Regel soll Steuerbetrug verhindern Ein Jahr Bonpflicht: Händler in Sachsen-Anhalt schwer genervt

Sie war das Gesprächsthema beim Jahreswechsel 2019/2020: die Bonpflicht. Schon damals wurde über Sinn und Unsinn der neuen Regelung diskutiert. Ein Jahr später hat sich daran kaum etwas geändert. Viele Händler in Sachsen-Anhalt sind noch immer schwer genervt.

In Sachsen-Anhalt sind viele Händlerinnen und Händler auch ein Jahr nach Einführung der sogenannten Bonpflicht schwer genervt. Sie beklagen mehr Bürokratie, Aufwand und Müll sowie weniger Zeit für die eigentliche Arbeit, zeigt jetzt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Danach ist vor allem das Bäckerhandwerk betroffen.

Eine Sprecherin der Handwerkskammer Magdeburg sagte, in vielen Bäckereien stapelten sich die Bons. Viele Kunden verzichteten auf den Bon, wenn sie nur ein paar Brötchen kauften. Von der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) hieß es, die schlimmsten Befürchtungen seien eingetroffen.

Handwerkskammer: Entscheidung am "grünen Tisch" getroffen

Aus Gesprächen mit Händlern, Gastronomen oder betroffenen Unternehmen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft wisse man, dass die Kunden die Bons nicht annähmen. Hinzu kommt, dass die Einrichtung und Anschaffung der nötigen Kassensysteme teuer sei. Und: Es entstünden vermeidbare Abfälle.

Harsche Kritik äußerte auch die hallesche Handwerkskammer: Ein Sprecher sagte, die Entscheidung zur Einführung der Bonpflicht sei am "grünen Tisch" getroffen worden – also, ohne dass die Entscheider die Realität kennen würden. Die Bonpflicht habe viele Unternehmen im ohnehin schwierigen Corona-Jahr 2020 zusätzlich belastet.

Die Interessensvertretungen der Händlerinnen und Händler rechnen vor: Die Umrüstung der Kassen habe, je nach System, zwischen 500 und 4.000 Euro gekostet. Hinzu kämen weitere Kosten für die Entsorgung der Bons, hieß es. Antje Bauer, Geschäftsführerin für Starthilfe und Unternehmensförderung bei der IHK Halle-Dessau, sagt: "Es ist und bleibt natürlich im Interesse jedes ehrbaren Kaufmanns, wenn Steuerhinterziehung durch Manipulation von elektronischen Registrierkassen verhindert wird"

Die Bonpflicht und was dahinter steckt

Seit 1. Januar 2020 müssen Händler mit elektronischen Kassensystemen ihren Kundinnen und Kunden bei jedem Kauf unaufgefordert einen Beleg aushändigen – also den Kassenbon. Der Gesetzgeber will mit dieser schon 2016 beschlossenen "Belegausgabepflicht" Steuerbetrug über Mogelkassen verhindern. Kassen, so die Idee, sollen fälschungssicher sein und Manipulationen damit gar nicht erst möglich machen. Der Bon soll auch per Mail oder auf das Handy ausgegeben werden können.

Hintergrund: Der Staat verliert Jahr für Jahr hohe Summen, weil Unternehmen ihre Umsätze mit manipulierten Kassen, Schummelsoftware oder fingierten Rechnungen falsch oder gar nicht erfassen. Das betrifft vor allem Branchen, in denen viel mit Bargeld gezahlt wird – etwa die Gastronomie.

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte, noch könne man nicht absehen, in welchem Verhältnis die Kosten für die Anschaffung oder Umrüstung neuer Kassen und der Nutzen für den Staat stehen. Es sei, auch wegen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, zu früh, um das zu beantworten.

Die IHK schlägt indes vor, eine Wertgrenze einzuführen: "Wenn für kleine Beträge kein Beleg ausgegeben werden müsste, würde das schon helfen."

Quelle: MDR, dpa/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. Januar 2021 | 10:00 Uhr

7 Kommentare

Matthias Kattner vor 47 Wochen

Hallo, bitte bleibt mal alle auf dem Teppich. Wenn man bei einem Fleischer ein Wiener Würstchen kauft und er es über eine druckende Ladenwaage registriert, dann wird ein Kundenbon erzeugt. Dieser Vorgang ist schon immer so und niemand regt sich auf. Wo ist das Problem? Wenn ich in Italien einen Espresso kaufe, dann bekomme ich einen Kundenbon und das schon viele Jahre. Ich schäme mich fremd!

zenkimaus vor 47 Wochen

Ich bekomme bei meinem Döner Mann immer einen bon. Zu Barbiere und in Schichabars gehe ich nicht. Bei mehreren Bäckern werde ich schief angeschaut wenn ich den bon verlange. Also bitte nicht irgendjemanden verdächtigen, schwarze Schafe gibt es überall. Bei meinem Frisör musste ich mal 3 Euro mehr bezahlen, mein Freund nach mir nicht, hat die selben Leistung erhalten, hatte einen Kassenzettel und fragte nach, der Kollege war nicht mehr lange da arbeiten. Also alles seine Richtigkeit

Altmeister 50 vor 47 Wochen

"Entscheidung am grünen Tisch getroffen". Der ist gut.
Was interessiert die Entscheider am grünen Tisch die Befindlichkeit der steuererwirtschaftenden Unternehmer ? Überhaupt nicht. Hauptsache, deren Einkünfte und Pensionen sind gesichert.

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