Halberstadt Ermittlungen nach Anzeigen: Wachpersonal soll ZASt-Bewohner eingesperrt haben

Das Wachpersonal in der ZASt Halberstadt soll einen Bewohner eingesperrt und bedroht sowie einen weiteren verletzt haben. Auch ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes soll verletzt worden sein. Das Innenministerum hat eine "Null-Toleranz-Strategie" angekündigt. Die Ermittlungen laufen. Es ist nicht der erste Vorfall zwischen Bewohnern und Sicherheitspersonal in der Einrichtung.

Ein Polizeifahrzeug fährt in der näheren Umgebung der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber in Halberstadt durch eine Buschlandschaft
Die Kriminalpolizei ermittelt in drei Fällen an der ZASt Halberstadt. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Die Polizei ermittelt wegen mutmaßlicher Übergriffe durch Sicherheitsleute in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Halberstadt. Das teilte das Revier im Harz mit. Ein Asylbewerber habe angezeigt, stundenlang in einen Raum gesperrt und bedroht worden zu sein. Hintergrund sei gewesen, dass der Mann versucht haben soll, einen Bewohner in einem anderen Haus auf dem Gelände zu kontaktieren. Diese Kontakte sollen jedoch wegen der aktuellen Eindämmungsverordnung laut Polizei minimiert werden.

In einem weiteren Fall habe ein Asylbewerber eine gefährliche Körperverletzung durch Sicherheitspersonal angezeigt, so das Polizeirevier Harz. Der Mann wurde laut Polizei beim Betreten der ZASt von Wachpersonal kontrolliert und sollte an seinem Wohnblock erneut einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes seine Dokumente vorlegen.

Auch Wachpersonal stellt Anzeige

Über diese Maßnahme hat es laut Polizei Streit gegeben, so dass es zu einer Kontrolle des Syrers durch Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes gekommen sein soll. Hierbei soll es zu tätlichen Übergriffen des Sicherheitspersonals gekommen sein. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes wiederum zeigte eine Körperverletzung durch den Asylbewerber an.

In allen drei angezeigten Fällen hat die Kriminalpolizei Ermittlungen aufgenommen.

Innenministerium kündigt "Null-Toleranzstrategie" an

Ein Sprecher des Sicherheitsunternehmens äußerte sich gegenüber der Volkstimme und bestätigte, dass man die Polizei bei den Ermittlungen unterstütze. Die Vorwürfe und die Anzeigen kenne er jedoch noch nicht. Bis zum Vorliegen des Gegenbeweises gelte für seine Leute die Unschuldsvermutung. Der Sprecher kündigte jedoch an, sollte sich in den Ermittlungen herausstellen, dass Mitarbeiter Grenzen überschritten hätten, würden diese vom Dienst suspendiert.

Auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT sagte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) zu den Vorfällen: "Sollten sich die Verdachtsmomente gegen Mitarbeiter des Sicherheitspersonals zu einem hinreichenden Tatverdacht erhärten, gilt eine Null-Toleranz-Strategie." Zuvor müsse aber der Ausgang der laufenden Ermittlungen abgewartet werden. Dass der Rechtsstaat konkret funktioniere, zeige das Verfahren gegen drei ehemalige Mitarbeiter des Wachschutzes, die im vergangenen Jahr widerrechtlich Gewalt gegen Bewohner ausgeübt haben.

YouTube-Videos dokumentieren früheren Vorfall

Denn es sind nicht die ersten Vorfälle in der ZASt in Halberstadt. Im April 2019 sollen ehemalige Security-Mitarbeiter einen Asylbewerber zu Boden gestoßen, geschlagen und getreten haben. Von dem Vorfall waren Videos bei YouTube aufgetaucht und hatten so Ermittlungen ausgelöst. Diese liefen gegen vier Wachmänner, die in den Videos zu sehen waren. Gegen einen der Beschuldigten wurde das Verfahren laut Innenministerium jedoch eingestellt, da nicht mit einer Verurteilung zu rechnen sei. Drei weitere Mitarbeiter müssen sich vor dem Amtsgericht Halberstadt wegen Körperverletzung verantworten.

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Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 21. August 2020 | 05:00 Uhr

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