter. Ganz ohne Hexerei träumt Gudrun Kopka davon, ein "wildes Restaurant zu eröffnen, wo nur Speisen aus Wildpflanzen hergestellt und serviert werden." Und vielleicht klappt es dann auch mit neuen Ortseingangsschildern. "Na ja, ich stelle mir vor, dass auf denen nicht nur Benneckenstein steht, sondern Ewilpa-Ort Benneckenstein. Das wäre doch schön."

Swen Wudtke
Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Über den Autor Swen Wudtke arbeitet seit 2020 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Heimat sind die Harzer Berge – und so liegt es auf der Hand, dass er aus dem Studio Wernigerode über alles berichtet, was die Harzer bewegt und für ganz Sachsen-Anhalt wichtig ist. Seine Erfahrungen sammelte Swen Wudtke in verschiedenen Medienhäusern, etwa bei radio ffn, RPR1., Radio38 oder auch bei Sat.1 und Baden TV. Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind seine Heimat rund um Rübeland und die weitläufige Natur des Drömlings.

Mehr zum Thema: Wildpflanzen

Essbare Wildpflanzen 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR FERNSEHEN So 18.07.2021 08:30Uhr 03:07 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/gestalten/anbau-essbare-wildpflanzen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Katharina Heuberger auf ihrem Wildblumenbalkon 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR FERNSEHEN So 11.07.2021 08:30Uhr 03:34 min

https://www.mdr.de/mdr-garten/geniessen/traumgarten/wildpflanzen-balkon-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

MDR/Swen Wudtke, Luca Deutschländer

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19. September 2021 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus dem Harz

Mehr aus Sachsen-Anhalt