Corona-Modellprojekt Wie zwei Hotels im Harz das Öffnen wagen

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
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Regelmäßige Tests, Fiebermessen und ein strenges Hygienekonzept. Zwei Hotels im Harz empfangen im Rahmen eines Modellprojektes wieder Gäste. Das Ziel der Betreiber: Beweisen, dass ein sicherer Hotelbetrieb auch in Corona-Zeiten möglich ist. Bis zum 14. Mai läuft der Versuch. Fast alles ist dann wieder möglich, nur das Tragen einer FFP2-Maske ist Pflicht.

Die Gäste freut es: Susann Friebel und Silke Wendt gönnten sich im Naturresort Schindelbruch in Stolberg im Harz eine kurze Auszeit.
Die Gäste freut der Modellversuch: Susann Friebel und Silke Wendt gönnten sich im Naturresort Schindelbruch in Stolberg im Harz eine kurze Auszeit. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Mal wieder im Hotel übernachten, dort im Restaurant speisen, in der Bar etwas trinken und Wellnessangebote nutzen: All das können Gäste derzeit in zwei Hotels in Stolberg im Harz. Im Rahmen eines Modellprojekts begann im "Romantik Hotel FreiWerk" und im Wellnesshotel "Naturresort Schindelbruch" dort am vergangenen Freitag der Betrieb. Es gibt ein strenges Hygienekonzept und regelmäßig erfolgen Corona-Tests.

Im Vorfeld hatte es auch Kritik an dem von Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann genehmigten Modellprojekt gegeben. Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann zum Beispiel kritisierte dieses massiv kurz vor dem Start in einem Zeitungsinterview, bezeichnete dabei den Ministerpräsidenten sogar als Geisterfahrer. Das Projekt startete trotzdem am vergangenen Freitag.

Luftreinigungsanlage im Hotel: Das Naturresort Schindelbruch in Stolberg im Harz beteiligt sich an einem Modellprojekt.
Mit Luftreinigungsanlagen sollen die Bereiche abgedeckt werden, in denen kein regelmäßger Luftaustausch möglich ist. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

In den Tagen davor wurden die Außenanlagen auf Vordermann gebracht. Luftreinigungsgeräte wurden verteilt. Die 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den beiden Hotels von Clemens Ritter von Kempski hatten tagelang alle Hände voll zu tun. Regelmäßig wurden sie dabei auch auf Corona getestet. Der Hotelbetreiber, selbst promovierter Mediziner, hat ein strenges Hygienekonzept erarbeitet.

Beglaubigter Testnachweis bei Check-In

Öffnen trotz Corona: Das Naturresort Schindelbruch in Stolberg im Harz beteiligt sich an einem Modellprojekt.
Hygienekonzept im Hotel: Beim Check-In muss ein Corona-Test vorgelegt werden. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Clemens Ritter von Kempski hat teure Luftreinigungsgeräte angeschafft und überall dort verteilt, wo kein ständiger Luftaustausch ermöglicht werden kann. Das Personal wird alle 48 Stunden auf Corona getestet. Jeder Gast muss beim Check-In einen aktuellen, amtlich beglaubigten Corona-Test vorlegen. Wer länger als zwei Tage bleibt, muss alle 48 Stunden nachtesten. Nach dem Motto negativer Test trifft negativen Test soll jegliche Ansteckung vermieden werden. Sogar die Körpertemperatur wird vor dem Einchecken gemessen.

Schwimmen, Sauna, Hotelbar – fast alles ist wieder möglich

Danach aber gibt es alle Freiheiten zurück. Fast alles ist dann möglich im Hotel: Speisen im Restaurant, Saunabesuch, Schwimmen im Hotelpool, Sport im Fitnessstudio, sogar der gemütliche Abend in der Hotelbar. Nur das Tragen einer FFP2-Maske ist bei Bewegung im Hotel Pflicht.

