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Landkreis Harz

Arsenbelastetes Grubenwasser: Land will Stollen im Harz sichern

Stand: 11. März 2021, 05:48 Uhr

In Grubenwasser aus zwei stillgelegten Bergwerksstollen in Gernrode und Alexisbad sind zu hohe Arsenwerte festgestellt worden. Nun sollen die Stollen gesichert und saniert werden. 5,7 Mio. Euro sind dafür eingeplant.

Nach Berichten über den Austritt von arsenbelastetem Grubenwasser aus stillgelegten Bergwerken im Harz will das Land die Sanierung der Stollen forcieren. Wie das Wirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte, sind für die nächsten Jahre insgeamt 5,7 Millionen Euro dafür vorgesehen. Sie seien als zusätzliche Haushaltsmittel für das Landesamt für Geologie und Bergwesen ab dem Jahr 2022 beantragt worden hieß es. Vorgesehen sei das Geld für die Sanierung des Hagentalstollens in Gernrode und des Schwefelstollens in Alexisbad. Das Landesamt werde dies "unterstützen und fachlich begleiten", obwohl es dafür eigentlich nicht zuständig sei. Die beiden Stollen seien vor Jahrzehnten stillgelegt worden und unterlägen deshalb nicht mehr der Bergaufsicht.

Stichproben ergaben hohe Arsen-Belastungen

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass aus den beiden Stollen mit Arsen belastetes Grubenwasser austritt. Bodenproben aus Gernrode und Alexisbad hätten eine Bodenbelastung gezeigt, die um das 16-fache beziehungsweise das Doppelte über den gesetzlichen Grenzwerten lagen, sagte ein Sprecher der Hochschule Magdeburg-Stendal am Mittwoch. Nach Berichten von Radio Brocken waren bei zwei Stichproben in den beiden stillgelegten Stollen Arsengehalte von rund 230 ppm in Alexisbad und fast 2.000 ppm in Gernrode festgestellt worden. Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 140 ppm.

Schlammaustritt durch Schneeschmelze ausgelöst

Laut Wirtschaftsministerium war Anfang März aus dem Mundloch des Schwefelstollens in Alexisbad Eisenhydroxidschlamm ausgetreten und hatte sich auf einer Fläche von rund 150 Quadratmetern verteilt. Der Schlamm sei zum Teil auch in die Selke geflossen. Ursache für den Schlammaustritt aus dem Stollen sei aus Sicht des Landesamtes für Geologie und Bergwesen die ungewöhnlich schnelle Schneeschmelze. Dadurch sei viel Wasser in den Stollen eingedrungen und habe Schlammablagerungen "mobilisiert".

Nach Angaben des Ministeriums wird an dem stillgelegten Stollen in Alexisbad regelmäßig Eisenhydroxidschlamm abgepumpt und entsorgt. Zuletzt sei dies im Dezember 2020 geschehen. Die letzte Überprüfung vor Ort habe am 26. Februar stattgefunden und habe keinen Handlungsbedarf erkennen lassen.

Im Hagentalstollen in Gernrode wird nach Angaben des Landratsamtes des Landkreises Harz seit 1. März Eisenhydroxidschlamm entsorgt. Diese Arbeiten sollen zwei bis vier Wochen dauern.

Landrat: "Alarmstufe Rot"

Landrat Thomas Balcerowski verwies im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT darauf, dass die beiden Stollen "schon seit Jahren ein Thema sind". Wenn dort schädliche Stoffe austräten und ins Grundwasser gelangten, "dann ist das Alarmstufe Rot". Dazu dürfe es nicht kommen, und deswegen müssten die zuständigen Stellen handeln.

Thomas Balcerowski sieht dringenden Handlungsbedarf. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Der Hagentalstollen in Gernrode gehört zum Grubenrevier Hohe Warte, in dem zu DDR-Zeiten Flussspat abgebaut wurde. Der Stollen diente unter anderem zur Entwässerung des Bergwerks. Der Schwefelstollen in Alexisbad gehörte zu einem vom 16. bis 18. Jahrhundert betriebenen Bergwerk, in dem unter anderem Schwefelkies abgebaut wurde.

dpa/MDR, Dirk Reinhardt

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. März 2021 | 05:00 Uhr

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