Betrugsmasche Abzocke: 6.500 Euro für 30 Minuten

Die Polizei Halberstadt sucht falsche Dachdecker, die in Blankenburg einen 73-Jährigen abgezockt haben: Für ihr Werkeln an einem angeblich undichten Dach forderten sie nach nur 30 Minuten Arbeitszeit 6.500 Euro. Der Senior gab ihnen 830 Euro, weil er nicht mehr hatte. Jetzt sucht die Polizei nach den mutmaßlichen Betrügern und nach weiteren Geschädigten. Und vor allem soll auch gewarnt werden: Denn viele brauchen nach dem jüngsten verheerenden Hochwasser Handwerker für Reparaturarbeiten.

Handwerker
Typisch ist die Überrumpelungstaktik: Erst von Schäden erzählen, Überraschungsmoment ausnutzen, ungefragt loslegen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Betrugsmasche ist nicht neu, aber sie funktioniert leider immer wieder: Angebliche Handwerker klingeln bei Menschen und erklären, es müssten dringend Reparaturen durchgeführt werden. Sonst würde ein großer Schaden entstehen. So erging es auch Egmont Uhlmann in Blankenburg im Harz mit falschen Dachdeckern. Er geht mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit, um andere zu warnen. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt und sucht weitere Geschädigte.

Vertrauen aufbauen, Angst verbreiten: Die Dachrinne ist angeblich undicht

Die Dachrinne müsse unbedingt geflickt werden, erklärte ein Mann Egmont Uhlmann am 1. März und stellte sich ihm als Handwerker vor. Noch bevor der 73-Jährige etwas erwiderte, stand der Unbekannte an dem Haus in Blankenburg auf einer Leiter. Der Senior verwies darauf, dass er hier nichts entscheiden könne, weil das Haus seinen Kindern gehöre. Dennoch kam der Flicken drauf. Fünf Euro solle das nur kosten. "Der hat sehr vertrauensvoll getan", erinnert sich Egmont Uhlmann.

Egmont Uhlmann
Die vermeintlichen Handwerker zockten Egmont Uhlmann nicht nur ab, sondern hinterließen auch noch Schäden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verunsichern, Druck aufbauen: Ein weiterer Handwerker kommt

Plötzlich betrat ein weiterer Mann das Grundstück. Und schnell stand dieser auf dem Dach des kleinen Hausvorbaus. Beide Männer redeten nun auf Egmont Uhlmann ein. Derweil werkelten sie weiter am Haus. "Da wurde es mir schon komisch. Ich sagte noch einmal: 'Ihr dürft hier nichts machen, das gehört mir nicht.' Sie machten einfach weiter und sagten: 'Das kostet nur 50 Euro.'"

Weil das Festnetztelefon klingelte, ging der 73-Jährige ins Haus, um zu telefonieren. Als er zurückkam, war bereits das alte Dach des Vorbaus abgedeckt, ein neues wurde montiert. "Ich habe aber immer noch nicht gedacht, dass das Verbrecher sind. Ich dachte, die machen ein bisschen was nebenbei", sagt Uhlmann.

Seriosität vorgaukeln: Der angebliche Chef stößt als dritter Mann dazu

Schließlich dämmerte es dem Senior, dass hier unseriöse Arbeiten verrichtet wurden: "Skeptisch wurde ich erst, als der dritte Mann ankam." Denn ein weiterer Unbekannter stellte sich Egmont Uhlmann schließlich als Chef vor und zeigte ihm eine Visitenkarte. Nun war auch noch von Reparaturbedarf auf dem Garagendach die Rede. Entgegnungen des Rentners stießen auf taube Ohren, die vermeintlichen Handwerker machten weiter. Auch diese Arbeiten würden sie preiswert verrichten, erklärten sie ihm. "Allerdings ohne einen Preis zu nennen", erinnert er sich.

Uwe Becker, Polizeihauptkommissar
Polizeihauptkommissar Uwe Becker: "Im hier aktuellen Fall wird wegen des Straftatbestandes des Wuchers ermittelt." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kasse machen: 6.500 Euro für 30 Minuten

Die angeblichen Handwerker forderten nun Bezahlung für ihre "Dienstleistung", in bar. Der Senior erklärte ihnen, dass er kein Geld im Haus habe. Zwei der Männer fuhren daraufhin mit ihm zur Bank. Auf dem Weg dorthin wurde ihm die Summe präsentiert: 6.500 Euro für 30 Minuten "Arbeit". "Das haben die mir vorher nicht gesagt. Da war die Rede von fünf Euro und 50 Euro maximal. Ich hatte Angst. Denn einer war ja dageblieben", erklärt Uhlmann.