Öffnen trotz Corona: Das Naturresort Schindelbruch in Stolberg im Harz beteiligt sich an einem Modellprojekt.
Fast alles ist wieder möglich: Sauna, Spa und Hotelbar. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Die Gäste nahmen Tests und Masken gelassen. Alle hätten sich ausnahmslos an die Regeln gehalten, freute sich Clemens Ritter von Kempski nach dem ersten Modellprojekt-Wochenende. Als er am Freitag die ersten Gäste begrüßt habe, sei das schon sehr emotional gewesen, so der Betreiber der beiden Hotels.

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Statt Vietnam eine Reise nach Stolberg im Harz

Zu den Ersten, die am Freitag eincheckten, gehörte Familie Schinna-Schulz aus Schkopau. Eigentlich wollten sie nach Vietnam reisen. Die Reise mussten sie aber jetzt zum zweiten Mal verschieben. Sie hätten im Fernsehen von dem Projekt in Stolberg erfahren und sofort gebucht. Eine Woche wollen sie bleiben. Es sei eine gewisse Freiheit wieder, die man genieße, meinen die beiden.

Susann Friebel und Silke Wendt aus Leipzig hingegen reisten Sonntag schon wieder ab. Eine kurze Auszeit, die aber fantastisch gewesen sei, zieht Friebel Bilanz. Es sei wunderbar gewesen, ein Stück Normalität zu erleben. Ihre Freundin Silke Wendt hat es "wunderbar gefallen". Sie hätten alles wahrgenommen, erzählt sie - Sauna, Restaurant. Bar. Die beiden berichten von einer unglaublichen Resonanz im Bekanntenkreis, die sie sehr beneidet hätten.

Clemens Ritter von Kempski, Hotelbetreiber in Stolberg im Harz
Hotelbetreiber und promovierter Mediziner Clemens Ritter von Kempski will einen einen sicheren Aufenthalt ermöglichen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Anke Möller-Zerrenthin hingegen ist Stammkundin im "Naturresort Schindelbruch". Die Apothekerin aus Bockenem in Niederdachsen wollte eigentlich über Ostern nach Dänemark fahren. Nun ist sie zum Wandern im Harz. Vom Hygienekonzept des Hotels und mit welcher Strenge es umgesetzt wird, ist sie beeindruckt. Sicher käme es dem Hotel jetzt zugute, dass der Chef Mediziner ist, findet sie. Sie habe ein gutes Gefühl hier, sagt sie und fügt noch hinzu, dass es ihrer Meinung nach ein falsches Signal sei, falls man die Modellprojekte wieder stoppen sollte.

Das ist denn auch die große Sorge des Hotelbetreibers. Er fährt seine beiden Hotels nur mit 50 Prozent Auslastung, damit sich alles gut einspielt und keine Fehler gemacht werden. Wirtschaftliche Gewinne würden damit nicht erwirtschaftet werden, sagt er. Das Gegenteil sei der Fall.

Modellversuch will beweisen, dass sicherer Betrieb möglich ist

Öffnen trotz Corona: Das Naturresort Schindelbruch in Stolberg im Harz beteiligt sich an einem Modellprojekt.
Bis zum 14. Mai soll das Projekt laufen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Clemens Ritter von Kempski will mit seinem Modellprojekt beweisen, dass sicherer Hotelbetrieb auch in Corona-Zeiten möglich ist. Doch wird er auch gelassen? Sachsen-Anhalts Landesregierung hat ihm das vierwöchige Projekt genehmigt. Es soll bis zum 14. Mai laufen. Doch es droht der Lockdown der Bundesregierung, der dann auch das Ende aller Modellprojekte bedeuten würde. Dann könnte schon bald wieder Schluss sein mit Wellness, Restaurants und Übernachten in Stolberg.

Das sei das falsche Signal, findet der Hotelbetreiber. "Es ist fahrlässig, Modellprojekte zu stoppen, die ja gerade in der Krise zeigen sollen, was geht", sagt er. Seine Hoffnung sei, dass die Bundesregierung erkennt, dass man nicht von Berlin aus die Außengastronomie in beispielsweise Quedlinburg Steuern muss. Über Fortführung oder Ende von Modellprojekten sollten die Länder entscheiden.

MDR/Martin Paul

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