Mit Optimismus ins neue Jahr Gastronom eröffnet mitten in Corona-Krise neues Lokal in Wernigerode

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Im Landkreis Harz gilt für die Gastronomie die strenge 2G+-Regelung. Viele Gaststätten haben deshalb kaum Gäste. Ausgerechnet in dieser Zeit eröffnet ein Wernigeröder ein neues Lokal. Kurz vor Weihnachten ist er gestartet.

Eine altes Fachwerkhaus in Wernigerode
Im Sommer hat ein Wernigeröder das Lokal "Zur Steingrube" wieder auf Vordermann gebracht. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Es ist ruhig im Lokal "Zur Steingrube" in Wernigerode. 40 Plätze hat die Gaststätte. Gerade mal ein Tisch ist an diesem Abend besetzt. Mittags sei gar keiner gekommen, sagt Karl-Heinz Erler. Doch der 78-jährige Gastwirt lässt sich nicht unterkriegen. Er sei guten Mutes, sagt der erfahrene Gastronom.

Alter der "Steingrube" ist unbekannt

Das Lokal "Zur Steingrube" ist das, was man gemeinhin ein Traditionslokal nennt. Serviert werden deutsche Küche und Harzer Spezialitäten. Wie alt das Lokal genau ist, weiß Karl-Heinz Erler nicht, aber er kennt es seit seiner Jugend. Gleich um die Ecke ist er aufgewachsen. Als Jugendlicher trank er hier mit Freunden sein erstes Bier. 1964 arbeitete er selbst sogar einmal als Kellner in der Gaststätte.

Restaurant in Wernigerode stand jahrelang leer

Doch seit Jahren stand das Lokal leer. Das wurmte Karl-Heinz Erler. Im vergangenen Sommer begann er zusammen mit seinem Sohn Sven, die Gaststätte umzubauen. Er mache das auch für seinen Sohn, sagt Erler. Der soll die Gaststätte mal übernehmen.

Ein älterer Mann sitzt in einer Gaststätte.
Karl-Heinz Erler will, dass sein Sohn die Gaststätte einmal übernimmt. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Im Sommer habe kaum jemand mehr an Corona gedacht, sagt Karl-Heinz Erler, und begründet damit auch den damaligen Umbaustart. Im Dezember war dann die Gaststätte fertig. Miete muss er auch zahlen. Also eröffnete er das Lokal, trotz der strengen 2G+-Regel, die für geimpfte und genesene Restaurantbesucher noch einen zusätzlichen Test erforderlich macht und im Landkreis Harz für leere Lokale sorgt.

Aber Karl-Heinz Erler ist Optimist und ein Gastronom aus Leidenschaft – seit fast 50 Jahren. Gelernt hat er einst den Beruf des Kraftfahrzeugschlossers. Mit 30 Jahren aber sattelte er um, war Kellner, Gaststättenleiter, sogar Hoteldirektor. Mehr als 30 Jahre kannte man ihn als Wirt der Wernigeröder "Schlossterrassen". Das alles nutze ihm nun, glaubt er.

Wernigeröder freuen sich, dass "Steingrube" wieder offen hat

Seine neue Gaststätte hat er im rustikalen Stil eingerichtet. Das Gestühl mutet historisch an, alte Zeitungen und Fotos von Filmstars der 1950er-Jahre hängen an den Wänden. "Das gibt Wärme", sagt Karl-Heinz Erler, der auf einen zweiten, separaten Gastraum für Familienfeiern oder Karten- und Würfelspieler verweist, mit dem er die alte Gaststätte erweitert hat.

Alte Filmplakate in einem Restaurant
Mit dem Charme der Filme der 1950er-Jahre will Erler Wärme und Gemütlichkeit schaffen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Hier sitzen jetzt auch die einzigen Gäste des Abends – eine Altherren-Runde, die sich zu Bier und Würfelspiel trifft und den Mut ihres Wirtes bewundert. Er finde es sehr gut, dass Erler etwas riskiert, meint Bernd Meyer. Sein Freund Karl-Heinz Drube erklärt, dass sie immer nebenan in einer Gaststätte zum Stammtisch waren, bis dort geschlossen wurde. Dass der "Kalle", wie er Erler nennt, nun hier aufgemacht habe, darüber habe er sich sehr gefreut.

Auch angesichts solch dankbarer Gäste schaut Karl-Heinz Erler voller Optimismus auf das neue Jahr. Er glaubt: Irgendwann werden die Regeln gelockert – und dann startet Wernigerode wieder durch. Bis dahin müssen Karl-Heinz Erler und sein Team durchhalten. "Mit Qualität und Freundlichkeit schaffen wir das", ist der Wirt überzeugt.

MDR (Carsten Reuß, Fabian Frenzel)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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