Elmsfeuer Lila Funken: Seltenes Wetterphänomen auf dem Brocken

Mysteriöse Funkenbüschel – so sehen sogenannte Elmsfeuer aus. Diese Erscheinungen elektrischen Ursprungs sind zuletzt wiederholt auf dem Brocken gesehen worden. Erstmals gibt es nun auch Fotoaufnahmen davon.

Auf der Spitze eines Messinstruments sind violette Funken zu sehen
Die Webcam hat die Elmsfeuer (links) am 5. April um 22:30 Uhr sowie am 8. April um 0:30 Uhr festgehalten. Der Mast (Vergleich rechts) gehört zur Wetterstation auf dem Brocken. Bildrechte: harztourist.de/Deutscher Wetterdienst

Auf dem Brocken konnte ein hierzulande seltenes Wetterphänomen beobachtet werden, sogenannte Elmsfeuer oder auch Sankt-Elms-Feuer genannt. Die an kleine Blitze erinnernde elektrische Erscheinung wurde mehrfach per Webcam festgehalten. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sind es die ersten Aufnahmen eines Elmsfeuers auf dem höchsten Berg Mitteldeutschlands. Die Webcam befindet sich auf der Brocken-Wetterstation.

Knisternde Entladungen

Wie der DWD erklärt, gehören die Elmsfeuer zur Gruppe der Elektrometeore. Sie sind Vorboten von Blitzen und entstehen durch Entladung an abstehenden Gegenständen, meist aus Metall. Optisch ähneln sie stark verästelten Blitzen, die durch Sauerstoff und Stickstoffanteile blauviolett leuchten. Begleitet wird das Phänomen von hörbarem Knistern beziehungsweise Rauschen.

Elmsfeuer auf dem Brocken
Auf der Aufnahme der auf dem Brocken seit einigen Monaten betriebenen 360-Grad-Panoramakamera sind beim genauen Hinsehen lila Funken zu erkennen (Foto). Bildrechte: harztourist.de/

Auf dem Brocken herrschen dafür gerade ideale Bedingungen: eisige Temperaturen, dazu ein orkanartiger Sturm und feuchte Luft.

Rückseite des gotischen Marienleuchter in St. Johannis, Bischof Erasmus von Antiochia, 1962.
Benannt ist das Sankt-Elms-Feuer nach Bischof Erasmus von Antiochia. Bildrechte: IMAGO/United Archives

Beobachter sprechen von einer Gewitterstimmung, bei der man in einer Höhe von über 1.000 Metern ein Sankt-Elms-Feuer erleben kann.

Elmsfeuer sind nach dem heiligen Erasmus, italienisch Elmo, benannt – dem Patron der Seeleute. Sie waren es auch, die das Phänomen einst bei Sturm an ihren Schiffsmasten beobachteten.

Im Archiv des DWD befindet sich die Beobachtung eines Elmsfeuers auf dem Brocken aus dem Januar 1949. Sie wurde vom Stationsleiter und seiner Kollegin seinerzeit so beschrieben:

Wir eilten sofort auf den Turm, wo wir Zeugen eines grandiosen Schauspiels wurden. Jede Spitze, vor allem aber jede 'Blume' des starken Nebelfrostes war mit einem Flämmchen besetzt. Der vollständig vereiste Windfahnenaufbau war mit Flämmchenbüscheln dekoriert. … Leicht ausgestreckte Hände waren mit langen Geisterfingern besetzt. Das Knistern und Prickeln war deutlich fühlbar.

aus: aus "Geschichte der Meteorologie" Nr. 11 - 120 Jahre Wetterbeobachtung auf dem Brocken (Harz)

MDR (André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Mai 2022 | 15:30 Uhr

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