Er befürchtete, dass der dritte Mann in sein Haus einbrechen würde, wenn er dem Trio kein Geld gebe. Schließlich hob er alles ab, was er auf dem Konto hatte: 830 Euro. Den Unbekannten zeigte er seinen Kontoauszug und diese gaben sich mit der Summe zufrieden. "Aufgrund des Umstandes, dass er es hier mit drei Tätern zu tun hatte, war er sicherlich der Situation völlig hilflos ausgesetzt, und es hätte auch für ihn eine Gefahrensituation ergeben können, wenn er dem zuwidergehandelt hätte", schätzt Polizeihauptkommissar Uwe Becker ein.

Für eine halbe Stunde Arbeit ohne großen Materialeinsatz 6.500 Euro. Da war mir klar, dass das eine Gangsterbande ist.

Egmont Uhlmann

Die Polizei ermittelt wegen Wuchers

Egmont Uhlmann rief die Polizei. In einem unbeobachteten Moment hatte er sich das deutsche Fahrzeugkennzeichen der Täter einprägen können. Die Spur führte zu drei rumänischen Staatsbürgern. Unter Mitarbeit der Behörden dort konnten drei Tatverdächtige ermittelt und dem 73-Jährigen Fotos zur Identifizierung vorgelegt werden. Doch er konnte nicht mit Sicherheit sagen, dass das auch die drei falschen Dachdecker waren. Es seien Fotos gewesen, "wo die Polizisten auch einschränkten, dass sie möglicherweise schon zehn Jahre alt sind oder noch älter", so Uhlmann. Damit musste das Verfahren vorerst eingestellt werden.

Doch damit nicht genug: Zum Verlust der 830 Euro kommen für Egmont Uhlmann weitere Kosten. Denn die Unbekannten haben die Dachbleche so fehlerhaft befestigt, dass sie undicht sind und bei Sturm wegzufliegen drohen. Es waren eben keine Profis am Werk. "Die Arbeiten, die in den meisten Fällen gar nicht notwendig sind, werden in sehr minderer Qualität durchgeführt und gehen auch relativ schnell", so Uwe Becker. "Im hier aktuellen Fall wird wegen des Straftatbestandes des Wuchers ermittelt."

Polizei bittet um Hinweise

Ansprechpartner: Polizei Halberstadt Wer hat in der Region Blankenburg etwas Verdächtiges zum Thema falsche Handwerker beobachtet? Oder wer wurde selbst durch derartige Machenschaften geschädigt?

Hinweise bitte an die Polizei Halberstadt, Telefon 03941-674 293.

So schützen Sie sich vor unseriösen Handwerkern – Tipps der Polizei Görlitz

  • Seriöse Firmen bieten ihre Arbeit nicht durch "Klingelputzen und Haustürgeschäfte" an.
  • Ausgehändigte Visitenkarten könnten gefälscht sein.
  • Gehen Sie nicht auf riskante Haustürgeschäfte ein.
  • Prüfen Sie die Kontaktmöglichkeiten: Seriöse Firmen haben neben einer Handynummer auch einen Festnetzanschluss und sind im Internet und anderen Quellen recherchierbar.
  • Fragen Sie bei dem angegebenen Betrieb selber nach und prüfen Sie, warum der Auftrag so günstig sein soll.  
  • Ziel der Kolonne ist es, den seriösen Eindruck einer ortsansässigen Firma zu vermitteln, um sich Ihr Vertrauen zu erschleichen.
  • Informieren Sie sich bei der Kreishandwerkerschaft über die Firma.
  • Leisten Sie auf keinen Fall Vorkasse, wenn die ausführende Firma Ihnen nicht seriös vorkommt.
  • Üblicherweise erhalten Sie keine Rechnungen, können die Arbeiten demzufolge steuerlich nicht absetzen und bleiben auf einem möglichen Schaden sitzen!
  • Greifen Sie auf regionale Produktanbieter zurück und überzeugen Sie sich selbst vor Ort.
  • Informieren Sie bei Betrugsverdacht sofort die Polizei.
  • Machen Sie Fotos von den angeblichen Schäden, die man bei Ihnen entdeckt hat, bevor diese repariert werden.
  • Notieren Sie sich bei Verdacht auf Betrug die Fahrzeugkennzeichen und machen Sie für die spätere Beweisführung Fotos von Personen und Fahrzeugen.

Strafanzeige stellen: Das müssen Sie beachten

Quelle: Kripo Live

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo Live | 25. Juli 2021 | 19:50 Uhr

4 Kommentare

Saxe vor 8 Wochen

Er hat sich doch sogar gegen die Beschäftigung der Arbeiter gewehrt, Ihnen osgar das Arbietn untersagt. Zu prüfen wäre da Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Sicher nicht Schwarzarbeit.

harzer vor 8 Wochen

Warum hat der Bauherr nicht die Polizei gerufen, diese so genannten HW wären doch in Panik geraten! Lieber Bauherr; Sie haben Schwarzarbeiter beschäftigt, hatten Sie deswegen Angst die Polizei sofort zu rufen?

wwdd vor 8 Wochen

Warum, hätte er eine Rechnung verlangt und sie bekommen, wäre es keine Schwarzarbeit gewesen.

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