Kreative Kreationen Aus Ballenstedt zur EM der Eis-Konditoren

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
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Mitfiebern bei der gerade begonnenen Fußball-Europameisterschaft wird Massimo Caraccioli vielleicht ein wenig. Der 48-jährige Eiskonditor aus Ballenstedt im Harz fiebert aber viel mehr einer ganz anderen EM entgegen, der Europameisterschaft der Eismacher Mitte Juli in Modena in Italien.

Ein Mann beim Herstellen von Eiscreme
Massimo Caraccioli in seinem Eis-Labor. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

"Cuore di Panna" steht über dem Eingang am Anhaltiner Platz in Ballenstedt. Der Name seines Eiscafés sagt viel über den gebürtigen Sizilianer. Massimo Caraccioli ist der Liebe wegen nach Ballenstedt gekommen. Und sein Beruf ist ihm eine Herzensangelegenheit und eine echte Berufung.

Vom Automechaniker zum Eiskonditor

Vor 24 Jahren lernt er seine heutige Ehefrau kennen, eine Ballenstedterin, die an der Deutschen Schule in Mailand unterrichtete. Caraccioli zieht irgendwann von Sizilien nach Norditalien. Hier lebt das Paar zehn Jahre und er arbeitet als Automechaniker. Doch seine Leidenschaft ist das Eis. Er lässt sich zum Eiskonditor ausbilden und besteht die Prüfung mit Bravour. Dann zieht das Paar nach Deutschland und eröffnet in Ballenstedt ein Eiscafé.

Ein Mann beim Herstellen von Eiscreme
Der Ballenstedter vor seinem Eiscafé. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Das ist jetzt elf Jahre her. Die Ehefrau arbeitet wieder als Lehrerin. Massimo Caraccioli aber kreiert immer wieder neue Eis-Sorten. Dabei experimentiert er in einem kleinen gekachelten Räumchen hinter seinem Eiscafé, das er liebevoll Labor nennt. "Wenn ich Langeweile habe, dann probiere ich alles Mögliche: Eis mit Spargel, mit Möhren, Tomaten, Basilikum, Prosecco, Wein", erzählt Caraccioli lachend.

Eis mit Spargel und Hefeweizenbier

Viel Außergewöhnliches und Verrücktes sei schon entstanden, nicht alles schmecke auch, sagt er augenzwinkernd. Das Spargeleis, daran erinnere er sich noch genau, das habe ihm fürchterlich geschmeckt, auch das Hefeweizenbier-Eis, dass er mal für ein paar Fußballer gemacht habe. Ein Volltreffer sei hingegen sein Tomateneis mit Minze gewesen. Ein Freund habe dann noch einen Spritzer Aceto Balsamico und etwas Pfeffer dazugegeben. Ein wahres Gedicht sei das gewesen, erinnert sich der Wahlharzer.

Eine Frau hält eine Waffel mit drei Eiskugeln. 1 min
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MDR JUMP Mo 07.06.2021 11:45Uhr 01:15 min

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Jedermanns Geschmack war seine Kreation zur Deutschland-Etappe des "Gelato Festivals Europa" im Jahr 2018 in Berlin. Mit ihrem Zitronen-Minze-Ingwer-Eis errangen er und ein befreundeter Eishersteller aus Dessau-Roßlau als Team den zweiten Platz und erhielten einen Sonderpreis. Damit ist er für die Europameisterschaft qualifiziert, die nun Mitte Juli in Modena in Italien stattfinden soll. Das Ziel dort heißt: Qualifikation zur WM, die im September in Florenz stattfinden soll.

Eigene Eissorte für die EM inspiriert vom Kindheits-Kuchenrezept

Ein Mann beim Herstellen von Eiscreme
Caccioli probiert viel aus - auch für die EM. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Eigens für den Wettbewerb hat Massimo Caraccioli eine ganz besondere neue Eis-Sorte kreiert. Seine Mutter habe, als er klein war, oft einen besonders leckeren Kuchen gebacken, erinnert er sich. Diesen Geschmack aus seiner Kindheit habe er auf eine Eis-Sorte übertragen wollen. Geröstete Pinienkerne gehören zum Rezept und Mandeln, Eier, Zucker, Zitrone, selbst hergestellte Zitronencreme, Vanille. "Keine Konservierungsstoffe, alles Natur", betont Caraccioli, auf dessen handgeschriebenem Rezeptblatt noch viel mehr steht.

Für die richtige Abstimmung der einzelnen Zutaten habe er zehn Tage lang getüftelt, sagt er. Da sei es um jedes einzelne Gramm gegangen. Aber jetzt habe er genau den Geschmack aus seiner Kindheit getroffen. "Beddra Matre" nennt Caraccioli seine neue Eis-Sorte. Das ist sizilianischer Dialekt und bedeutet "schöne Mama", in Erinnerung an den Kuchen seiner Mutter und an die Schönheit seiner Heimat Sizilien, erklärt Massimo Caraccioli. Schließlich seien in dem Eis nur sizilianische Zutaten.

Kunden mögen das EM-Eis

Er selbst ist begeistert von der eigenen Kreation. Ein paar Mal hat Caraccioli das neue Eis auch schon seinen Kunden angeboten. Es sei jedes Mal sehr schnell ausverkauft gewesen, berichtet er. Jetzt muss er nur noch im Juli die Jury überzeugen, und dann vielleicht sogar nochmal im September die WM-Juroren.

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Caraccioli freut es vor allem, wenn ihn seinen Kunden loben. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Doch wenn es nicht klappt, sei das auch kein Beinbruch, sagt der kreative Eismacher in Ballenstedt. Er sei schon überglücklich, überhaupt dabei zu sein. Die Konkurrenz sei sehr sehr gut. "Es sind die besten", so Caraccioli. Er freue sich bereits sehr, wenn seine Kunden seine Kreativität honorieren.

Wenn du etwas neu machst und die Leute freuen sich darüber, wenn du die Eisbecher an den Tisch bringst, und beim Weggehen hörst du 'Hmm' oder 'Lecker', das ist sehr schön, auch für meine Seele.

Massimo Caraccioli
Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
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Der Autor Carsten Reuß wurde in Aschersleben geboren und ist in einem kleinen Ort in der Nähe, nur wenige Kilometer vom Harzrand entfernt aufgewachsen. Nach seinem abgeschlossenen Werkzeugmaschinenbaustudium entdeckte er die Liebe zum Journalismus. Nach ersten Erfahrungen bei einer Tageszeitung und einem Abstecher in ein Maschinenbauunternehmen arbeitet Carsten Reuß seit 1993 für den MDR. Seitdem berichtet er regelmäßig aus dem Harz. Den erkundet er außer zu Fuß auch gern auf dem Motorrad, mit dem Fahrrad oder auf Skiern.

MDR/Carsten Reuß, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 11. Juni 2021 | 08:30 Uhr

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