Arbeitseinsatz Pfingsten Wildpflanzenpark in Benneckestein: ernten und naschen erlaubt

Swen Wudtke
Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

In Benneckenstein nimmt der erste Ewilpa in Ostdeutschland Gestalt an. Ewilpa steht für "Essbare-Wildpflanzen-Park". Kräuter, Sträucher, Bäume, Wildgemüse werden gepflanzt, um sie kontrolliert verwildern zu lassen. Und alle können sich an den Erträgen bedienen und naschen.

Wildpflanzen-Park Benneckenstein
Mit einem Arbeitseinsatz an Pfingsten wurde in Benneckenstein der "Essbare-Wildpflanzen-Park" hergerichtet. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke

Eines der jungen Quittenbäumchen liegt in Benneckenstein in einer Schubkarre und wartet auf seinen Stammplatz. Und den hat Marian Wrazidlo schon ausgehoben. "Ganz vorsichtig an den Zweigen festhalten", ruft er seinem Sohn zu und lässt den Wurzelballen ganz sacht in das Pflanzloch plumpsen. Und schon beginnt der 10-jährige Justus die Erde mit gekonnten Tritten zu verdichten, um dem Bäumchen mit den noch geschlossenen, rosa schimmernden Blüten, standhaften Halt zu geben. "Steht wie 'ne Eins" meint er stolz und schnappt sich gemeinsam mit Papa das nächste Bäumchen.

Im Vergleich zur kleinen Quitte haben es Gisa Fölsch und Reiner Kuschel mit einem mächtigen Speierling zu tun – um die 5 Meter hoch, armdicker Stamm, Medizinball wuchtiger Wurzelballen. Aber auch dieser Wildobstbaum steht inzwischen im Lot. Und während Gisa ihn ordentlich wässert, meint sie: "Der Speierling ist verwandt mit der Eberesche und seine Miniäpfel werden im Herbst reif." Schmunzelnd fügt sie hinzu: "Wie die schmecken, weiß ich noch gar nicht. Aber das ist ja das Spannende."

Wildes Obst und Gemüse to go

Spannend deshalb, weil in einem Ewilpa das Pflücken und Naschen ausdrücklich erlaubt sei, sagt Gudrun Kopka. "Ewilpa steht für Essbare Wildpflanzen Park. Was wir hier anpflanzen, lassen wir kontrolliert verwildern. Die Früchte und Kräuter sind sehr gesund und ein Ewilpa ist als Allmende zu verstehen. Jeder, der möchte, kann ernten und naschen." Ewilpas gebe es bislang nur eine Handvoll, etwa in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Demnach lässt der botanische Subbotnik rund um den Gondelteich in Benneckenstein den ersten Ewilpa in Ostdeutschland entstehen. Das macht die Mitglieder des örtlichen Wildpflanzenvereins stolz. Und Bürgermeister Kay Rogge sieht "vielleicht sogar touristisches Potenzial".

Ewilpa Arbeitseinsatz für den Wildpflanzenpark Benneckenstein

Wildpflanzen-Park Benneckenstein
Bei der Pflanzaktion des Wildpflanzenvereins Benneckenstein ... Bildrechte: MDR/Swen Wudtke
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Bei der Pflanzaktion des Wildpflanzenvereins Benneckenstein ... Bildrechte: MDR/Swen Wudtke
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... wurde am Wochenende ein "Essbare-Wildpflanzen-Park" hergerichtet. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke
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Am Gondelteich entsteht eine Nussecke. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke
Wildpflanzen-Park Benneckenstein
Familie Wrazidlo pflanzt Quittenbäumchen. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke
Wildpflanzen-Park Benneckenstein
Später präsentieren Justus und Papa Marian Wrazidlo stolz die fertige Quitten-Insel. Bildrechte: MDR/Swen Wudtke
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Renaissance wilder Vitaminbomben

Bei der Gestaltung des Parks hat sogar die Sonne ein Wörtchen mitzureden. Gerade hier im Oberharz seien Licht und Schatten oder frischer und warmer Wind entscheidende Standortfaktoren für die Pflanzen, skizziert Nadine Herholt. "Deshalb stehen nun Kornelkirsche oder auch unsere Nuss-Ecke unten am Teich. Weiter oben legen wir Inseln an aus Maulbeere, Hagebutte, Weißdorn oder Heidelbeere."

An die 50 Büsche, Stauden und Bäume haben die Mitglieder des Wildpflanzenvereins am Pfingstwochenende gesetzt. Bis zur offiziellen Eröffnung des Ewilpa Benneckenstein im Herbst sollen es 100 sein.

Die Bäume der Quitten-Insel hat Familie Wrazidlo jedenfalls schon mal fertig eingebuddelt. Sprössling Justus: "Gerade im Harz sterben Bäume, ganze Wälder. Hier schaffen wir ein Kleinod, in dem es schon bald viele Wildfrüchte zu entdecken und schmecken gibt.

Swen Wudtke
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Über den Autor Swen Wudtke arbeitet seit 2020 bei MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Heimat sind die Harzer Berge - und so liegt es auf der Hand, dass er aus dem Studio Wernigerode über alles berichtet, was die Harzer bewegt und für ganz Sachsen-Anhalt wichtig ist. Seine Erfahrungen sammelte Swen Wudtke in verschiedenen Medienhäusern, etwa bei radio ffn, RPR1., Radio38 oder auch bei Sat.1 und Baden TV. Seine Lieblingsorte in Sachsen-Anhalt sind seine Heimat rund um Rübeland und die weitläufige Natur des Drömlings.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Mai 2021 | 12:40 Uhr

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